Links der Woche, rechts der Welt 03/18

Humanität hat keine Stimme

Es sieht ganz danach aus, als hätten sich in der Debatte um die Flüchtlingspolitik die Nationalisten und Grenzschützer durchgesetzt. In der ZEIT zeichnet Philipp Ther nach, wie die internationale Flüchtlingspolitik über Jahrzehnte zugrunde gerichtet wurde und jetzt überall für einen billigen Wahlerfolg über Bord geworfen wird. (10.01.18)

 

Religion als Ursache oder Symptom?

In der ZEIT diskutieren die Historiker Axel Gotthard und Johannes Burkhard über den Dreißigjährigen Krieg und darüber, ob die Konfessionen oder schnöde Machtansprüche die entscheidende Rolle in dem Konflikt spielten. (16.01.18)

 

Ohne Nichtakademikerkinder geht es nicht mehr

Der Hochschul-Bildungs-Report 2020, dessen Herausgeber nicht gerade für ihre gesellschaftskritische Haltung bekannt sind, zeigt sich alarmiert darüber, „wie sich soziale Selektion an den Hochschulen fortsetzt“. Elke Halefeldt stellt den Bericht und seine bildungspolitischen Forderungen bei Telepolis vor. (19.01.18)

 

aus der Mitte des Kreuzfeuers“

In der #meToo-Debatte über sexuelle Belästigung haben 99 Frauen um Catherine Deneuve zur Mäßigung aufgerufen. Paul Preciado antwortet ihnen in der ZEIT, dass der Kampf gegen „das sexuelle Regime“ nötig ist und lange dauern wird. Er bringt dabei eine besondere Perspektive auf die Geschlechterverhältnisse ein, da er als Frau geboren worden ist. (19.01.18)

(Photo: 5arah / Sarah Richter, pixabay.com, CC0)

Mehr Wolf statt Golf!

„Wie leben wir mit Tieren, die uns töten können?“, fragt Henrike Schirmacher im Blog „Platz für Tiere“ der FAZ. Denn die gesellschaftliche Debatte über die Rückkehr des Wolfs in deutschen Landen hat viel mit Psychologie und (auch geistiger) Provinzialität zu tun, wie der vergleichende Blick auf die ausbleibende Debatte um die Gefahren zeigt, die zum Beispiel von Autos ausgehen. (19.01.18)

 

Provozieren, mimimi, abverkaufen

Welche Mucke hören eigentlich Fremdenfeinde? Georg Seeßlen wühlt sich bei Getidan durch die neue Unübersichtlichkeit der deutschsprachigen Popmusik auf der Suche nach der Quelle des national-nostalgischen Miefs und nach dem medienökonomischen Erfolgsrezept rechter Popkultur. (19.01.18)

 

Lichtspiele

Falls Sie gerade mal sieben Stunden übrig haben, tauchen Sie doch in den Strom der Seltsamkeitsforschung ein: Auf dem YouTube-Kanal der Novelle findet sich der neue „Kurzfilm“ „Stream 0f Seltsamkeitsforschung“, in dem es um die unzähligen Wunder modernen Seins geht:

Wolfgang M. Schmitt guckt aktuelle Kinofilme durch die theoretische Brille und gibt dann auf Youtube eine ideologiekritische Filmkritik ab. Moviebreak stellt den Mann im Interview vor, der wie ein verklemmter Jurastudent aussieht und durch Slavoj Žižek den geheimen Wert banaler Streifen entdeckte. Hier geht es zu seinem Kanal.

Schnell weg: Der Standard befragt die Amerikanistin Alexandra Ganser über die Darstellung der Zukunft in Hollywood-Filmen, die im Weltraum spielen.

 

Radio

Robert „Erwachsenensprache“ Pfaller wird von Jürgen Wiebicke im Philosophischen Radio des WDR 5 zu Ge- und Verboten in der Alltagskommunikation befragt. Essay und Diskurs im DLF setzt morgen früh die Reihe über das Verhältnis von Natur und Kultur fort. Morgen mittag geht es in Sein und Streit dann u.a. um den Glauben an Markt, Finanzen und Ökonomie. Heute ab 23:05 Uhr gibt es im DLF die Lange Nacht der afrikanischen Literatur und auf Aus Kultur- und Sozialwissenschaften donnerstags muss hier ja nicht extra hingewiesen werden, das hören Sie sowieso jede Woche.

 

Bücher

Bei Getidan wird Thomas Machos Studie über den Suizid in der Moderne trotz mancher Fehlstelle gelobt. +++ Die NZZ rezensiert kurz Terry Eagletons Kampfschrift gegen den postmodernen Kulturbegriff. +++ Otfried Höffe stellt in der NZZ Charles Taylors neues Buch über das weltschöpfende Potential menschlichen Sprachvermögens vor. +++ Außerdem weist die NZZ auf den Essay „Die Freiheit, frei zu sein“ hin, der aus Hannah Arendts Nachlass ediert ist und Lesern ihres Revolutionsbuchs kaum Neues bietet. +++ Zu guter Letzt werden zwei Essays von Rebecca Solnit über die bemerkenswerten Schwierigkeiten besprochen, sich als Frau in der Gesellschaft zu bewegen. +++ Andrea Roedig hat für den Freitag zwei neue Bücher von Gareth Stedman und Christina Morina über Marx, den Marxismus und den Unterschied zwischen beiden gelesen. +++ Außerdem versteht der Freitag Robert Pfallers „Erwachsenensprache“ als Plädoyer für einen entspannteren Umgang vor allem miteinander.

 

Jahr 1 in Trumpistan

Vor einem Jahr wurde Donald Trump als 45. Präsident der USA vereidigt. „Alternative Fakten“ sind das Unwort dieses Jahres 2017 (das laut NASA zu den heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zählt) und die SZ findet das genauso richtig wie beunruhigend (obwohl sie im Wissensteil Eltern damit beruhigt, die Verlogenheit der eigenen Brut sei ein Zeichen von Intelligenz). Der Politologe Jan-Werner Müller denkt ebd. über die vermeintliche Wiederbelebung der Demokratie in Form einer durch Trump ausgelösten Autoimmunreaktion nach, die aber nicht an die grundsätzlichen Probleme rührt. In Kalifornien scheinen die USA noch in Ordnung, jedoch hocken längst auch hier die nationalpopulistischen Vordenker in ihren Denkpanzern, die Claus Leggewie in der FR mitsamt ihres theoretischen Rüstzeugs untersucht. Die taz unterhält sich mit Howard Jacobson darüber, wie der Kapitalismus die Trottel hervorbringt, die Trump wählten, und wie man dem ganzen Elend mit Humor begegnet.

 

Das Weitere und Engere

Jakob Augstein unterhält sich im Freitag mit dem Psychoanalytiker Fethi Benslama darüber, ob und wie Freud und Islam zusammenpassen und welches Triebschicksal islamistische Radikalisierung begünstigt. +++ Großbritannien hat jetzt eine „Ministerin für Einsamkeit“, was weniger mit dem Brexit und mehr mit den gesundheitlichen Risiken zu tun hat, die mit der wachsenden Zahl von Single-Haushalten einhergehen, wie Leonie Feuerbach in der FAZ berichtet. +++ Die FAZ greift auch eine Studie auf, die erklären will, warum Japan und die USA bei allen strukturellen Ähnlichkeiten vollkommen unterschiedliche Kriminalitäts- und Gewaltstatistiken haben. +++ Der Wall-Street-Investor Bill Miller führt seinen finanziellen Erfolg auf sein Philosophiestudium zurück und hat dem Philosophie-Department der Johns Hopkins University 75 Millionen US-Dollar geschenkt, wie die SZ meldet. +++ Das wird wohl noch mehr falsche Vorstellungen vom Studium anregen. Henrik Pomeranz hat fürs Uniblog der FAZ einige solche gesammelt, die dann zum Abbruch eines Mathe-, Jura- oder Philosophiestudiums führen. +++ Bersarin gratuliert in seinem Blog Gilles Deleuze mit einigen Zitaten zum 93. Geburtstag.

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