Links der Woche, rechts der Welt 26/19

Die Lehre vom Maß

Elisabeth von Thadden gibt Seminare zum guten Leben und in der gleichnamigen ZEIT-Reihe einige Kostproben der ethischen Frage, was wirklich not tut: Maslow und WLAN. Das war in der Antike noch anders und nicht schlechter, wie ja auch moderne Denker gute Ideen zum guten Leben haben. (20.06.19) [Darum übrigens geht es auch ausführlich in LW65 zum Thema „Not“.]

 

Jede App ist Affirmation

In der SZ denkt Evgeny Morozov über das schwierige Verhältnis zwischen (rechtspopulistischen) Regierungen und den großen IT-Konzernen nach, die vermeintlich links sind, tatsächlich aber mit disruptiven Technologien den Status quo festigen, wie er an einigen Beispielen zeigt und „Rebel Tech“ als Alternative fordert. (25.06.19)

 

Das himmlische Mandat wird entzogen

Im antiken China entschuldigte sich der Gottkaiser für Naturkatastrophen, schreibt Elias König beim Freitag, was auf ein spezifisches Verständnis der Beziehung zwischen Mensch und Natur hinweist, das dem Westen fehlt, welcher die Welt stur in die Klimakatastrophe treibt. (25.06.19)

 

Der wirklich Progressive machts besser

Jörg Scheller ergänzt das stete Lamento der NZZ über den Tugendterror um eine historische Dimension. Gegenüber kritischen Andersdenkenden seien im Netz „Vorverurteilungen und Unterstellungen an der Tagesordnung“ und auf gleiche Art gingen selbsternannte Progressive schon immer gegen ihre Gegner vor. (27.06.19)

 

Denken als Dienstleistung für KMU

Josefine Janert stellt in der FAZ die private School of Design Thinking vor, die zum Hasso-Plattner-Institut an der Uni Potsdam gehört und einen neuen, zeitgemäßen Denkstil lehren soll, mit dem sich vor allem Management-Probleme lösen und Unternehmen beraten, aber auch Tierhaare verwalten lassen. (28.06.19)

 

Mit Tieren leben

Es ließe sich durchaus fordern, Tiere zu nicht-menschlichen Personen zu erklären. So weit will der Tierethiker Björn Hayer in der ZEIT gar nicht gehen. Um die brutale Enfremdung zwischen Mensch und Tier zu beenden, wie sie sich etwa in der Massentierhaltung zeigt, bräuchte es Steuern, Verantwortung und Mut zur Utopie. (28.06.19)

(Photo: sasint, Sasin Tipchai, pixabay.com, CC0)

Bücher

Die NZZ stellt einen Schwung an wissenschaftlichen Büchern über das soziale Wesen des Menschen vor, das allzu lange rationalistisch vernachlässigt worden ist. +++ Michael Schmidt-Salomon argumentiert in seinem neuen Buch dafür, sich dem Neurodeterminismus in Gelassenheit zu ergeben, und kann den Rezensenten von Spektrum nicht überzeugen. +++ Cornelia Koppetsch nimmt in ihrem neuen Buch den Rechtspopulismus ernst als Zeichen eines „epochalen Umbruchs“ und die FAZ ist sehr angetan von dem soziologisch-historischen Panorama, das da ausgebreitet wird. +++ Bei Glanz & Elend wird der von Jessica Nitsche und Nadine Werner herausgegebene Sammelband über „Walter Benjamin und seine Quellen“ (so der Untertitel) besprochen. +++ Zum Humboldt-Jahr erscheint eine umfangreiche Hörbuchedition mit Ulrich Noethen, die in das nicht minder umfangreiche Lebenswerk des Alexander von Humboldt einführt und von der FAZ vorgestellt wird. +++ Otto A. Böhmers Buch „Brüder im Geiste – Heidegger trifft Hölderlin“ erscheint kommende Woche und die FR bringt einen blumigen Auszug, der nicht für jeden ist.

 

Die Unordnung der Dinge

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat Philipp Ruch vom „Zentrum für politische Schönheit“ zu einer Diskussion ein- und dann auf Weisung des Innenministeriums wieder ausgeladen, wogegen Ruch jetzt klagt, wie in der taz zu lesen ist. +++ Im Tagesspiegel erklärt Ruch, warum die Forderung des Außenministers, nach dem rechtsterroristischen Mord an Walter Lübcke (den Georg Seeßlen gewohnt klug in der ZEIT einordnet) einen „Donnerstag der Demokratie“ zu begehn, Quark bzw. eine Zumutung ist. ++ Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini hat im Bunker einen Kommunikationsberater, der eigentlich Philosoph ist und von der SZ vorgestellt wird. +++ Wie schwer es ist, über den schwierigen Begriff „Rasse“ nachzudenken und zu schreiben, hat der Tagesspiegel in Frankreich beobachtet. +++ Die Gesellschaft für Informatik hat umgefragt, wie sich die Deutschen Künstliche Intelligenz vorstellen, und die Popkultur triumphiert über die Bedenken, wie die taz meldet. +++ Albert T. Lieberg denkt über die notwendige grundlegende Transformation nach und Telepolis bringt einen Buchauszug über die De-Monetarisierung von Gütern und Dienstleistungen. +++ Ist der nächste Terrorismus Öko? Telepolis blickt auf die Politisierung und mögliche Radikalisierung der umweltbewegten Jugend.

 

Trotz Philosophie

Alain Finkielkraut gehört zu den französischen Premiumdenkern, die es einem nicht leicht machen, und er wird von der SZ trotzdem oder deswegen zu seinem 70. Geburtstag gewürdigt. +++ Nach dem 90. Geburtstag mit der Feueralarm-Rede kommt die generationenübergreifende Tagung über die Zukunft der Demokratie zu Ehren von Jürgen Habermas. Wer dabei war und über was referierte, ist in der FR nachzulesen, noch ausgieber in der taz und natürlich in der FAZ, die auch etwas Wehmut wahrnahm. +++ Svenja Flaßpöhler wiederum hat wohl ein Problem mit Habermas, das aber, wie Patrick Bahners in der FAZ aufspießt, aus einer Fehllektüre resultiert. +++ Auf Twitter gibt es Parodien der erratischen Briefe, die Franz Josef Wagner in der BILD an wen auch immer schreibt, und die taz hat Nils Markwardts sehr lustige FJW-Briefe an diverse Philosophen zusammengetragen. +++ In Österreich fördert die Krankenkasse den Philosophie-Unterricht in Grundschulen, ist im Standard zu lesen, und das Resultat ist herzallerliebst.

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