Links der Woche, rechts der Welt 09/21

Unterwegs denken

Nirgendwo in Hollywood ist (sagt man) so viel Heidegger wie in den Filmen Terrence Malicks. Die FAZ berichtet über die Recherche in der Frage, ob der öffentlichkeitsscheue Regisseur in jungen Jahren Heideggers Chauffeur war.

Die taz portraitiert den Spaziergangswissenschaftler Martin Schmitz und seine Disziplin, die weder Hobby noch bloße Hilfswissenschaft der Stadt- und Landschaftsplanung ist. Außerdem wird ebenda über Heideggers Wärmflasche gemutmaßt.

 

Leben im Lockdown

Die Dinge sind schon knifflig genug – und dann auch noch traurige Filme gucken? Björn Hayer erklärt in der ZEIT, was uns der Konsum melancholischer Machwerke im Lockdown bringt, und gibt einschlägige Filmempfehlungen.

Soziale Kontrolle senkt das Infektionsrisiko, wie eine Studie meint, über die die FAZ berichtet, und der Freitag nimmt sich Slavoj Žižeks Neuerscheinungen über Rassismus, Klimakatastrophe und Pandemie-Kommunismus an.

Und vielleicht ist all das ja der Anfang vom Ende, das den Anfang der Netflix-Serie „Tribes of Europa“ bereitet. Der Freitag stellt uns die im postapokalyptischen Europa angesiedelte Serie vor.

 

Die neue Weltunordnung

Vor 20 Jahren hat sich die Welt geändert und Stefan Weidner blickt zurück, wie „der Westen“ nach 9/11 dem Islamismus mit Anlauf in die Falle sprang. Der Freitag bespricht sein Buch über den „Krieg gegen den Terror“ und dessen Folgen. In Spanien wurde der katalanische Rapper Pablo Hasél verhaftet und die ZEIT erklärt, warum der RAF-Bewunderer als letzter die „Rhetorik des antiimperialistischen Kampfes“ beherrscht.

Nicola Gess hat sich mit literaturwissenschaftlichem Besteck über Verschwörungsmythen als Beispiel „postfaktischer Kommunikation“ gebeugt und die ZEIT ist begeistert über die neuen Perspektiven auf ein altes Phänomen. Über das Geschäft mit Alternativmedizin hat Beate Frenkel ein Buch geschrieben, das Spektrum rezensiert.

Peter Schäfer hat eine Kurze Geschichte des Antisemitismus“ seit dem Hellenismus vorgelegt, das die SZ trotz oder wegen ihrer Kürze zur Aufnahme in den Kanon empfiehlt, und auch Mohamed Amjahids Anleitung, dem allgegenwärtigen Rassismus hierzulande und den weißen Privilegien endlich ins Auge zu blicken, findet das Wohlwollen der SZ. Aufregung ist das Triebmittel des Faschismus ebenso wie der sozialen Medien, wie die FAZ dem Buch von Maik Fielitz und Holger Marcks über Methoden des Netzextremismus entnimmt.

 

Zeitgenossenschaften

Dorothee Linnemann fragt in der FR, wo die Denkmäler für die Heldinnen der Frauenbewegung sind, und erinnert an deren Kampf gegen die rechtliche Zementierung der Ungleichheit im Kaiserreich. Im DLF kommt heute Abend die Lange Nacht über Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.

Die FAZ stellt Jay H. Gellers biographische Studie über die Gebrüder Scholem vor und die FR erinnert an Charles Darwins weniger berühmtes zweites Werk, das vor 150 Jahren den Menschen in die Tierwelt einsortierte (und Rassisten auf dumme Ideen brachte). Die Sendung Aus Kultur- und Sozialwissenschaften im DLF berichtete u.a. angenehm unaufgeregt über eine Tagung zur Frage, ob Kant ein Rassist war. Der DLF wiederholte außerdem Erinnerungen an den vorbildlichen Roger Willemsen, ohne den diese arme Welt nun schon fünf Jahre auskommen muss.

 

Nichts als Letztes

Helmut Höge setzt seine verdienstvolle vieh-losophische Arbeit in der taz fort und widmet sich diese Woche der Ziege.

(Photo: Chraecker, Chräcker Heller, pixabay.com, CC0)

Matthias Warkus grübelt in seiner Spektrum-Kolumne über die Identität des Unterscheidbaren nach Leibniz, die auch Teilchenphysikerinnen in Atem hält. Über das rätselhafte Phänomen des Geldes unterhalten sich Eske Bockelmann und Jürgen Wiebicke im Philosophischen Radio des WDR 5. Vom Achtsamkeits-Ratgeber zum ökosozialen Manifest: Die ZEIT stellt Jenny Odells Buch über das Nichtstun vor.


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