Links der Woche, rechts der Welt 17/20

Pflichtethik und Utilitarismus im Lockdown

Valentin Widman betrachtet bei Telepolis das „Dilemma der Lockdown-Politik“, also die Abwägung zwischen der (ökonomischen) Zukunft der jüngeren Generation und der Gesundheit der älteren, also zwischen den Gefahren eines fortgesetzten Ausnahmezustands und denen einer zweiten Pandemiewelle. (19.04.20)

 

Menschenopfer für den Markt

In der Corona-Krise werden die Abgründe (neo-)liberaler Gesellschaften sichtbar, schreibt Thomas Assheuer in der ZEIT und zeichnet nach, worüber sich Gumbrecht, Eisenstein, Finkielkraut, Agamben und Sloterdijk als Diagnostiker streiten, während die Marktgläubigen schon einen Schritt weiter sind. (21.04.20)

 

Die spinnen, die Deutschen!

Telepolis bringt einen übersetzten Text von Diana Johnstone über die Verschwörungstheorienzum Corona-Virus in deutschsprachigen „alternativen Medien“: Hinter dem Lockdown steckt der Mammon. Das entlastet von der Enttäuschung, dass die „herrschende Klasse“ sich gerade als überhaupt nicht allmächtig erweist und es noch unübersichtlicher werden wird. (25.04.20)

(Photo: chermitove, Mohamed Chermiti, pixabay.com, CC0)

Bild und Ton

Wenn Sie Netflix & Co. schon durch haben, gucken Sie doch das Streaming-Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung, das die taz empfiehlt. Oder auf nach Parthenope: Im DLF kommt heute die Lange Nacht über Neapel. Bei Essay und Diskurs geht es morgen früh um den Humor und das Gelächter, bei Sein und Streit um Klimaschutz und Menschenwürde in der Corona-Krise, über deren emotionale Auswirkungen Gunter Gebauer und Jürgen Wiebicke im Philosophischen Radio des WDR 5 sprechen.

 

Die Unordnung der Dinge

Zivilcourage kann man trainieren wie einen Muskel – die FAZ hat sich einige Projekte zum Alltagsheroismus angeschaut. +++ Nicht nur für Afrika öffnet der gegenwärtige Ausnahmezustand die Gelegenheit, utopische Bilanz zu ziehen, wie Felwine Sarr in der SZ schreibt. +++ Distanz bedeutet Respekt, wie die taz bemerkt, als hätte sie Simmel gelesen.

 

Berichte aus der Akademie

Das Sommersemester beginnt unter seltsamen Bedingungen und die FAZ lässt fünf Studis schildern, wie sie den digitalen Vorlesungsbetrieb erleben. +++ Allen PR-trächtigen Erfolgsmeldungen zum Trotz ist mit Quantencomputern noch nichts anzufangen – und die Forschung könnte bald am Ende sein, wie die SZ berichtet. +++ Vor 400 Jahren wurde John Graunt geboren, der die wissenschaftliche Demographie begründete und methodisch weitere moderne Disziplinen inspirierte, wofür die FAZ ihn würdigt. +++ Außerdem empfiehlt die FAZ einen 30 Jahre alten Fachartikel über die Sozialpsychologie von Virgin-soil-Epidemien wie der Pest oder Aids.

 

Trotz Philosophie

Pop-Po-Sängerin Shakira hat die Ausgangsbeschränkungen genutzt, um in vier Wochen ein Diplom in antiker Philosophie zu erwerben, wie die FR meldet. Da hat sie jetzt was eigenes. +++ Richard David Precht spricht im FR-Interview über den Umgang mit der Corona-Krise und die FAZ moniert RDPs mangelndes Wissen um Kriegstaktik. +++ Da lesen wir lieber Georg Seeßlen, der in der taz bzw. im nothaltenden Zug über Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit nachsinnt. +++ Über Freiheit und Biopolitik unter dem Banner des Infektionsschutzes denkt auch Thomas Rudhof-Seibert im Freitag nach. +++ Töten auf Knopfdruck wünschte sich der Attentäter von Hanau und die FAZ geht dem Gedanken von Blumenberg über Ernst Jünger bis Mauthner nach. +++ Die ZEIT resümert die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Achille Mbembe, der sich im kostenpflichtigen Bereich selbst dazu äußert, während für Alan Posener in der WELT die Sache längst klar ist: Mbembe ist ein „Holocaustrelativierer und Israelhasser“, was durchaus etwas mit „Postcolonial Studies“ zu tun hat. +++ In der Frage, ob und wann ein Virus abgetötet werden kann, resümiert Matthias Warkus in seiner Spektrum-Kolumne einige philosophische Definitionen des Begriffs „lebendig“. +++ Nebenan bei Schwein & Zeit wird mit Seneca Ontologie als Quarantänebeschäftigung empfohlen. +++ Neben Seneca ist auch Marc Aurel gerade total angesagte „Corona-Lektüre“, wie die SZ etwas aufgedreht meldet. +++ Auch gut und immer besser: Der Überwolf mit 112 werbefreie Seiten über Über.

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