Links der Woche, rechts der Welt 19/20

Neuerfindung des Liberalismus

Auch der Liberalismus sollte nach der Corona-Krise nicht so weitermachen wie zuvor, rät Karen Horn im Tagesspiegel. Wie vor 100 Jahren sollte über das Verhältnis der Freiheit zu anderen Werten nachgedacht werden – ohne die alten Aversionen gegen Staat und Sozialgedöns. (03.05.20)

 

Pandemie als globales Gerechtigkeitsproblem

Das neuartige Corona-Virus interveniert in die Logiken des Anthropozäns und legt dessen Strukturen und Defizite offen, schreibt Bernd Scherer in der FAZ. Mit teurer Infrastruktur haben wir den gesamten Planeten erschlossen und nichts mehr für die Schwächsten übrig, am Ende ist das Autonomieversprechen gefährdet, um das es dabei doch immer ging. (03.05.20)

 

Bücher

Fasziniert ist der Freitag von Philipp Lenhards Biographie Friedrich Pollocks, der „grauen Eminenz“ der Frankfurter Schule. +++ Martha Nussbaums Verbesserungsvorschläge für das mangelhafte Ideal des Kosmopolitismus reißen die SZ nicht gerade vom Hocker. +++ Die ZEIT stellt das Buch „Diese Zivilisation ist gescheitert“ von Rupert Read und Samuel Alexander vor und freut sich, dass es zu spät, aber noch nicht zu spät (!) ist.

(Photo: spirit111, beate bachmann, pixabay.com, CC0)

Berichte aus der Akademie

Eine Studie, über die Telepolis berichtet, spekuliert über den Beitrag der Spanischen Grippe zu den Wahlsiegen der NSDAP. +++ Die FAZ wundert sich über das Argument, Menschen wollten sich gern einsortieren lassen, in Stefan Hirschauers Verteidigung der Genderforschung. +++ Der Astrobiologe Aleksandar Janjic vermutet den Ursprung des Lebens in den Viren und erklärt im Telepolis-Interview, warum die Lösung im Weltraum liegt.

 

Die Unordnung der Dinge

Wer Schutz verdient – und wer nicht: Stephan Lessenich denkt in der SZ über die Inflation des Begriffs Vulnerabilität im Infektionsschutzsprech nach. +++ David Goodhart erklärt im Freitag-Interview, warum die Gesellschaft in „Somewheres“ und „Anywheres“ gespalten ist und es auch guten Populismus gibt. +++ Können wir die Wahrheit vor lauter Daten nicht mehr sehen? Für James Bridle führt Big Data in ein neues dunkles Zeitalter und im Freitag-Interview erklärt er, was die Corona-Krise uns lehrt. +++ Schnauze voll von der Wirklichkeit? Die ZEIT empfiehlt Science Fiction als „Beatmungsgerät fürs Denken“ und bringt einen albernen Persönlichkeitstest, der ihnen verrät, welche Computerspiele zu Ihnen passen.

 

Streit um Mbembe

Nun verteidigen einige Intellektuelle Achille Mbembe gegen die Antisemitismusvorwürfe, wie die taz meldet. Einige fordern den Rücktritt des Antisemitismusbeauftragten Felix Klein, der die Vorwürfe erhoben hatte und mit dem Amt überfordert ist, wie der Freitag meldet. Die FR will in der Debatte bei Mbembes Verhältnis zu Israel bleiben und bringt Aleida Assmanns Kritik an einem zu weiten Antisemitismusbegriff nebst Klarstellung. Peter Ullrich schließlich blickt in einem taz-Kommentar auf die Eigentümlichkeiten jeder Debatte, in der der Nahost-Konflikt vorkommt.

 

Trotz Philosophie

Wuppertal versucht trotz Pandemie den 200. Geburtstag ihres berühmten Sohns Friedrich Engels zu begehen – u.a. mit einer Hotline, wie in der SZ steht. +++ In der Modewelt wird neuerdings Walter Benjamin gelesen, der in der Auseinandersetzung mit der Modejournalistin Helen Grund quasi den Retro-Look ersann, wie in der taz zu lesen ist. +++ Der Tagesspiegel hat einige internationale Reaktionen auf Giorgio Agambens steile Thesen zum Corona-Virus versammelt. +++ Emmanuel Macron hat Frankreich darauf eingestimmt, dass es kein Zurück zum Status quo ante gibt; die FR blickt auf die laufende Debatte darüber, was nach der Krise sein soll. +++ Den Tübinger Gedanken, wonach wir alle sowieso sterben müssen, denkt die taz als neuen deutschen Arbeitsethos weiter. +++ Matthias Warkus beantwortet in seiner Spektrum-Kolumne die Frage, die oft seufzend oder tränenerstickt gestellt wird: Wozu muss man im Philosophie-Studium formale Logik machen?

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