Links der Woche, rechts der Welt 05/19

Ein Fetisch für Loser

„Wann kippt der Stolz auf das eigene Land in die Angst, das Eigene zu verlieren?“, fragt Herfried Münkler in der NZZ und hebt an mit Überlegungen zu Selbstbewusstsein, Identität und die mit ihnen verbundenen Fetische, deren Entzauberung so manchen überfordert. (26.01.19)

 

Mobilmachung in der Dromokratie

Auch wenn sich die Lobbyisten noch erfolgreich gegen jede Befriedung des Bürgerkriegs auf den Straßen wehren, ist das Auto bereits zu der Anti-Utopie geworden, die Paul Virilio vorausahnte, wie Adrian Lobe in der ZEIT schreibt und über Mobs und Mobilisierung im rasenden Stillstand nachdenkt. (28.01.19)

 

Die Ungleichheit beginnt im Kopf

Dominik Irtenkauf unterhält sich bei Telepolis mit der Soziologin Laura Wiesböck über die unvollendete Gleichheit in modernen Gesellschaften, die von Privilegien, Selbstgerechtigkeit und dem falschen Versprechen, Leistung lohne sich, geprägt sind. (29.01.19)

 

Besuchen oder blocken

Um als Frau in den asozialen Netzwerken mit Hass überzogen zu werden, muss man nicht einmal provokante Äußerungen machen, wie Julia Bähr in der FAZ schreibt und einige Strategien zum Umgang mit der verrohten Diskurskultur im Netz diskutiert, an der sich wohl nichts ändern wird. (02.02.19)

 

Erstens, zweitens, drittens…

Steven Pinker bemüht sich, den postmodernen Immerschlimmerismus zu widerlegen, und erntet dafür seinerseits Kritik. In der NZZ nimmt er acht kulturpessimistische Einwände gegen sein unbeirrtes Festhalten am Projekt des aufklärerischen Fortschritts auseinander. (02.02.19)

(Photo: SD-Pictures, Ralf Vetterle, pixabay.com, CC0)

Bücher

Was kann man heute noch von antiker Rhetorik lernen? Die NZZ bespricht Alfons Reckermanns Buch „Überzeugen“. +++ Thomas Biebricher hat mit „Geistig-moralische Wende“ in den Augen der taz das richtige Buch zur Krise des deutschen Konservatismus geschrieben. +++ Dem Standard kommt Francis Fukuyamas jüngste Gegenwartsdiagnose über Identitätsverlust als Gefahr für Demokratien wie die matte Fleißarbeit eines Politikberaters vor. +++ Nick Bostrom ist ein Fachmann für die Zukunft der Menschheit, der in seinem neuen, von der taz vorgestellten Buch den Transhumanismus utilitaristisch begründet. +++ Die Medienwissenschaftlerin Birgit Schneider hat eine „Genealogie globaler Bildpolitiken von Klima und Klimawandel“ vorgelegt, die dem Freitag eine faszinierende Metaebene zu unserem Fortschrittsdiskurs aufzeigt.

 

Bild und Ton

Man muss anglophil sein, um mit „Doctor Who“ etwas anfangen zu sein. Georg Seeßlen beschäftigt sich in der ZEIT mit dieser verspielten Erzählmaschine, in deren neuer Staffel der Doctor erstmals von einer Frau dargestellt wird.

Arme Reiche: Die taz stellt Lauren Greenfields Dokumentation „Generation Wealth“ über das traurige Leben in goldenen Käfigen vor.

Frau Lenk und Herr Meier unterhalten sich weiter über das Internet und haben bereits zehn Abonnenten. Aus diesem Anlass bringen sie eine Top Ten der am meisten missverstandenen wissenschaftlichen Konzepte:

Die Masse ist wieder da, in neuem Gewand, und darüber unterhalten sich Gunter Gebauer und Jürgen Wiebicke im Philosophischen Radio des WDR 5. Es braucht keine Leitkultur für ein Miteinander in Vielfalt, wie Jörg Scheller morgen früh bei Essay und Diskurs im DLF erklärt. Mittags geht es bei Sein und Streit u.a. um die Frage, ob die Vernunft in postfaktischen, autoritären Zeiten erledigt ist.

 

Aus der Akademie

Die Schulbücher in Nordrhein-Westfalen sind darauf untersucht worden, wie sie Extremismus darstellen; das FAZ-Blogseminar berichtet über die Studie, die einen Fokus auf Rechtsextremismus festgestellt hat. +++ Otfried Höffe denkt in der FR darüber nach, warum deutsche Unis im internationalen Hochschulranking trotz Exzellenzkram nun auch hinter chinesischen zurückbleiben.

 

Trotz Philosophie

Jasmin Ramadan erklärt in der taz, dass wir zum Zwecke sozialer Kohäsion über andere lästern wie sich die Affen gegenseitig lausen. +++ Wie der Standard meldet, wird die die Vorlesung „Ethics for Nerds“ an der Universität des Saarlandes dafür ausgezeichnet, Informatikerinnen ethische Grundkompetenzen beizubringen. +++ Auf 30 Bände ist der Ueberweg, die amtliche Philosophiegeschichte, seit 1860 angewachsen. Die FAZ besucht die neuen Herausgeber, die sich nun an die Philosophie des 20. Jahrhunderts aus globaler Perspektive machen müssen. +++ Walter Menzl gründete Mitte der 1950er am Bodensee eine Universität, die nichts weniger als eine „Totalschau des Universums“ versprach. Das Hypotheses-Blog Marginalien portraitiert den Sonderling, der am Ende einen Buttersäure-Anschlag auf ein Rubens-Gemälde verübte. +++ Tiere werden nicht erst im 20. Jahrhundert (oder in der Reihe „Viehlosovieh“) philosophisch ernstgenommen: Peter Adamson schreibt in der SZ über die muslimische Tierethik im Mittelalter, die dem abendländischen Denken über Tiere weit voraus war.

 

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