Links der Woche, rechts der Welt 25/19

Die maschinelle Renaissance der Ethik

Melanie Keim stellt in der NZZ den „Roboterphilosophen“ und „Schnelldenker“ Oliver Bendel vor, der „schon als Jugendlicher Gedichte schrieb“ (?!) und sich mit spannenden Fragen wie denen beschäftigt, ob Roboter lügen, sich verlieben oder Sterbehilfe leisten dürfen. (15.06.19)

 

Von den Medien zu den Mythen

In seiner lockeren NZZ-Reihe über Denkerkollegen widmet sich Hans Ulrich Gumbrecht diese Woche dem „angeblichen deutschen Dunkeldenker“ Friedrich Kittler. Der 2011 verstorbene Pionier der Medien- und Technikphilosophie war ein lange verkanntes Genie, bewunderte Nietzsche, hasste Apple und lernte aus seinen Irrtümern. (18.06.19)

 

Mit romantischer Ironie in die Zukunft

Die moderne Technologie verändert auch die Zeit selbst, meint Charlotte Krafft in der SZ nach der Lektüre von Armen Avanessians neuem Buch, denn Algorithmen sind uns stets voraus mit ihren selbsterfüllenden Prophezeiungen. Gilt das auch für die boomende dystopisch-spekulative Literatur, der etwas Schlegelsche Ironie gut täte? (18.06.19)

 

Woher kommt das Selbstvertrauen?

Sich etwas zu trauen hängt vom Selbstvertrauen ab, mit dem sich Stefanie Uhrig bei Spektrum beschäftigt. Dazu gilt es zunächst, den unscharfen Begriff gegen andere wie Selbstwirksamkeit, Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein abzugrenzen, um dann nach den Wurzeln des Selbstvertrauens zu suchen und Erziehungstipps zu sammeln. (18.06.19)

 

Es macht krank, aber innovativ

Vor 25 Jahren warnte der Soziologe Peter Gross vor der „Multioptionsgesellschaft“, deren Übermaß an Wahlmöglichkeiten zu Desorientierung und Stagnation führe, woran Simon M. Ingold in der NZZ erinnert und Grossʼ These an zeitgemäßen Pathologien wie ADHS, Fomo und konformistische Selbstverwirklichungsstrategien bestätigt sieht. (19.06.19)

 

Zombies, erwacht!

Warum handeln wir im Alltag gegen Vernunft und Überzeugung, fragt Dominik Finkelde in der NZZ und erklärt es sich mit einem zombiehaften Zustand schlafwandlerischen Uneigentlichkeit. Man macht halt so vor sich hin, was wiederum die Frage aufwirft, ob dieser Zustand der immer komplizierteren Gegenwart angemessen ist. (20.06.19)

 

Als die Lüge laufen lernte

Nicht nur Photos lassen sich fälschen, auch Videos. Philip Pramer und Fabian Sommavilla beschäftigen sich im Standard mit „Deepfakes“ – also von Algorithmen generierte Videos, in denen Prominente Dinge sagen und tun, die sie nie gesagt oder getan haben. Es wird erklärt, wie Deepfakes (selbst)gemacht werden und welche epistemische und politische Herausforderung sie darstellen. (21.06.19)

(Photo: Bru-nO, Bruno Glätsch, pixabay.com, CC0)

Radio

Letzte Woche ging es im Philosophischen Radio des WDR 5 um die Tugend, diese Woche ist die Moral dran. Bei Essay und Diskurs im DLF läuft derzeit eine sechsteilige Reihe über den neuen Antisemitismus. Die Lange Nacht ebd. widmet sich heute dem rastlosen Künstler Claudio Lange und morgen geht es bei Sein und Streit u.a. ebenfalls um Deepfakes und Kritische Theorie.

 

Habermas 90

Überall wurde und wird Jürgen Habermas zum 90. Geburtstag gratuliert, die ZEIT hat ihm gar eine ganze Ausgabe gewidmet. Hier darum nur eine kleine Auswahl bemerkenswerter Geburtstagsständchen: In der FR schreibt Otfried Höffe, Habermas gelte ihm als „ein deutscher Voltaire, aber themenreicher und begriffs- und argumentationsstärker“, während Jürgen Kaube ihm in der FAZ für das Beharren auf die Möglichkeit einer vernünftigen Weltgemeinschaft dankt. Die SZ gibt in einer Klickstrecke eine knackige Übersicht über das habermassche Ouevre, ausführlicher fällt Peter V. Brinkempers „Bestandsaufnahme“ bei Glanz & Elend aus, die u.a. auf das Verhältnis von Habermas zu Journalismus, Religion und Žižek eingeht. Während andere zum Geburtstag was bekommen, musste Habermas einen Vortrag halten, der hier von der taz rekapituliert wird und der von einem Feueralarm unterbrochen wurde, wie die FR meldet.

 

Berichte aus der Akademie

In dieser Woche haben Horden von Abiturientinnen ihre Gymnasien verlassen. Der Tagesspiegel fragt zehn von ihnen, wie sie in ihre Zukunft blicken, die FAZ fragt sie dagegen, ob sie sich gut auf die Uni vorbereitet fühlen, woran die HRK jüngst ja einige Zweifel äußerte. +++ Wir wissen um die Reklamewirkung der Phrase „Eine Studie beweist, dass…“, die Natalie Grams in ihrer Spektrum-Kolumne v.a. hinsichtlich der Homöopathie auseinandernimmt. Kam darüber nicht neulich auch was in der Glotze? +++ Auf der ersten deutsch-israelischen Studentenkonferenz in Frankfurt warnen Redner laut FAZ in seltener Einigkeit vor akademischem Antisemitismus. +++ Das BMBF hat Geistes- und Sozialwissenschaften als förderlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt erkannt und einen dicken Fördertopf aufgelegt, wie die FAZ berichtet. +++ Wie bloggen Geisteswissenschaftler? Der Hypotheses-Blogverbund hat dazu im Herbst 2018 eine Umfrage gestartet und stellt nun die Ergebnisse vor. +++ Althistoriker müssen ständig turnen und die Mommsen-Tagung in Berlin zog jüngst eine Bilanz in der Abgeschiedenheit eines barocken Fachjargon, wie ebenfalls in der FAZ zu lesen ist. +++ Wölfen fehlt der Muskel, mit dem Haushunde ihre Augenbrauen zum Dackelblick heben können, wie Spektrum meldet.

 

Trotz Philosophie

Peter E. Gordon hält 2019 die Adorno-Vorlesungen in Frankfurt und die FAZ stellt uns den Harvard-Historiker vor, der an drei Abenden nach Adornos Quellen der Normativität (Materialismus, Metaphysik oder Ästhetik?) suchen wird. +++ Vor 20 Jahren kam „Matrix“ in die Kinos und der Freitag hat zu diesem Anlass ein munteres A bis Z über den Filmklassiker vorbereitet. +++ Die FAZ berichtet fasziniert von einem Berliner Vortrag Giorgio Agambens über Sprache und Dichtung und wie sie Gesellschaften prägen. +++ Florian Werner und Svenja Flaßpöhler sind Philosophinnen und haben Kinder, weshalb sie ein philosophisches Buch übers Elternsein geschrieben haben und im Freitag-Interview ausführlich Rede und Antwort stehen. +++ Der Tagesspiegel berichtet vom Projekt „Umwelt macht Schule“, bei dem Schülerinnen mit ihrer Lehrerin ethische Fragen des Klimaschutzes diskutierten. +++ Es gibt einen brandneuen Lichtwolf: Ausgabe Nr. 66 steht unter dem Motto „Stumpf und Stil“.

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