Links der Woche, rechts der Welt 36/21

Verhältnisse zur Welt

Eva von Redecker rät im Freitag-Interview dazu, sich in Sachen Klimakatastrophe keine technischen Illusionen zu machen, und berichtet, was sie das Aufwachsen im grünen Kapitalismus eines Bio-Bauernhofs gelehrt hat.

Die Ausstellung zum Verhältnis von Mensch und Tier in der Kunsthal Rotterdam setzt vor allem auf Niedlichkeit und erspart den Besuchern laut SZ damit das schlechte Gewissen. Ganz anders dagegen die von David Bainbridge präsentierte illustrierte Geschichte der Zoologie, die ebenfalls von der SZ für ihre herrlichen historischen Illustrationen gelobt wird.

Ganzheitliches Denken ist die einzige Rettung der Biosphäre und mit dem Kapitalismus unvereinbar – soweit stimmt Helge Buttkereit bei Telepolis Fabian Scheidler zu, um dann aufzuzeigen, wo dieser in seinem Buch „Der Stoff aus dem wir sind“ hinter seinem Anspruch zurückbleibt, einer neuen Naturphilosophie den Boden zu bereiten.

 

Morgen in die Zukunft

Auch deutsches Kino versucht sich an der Dystopie: Telepolis stellt den Science-Fiction-Film „Tides“ vor, in dem die Weltraum-Menschheit auf der unbewohnbaren Erde einen neuen alten Überlebenskampf findet. Klassische Weltraumzukunft gibt es heute Abend im DLF: Markus Metz und Georg Seeßlen bestreiten die Lange Nacht über Stanisław Lem. Tommaso Calarco erklärt im Standard-Interview, was wir von Quantencomputern haben werden und was Künstliche Intelligenz und Philosophie damit zu tun haben.

 

Berichte aus der Akademie

Über einen Soziologenstreit zwischen Andreas Reckwitz und Steffen Mau über das spätmoderne Klassenmodell berichtet die FAZ. Ebenda plädiert Christian Bermes dafür, die wissenschaftliche Politikberatung zu stärken – nicht zuletzt um Klarheit zu schaffen darüber, was mit „der Politik“ und „der Wissenschaft“ gemeint ist. Über Wissen als politischen Machtfaktor unterhalten sich auch Alexander Bogner und Jürgen Wiebicke im Philosophischen Radio des WDR 5.

(Photo: geralt, Gerd Altmann, pixabay.com, CC0)

Wer sich in die Grundlagen moderner Physik reinfuchsen will, ist bei Frank Wilczek nicht gut aufgehoben: Sein Buch ist ausweislich der Spektrum-Rezension für Laien zu schwer, für Fachleute zu banal. Also fangen wir mal klein bzw. sehr groß an: Ebenfalls bei Spektrum stellen Roland Lehoucq und Jean-Sébastien Steyer dar, wie unser Universum in der Theorie mehr oder weniger Dimensionen erhielt – vom Flatland bis zur Stringtheorie.

 

Menschen denken u.a.

Elsa Dorlin denkt in ihrer Philosophie der Gewalt über Selbstverteidigung, Notwehr und Revolte nach und die SZ empfiehlt ihr nicht ganz einfaches Buch. Matthias Warkus denkt in seiner 100. Spektrum-Kolumne über die seltsame Fähigkeit des Menschen nach, überaus rational und hochgradig irrational sein zu können.

Katrina Forrester widmet bei Essay und Diskurs im DLF ab morgen einen dreiteiligen Radioessay der Theorie sozialer Gerechtigkeit von John Rawls. Die Zeitschrift für Ideengeschichte widmet ihre aktuelle Ausgabe der Institution Habermas und fördert dabei laut SZ manch interessantes Archivmaterial zutage. Die Zeitschrift Sinn und Form wiederum publiziert den Briefwechsel zwischen Adorno und Hans Magnus Enzensberger; die FAZ gibt einen Einblick in ihre freundliche Korrespondenz über SPD und „Negative Dialektik“.

Robert Habeck diskutierte mit Herfried Münkler über das Epochenpanorama aus Marx, Wagner und Nietzsche und der Tagesspiegel hat zugehört. Jan-Werner Müllers Buch über die Grundlagen der herausgeforderten Demokratie wird bei Spektrum rezensiert.

 

Das Weitere und Engere

Es war nicht immer Krieg und Elend: Die FR unterhält sich mit Peter Frankopan über die frühe kulturelle Blüte Afghanistans und was nun aus dem Seidenstraßenland wird.

Hans Demmel hat sich ein halbes Jahr ausschließlich aus rechten Alternativmedien informiert und mit Friedrich Küppersbusch ein Buch darüber geschrieben. Im Gespräch mit Telepolis erläutert er Hintergründe und Lektionen seiner speziellen Nachrichtendiät.

Apropos: Ein Lichtwolf-Abo kann einen ausgewogenen Medienkonsum nicht ersetzen, wird aber als geistiges Nahrungsergänzungsmittel von führenden Philosophieproktologinnen empfohlen! In gut zwei Wochen erscheint das neue Heft – dann zum Weltthema „Fug“.


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