Randale, Bamboule! - Freiburger Schule! - Mittwoch, 19. Juni 2013
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8. Blasphemie (8)
9. Jean-Jacques Rousseau (8)
10. Friedrich Nietzsche (8)
...rechts der Welt: Jeden Samstag Nachmittag sammelt und empfiehlt der Lichtwolf die interessantesten Texte der Woche dem Leser zur Wochendlektüre.
Es gibt in dieser Rubrik 139 Artikel auf 14 Seiten:
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Links der Woche am 26.11.2011, 14:00 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 47/11
Darüber kann man im tristen November nach Allerseelen, Totensonntag usw. mal sprechen: Die Redaktion des Freitag hat ein Alphabet des Todes aufgemacht. Von "Abschaffung" (des Todes) bis "Zeremonie" enthalten die Einträge Karrieretipps wie den Grabredner und Wendungen wie: "Sterben passt oft nicht in die Lebensplanung." (20.11.11)
In Sachen Occupy
Im Freitag berichtet Florian Schmid mit einem ausführlichen Debatten-Überblick, dass der Anarchismus im Zuge der Occupy-Bewegung in den USA (als "Post-Anarchismus") eine Renaissance feiert.
Einmal Tragödie, einmal Farce: In New York hat die Polizei die "Occupy Wall Street"-Bewegung vertrieben, doch Jordan Mejias geht in seiner Analyse in der FAZ aufgrund historischer Gesetzmäßigkeiten davon aus, dass der Spuk erst mit einem abermaligen New Deal wirklich zu Ende ist.
Wer es ganz ausführlich mag, sei an den New Yorker verwiesen: Dort portraitiert Mattathias Schwartz Ursprünge und Zukunft der Occupy-Bewegung.
Gewalt und Irrationalismus
Bei Heise findet sich ein zweiteiliges Gespräch mit dem Sozialwissenschaftler Werner Seppmann ("Dialektik der Entzivilisierung") über die Zunahme von Gewalt und Irrationalismus als Krisensymptom. In Teil I geht es um den militanten Rechtsradikalismus, seine Verharmlosung und seine Aufmerksamkeitskonkurrenten Amokläufer und U-Bahn-Schläger - sowie um die strukturelle Gewalt neoliberaler Umgestaltungsprozesse. Die wachsende Zahl derer, die unter dem Diktat von Wachstum und Wettbewerb abgehängt werden, sucht Schutz vor persönlicher und sozialer Desintegration in paranoischen Weltbildern, wie in Teil II behandelt wird. Dazu passend: Das Gespräch mit Anti-Gewalt-Trainer Thomas Mücke über junge Rechtsextremisten im Freitag.
Das große Liedermacher-Sterben
Nachdem letzte Woche der Tod von Franz Josef Degenhardt zu beklagen war, starb diese Woche Ludwig Hirsch durch eigene Hand ("Grausamkeit des Alltäglichen", Nachruf des Standard). Zuvor ist am 22. November ist Georg Kreisler gestorben und ihm ruft jeder Feuilleton nach.
Den Reigen der persönlichen Erinnerungen eröffnen Johannes Honsell und Oliver Das Gupta in der SZ mit der Schilderung ihres letzten Besuchs in Salzburg. In der WELT zeigt sich der Kreisler-Kumpel Ilja Richter überrascht von der Sterblichkeit des 89-jährigen. Auch Jörg Sundermeier bekennt in der taz, sich neben dem singenden Dichter alt vorgekommen zu sein.
Thomas Rothschild ahnt in der ZEIT, dass Kreisler das Schicksal Bernhards und Degenhardts blüht und "ihn die Heuchler, die er zeitlebens bekämpft hat, vereinnahmen" werden. Matthias Nöther klärt in der FR auf, dass Kreisler nicht nur "unbequem" war, sondern dass ihm auch vieles unbequem war - von Österreich bis zum Label "unbequemer Kabarettist". Darauf zielt auch Ingeborg Waldinger in der NZZ ab, die Kreisler als tieftraurigen Anarchisten und Selbstüberwinder mit schwarzem Humor beschreibt. "Aber er hat es gut mit den Menschen gemeint", konzediert Dieter Bartetzko fast schon vernichtend in der FAZ.
Nietzsche war mit 25 Jahren Professor an der Uni Basel, was die Nachgeborenen alt aussehen lässt, die in dem Alter nicht einmal ihr Studium abgeschlossen haben. Bierologe Philipp Bayer stellt da eine beruhigende Studie vor: Demnach sind die Wissenschaftler zum Zeitpunkt ihrer Publikation, die ihnen später einen Nobelpreis in Medizin, Physik oder Chemie einbrachte, immer älter. (23.11.11)
Es herrscht Finanzkrise: Ausnahmezustand. Wer hat darüber entschieden? Die Märkte. Nicht nur für Schmitt-Leser erklärt Albrecht von Lucke in den Blättern für deutsche und internationale Politik, wie die Märkte und nicht die Wähler als Souverän die griechische und italienische Regierung ein- oder absetzen. Habermas warnte zuletzt vor einer Verramschung der Demokratie und von Lucke sieht nun eine Diktatur der Kommissare ("marktkonforme Demokratie", Merkel) am Horizont aufziehen.
Kurz und schnell oder nicht sooo wichtig:
Zu seinem 20. Todestag erinnert die FR an Klaus Kinski, die Personifikation der Wildnis. +++ Maximilian Probst fragt sich in der ZEIT, ob der neue Zeitschriftentrend Philosophie dem Fach gut tut. +++ "Wir waren alle so besoffen", kann ja jeder sagen, der beim Seitensprung erwischt wird; tiefsinnigere Rechtfertigungen gibt Franz Josef Wetz mit seinem Buch "Lob der Untreue". +++ Über die Weihnachtsferien nix zu tun? Nehmen Sie sich doch einen dieser Calls for papers zu Herzen und füllen Sie Ihren Kalender mit Philosophie-Veranstaltungen.
Links der Woche am 19.11.2011, 14:00 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 46/11
Noch sechs Wochen, dann ist das Jahr 2011 erledigt; noch vier Wochen, dann kommt Lichtwolf Nr. 36 (Thema: Nacht) - nur, damit Sie Bescheid wissen und rechtzeitig ein neues Jahr abonnieren können!
In seinem Wirtschaftsethik-Blog "Gute Geschäfte" geht Frank Wiebe der nicht kleinen Frage nach, was unter "Freiheit" alles verstanden wird: Isaiah Berlins Wovon und Wozu, die idealistische Freiheit zum Vernunftgebrauch, Honneths und Hegels soziale Freiheit bis hin zu der sehr eigenwilligen Freiheit in Fichtes die DDR vorwegnehmender Schrift über den "Geschlossenen Handelsstaat". (13.11.11)
Reaktanz bedeutet, etwas anders machen zu wollen nur aus dem Grund, dass alle anderen es gleich machen. Harald Martenstein gibt in seinem ZEIT-Essay über den unsteten und doch lockenden Mainstream als reaktantes Beispiel eine Lobeshymne auf Westerwelle, die im gegenwärtigen Meinungsschwarm ebenso befremdlich wäre wie eine Exotenmeinung, die einen künftigen Mainstream vorwegnimmt. (14.11.11)
Zum Tod von Franz Josef Degenhardt
Am 14. November ist der Liedermacher Franz Josef Degenhardt gestorben und das ist nicht schön. Sogar die bürgerliche FAZ bringt inzwischen einen Nachruf (von Dieter Bartetzko) auf den Bürgerschreck. Die taz würdigt seine Lieder und ließ Jörg Sundermeier den Nachruf schreiben, in der ZEIT macht das Ulrich Greiner.
Philosophy - the booming life science everyone loves to love!
Bereits letzte Woche wurde hier im Kleinen auf einen SZ-Artikel verwiesen, der des Lichtwolfs Konkurrenz in den Kioskregalen vorstellt. Zum Tag der Philosophie am 17. November geht das ZDF dorthin, wo es weh tut - ins Post-Bologna Philosophie-Studium - während Uwe Justus Wenzel in der NZZ den angeblichen "Megatrend Philosophie" aufgreift sowie die beiden neuen Zeitschriften "Philosophie Magazin" (dessen Chefredakteur beim Theorieblog interviewt wird) und "Hohe Luft". Beim Medienmagazin kress vergleicht Rupert Sommer die beiden Neuerscheinungen, im PR-Portal Horizont.net tut das Juliane Paperlein.
Politycki gegen die Mediokrität
Bock auf Kulturpessimismus? Passt doch so schön zum trüben Novemberwetter! In der ZEIT diagnostiziert Matthias Politycki einen Burn-out der Kultur, bedingt durch den seit Privat-TV, Amerikanisierung und 1989 auch auf kulturellen Leistungen lastenden Quotendruck. Politycki ist übrigens Kurator des Autorenforums beim Literaturfest München und klagt auch das himmelschreiende Elend an, das ihm dort vor Augen und zu Ohren kam. (18.11.11)
Faschoscheiße
Nach den Anschlägen in Norwegen am 22. Juli d.J. stellte sich bereits die Frage, ob offener Rassismus von der Meinungsfreiheit gedeckt ist oder vielmehr Verbrechen legitimiert. Jagoda Marinic plädierte vor einem Jahr in der FR für eine Demokratie, der ein anrüchiger Diskurs lieber ist als ein juristisch verengter. Allerdings hat der jüngst Nachricht gewordene Thriller um den "Nationalsozialistischen Untergrund" sie nachdenklich gemacht; denn rassistisches Gedankengut droht hierzulande eher verharmlost als unterdrückt zu werden; weder urplötzlich noch von einer Minderheit. (Dazu nicht unpassend: Am 8.11. ist in Berlin endlich ein Denkmal für Georg Elser enthüllt worden.)
Ansonsten:
In der NZZ fragt sich Urs Hafner, ob die Umwandlung der Universitäten in Zeugniskonzerne sich mit ihrem Bildungsauftrag verträgt - eine Frage, die man 12 Jahre nach Unterzeichnung der Bologna-Erklärung auch in der Schweiz ja mal stellen darf! +++ Die WELT meldet, dass Bernard-Henri Lévy ein Buch darüber geschrieben hat, wie er einmal Gaddafi gestürzt hat. +++ The BirdBase, so was wie el Kaeda für Vögel, hat zahlreiche Großmedien mit einer miserablen Kafka-Edition hereingelegt.
Links der Woche am 12.11.2011, 13:02 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 45/11
Uwe Ebbinghaus hat für die FAZ eine sehr okaye Meditation über "okay" geschrieben, das Zivilisationswort schlechthin: universell verwendbar und weltweit verständlich, seine Herkunft und Ausbreitung ist ein Mythos, dem der Autor kulturhistorisch nachgeht. Ist die okay-Inflation im Alltag eine Unsitte oder ein Symptom - und wofür? Und welches ästhetische Potential schlummert in "okay"? (07.11.11)
Bildung nach Manchesterkapitalismus-Art
Die FAZ verfolgt den Umbau der Universitäten zu IKEA-Filialen, wie er in Großbritannien mit manischem Eifer betrieben wird, aufmerksam (wir verlinkten). Rüdiger Störkels jüngster Bericht über die Umwertung vom Studenten zum Kunden bzw. Produkt bietet einen historisch fundierten Überblick über die ökonomistischen Reformpläne. (08.11.11)
Marx hatte recht, sagt der Historiker Christopher Bayly in der FR, sowohl was die Ungleichheit im Spätkapitalismus angeht wie auch die These, dass sich der Kapitalismus selbst verzehrt. (Warten wir mal ab...) Drum ist Marx derzeit auch wieder ein gefragter Analytiker. (Passend dazu: Die taz berichtet von einer Historikertagung, auf der letzte Woche die lange unterschätzte Bedeutung des Antikommunismus für die Bundesrepublik erörtert wurde.)
In den Nachrichten ist seit geraumer Zeit von "den Märkten" die Rede, die beruhigt werden oder neues Vertrauen schöpfen wollen. Wer sich schon immer gefragt hat, wer und was sich hinter der Rede von den "Märkten" verbirgt, der lese den erhellenden Crashkurs in Finanzwesen aus der Feder des Soziolgen Heiner Ganßmann bei Le Monde diplomatique.
Laut EU-Richtlinie zum Betrieb von Umwälzpumpen im Fäuleton ist es mindestens zwei Mal pro Jahr notwendig, die gesellschaftliche Rolle bzw. das Verschwinden der Intellektuellen aufs Tapet zu bringen. Vorschriftsgemäß sechs Monate nach Stephan Moebius beklagt nun Thomas Assheuer ebenfalls in der ZEIT, dass die Intellektuellen in der Eurokrise ungehört bleiben. (10.11.11)
Der linkenswürdige Rest
Zwei Pariser Ausstellungen zeigen den Nachlass Walter Benjamins und die Photographie seiner Gefährtin Gisèle Freund. +++ Am 17.11. ist Welttag der Philosophie; wir machen weiterhin nicht mit. +++ In Tübingen protestiert die Fachschaft Philosophie gegen die zeitgemäßen Kürzungen im Bereich Geisteswissenschaften. +++ Auf verlorenem Posten ist genug Platz für alle: Vom durchschlagenden Markterfolg des Lichtwolf ermutigt kommen im November gleich zwei neue Philosophie-Magazine in die Kioske. (Wäre übrigens nett, wenn die Hamburger Kollegen ihre im August bestellten Lichtwölfe so langsam mal bezahlen.)
Links der Woche am 05.11.2011, 15:30 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 44/11
In der ZEIT stellt Thomas Meyer zwei Neuerscheinungen zu Heidegger vor. Zum einen "Unterwegs in Sein und Zeit" - ein Buch, mit dem Alfred Denker einen kompakten Vorgeschmack auf seine geplante dreibändige Heidegger-Biographie gibt. (Übrigens hat nämlicher Denker Meßkirch mit einem Heidegger-Seminar über das Verhältnis von Dichtung und Denken beehrt.) Zum anderen Florian Grossers Dissertation "Revolution denken" über die Politisierung von Heideggers Denken seit 1919. (30.10.11)
Plastiken aus unendlichen Geraden
Für die SZ hat Joseph Hanimann die Pariser Ausstellung "Mathématiques - un dépaysement soudain" in der Fondation Cartier besucht. Hier trifft Mathematik auf Kunst, Elemente von Heraklit bis Turing schwirren durch die Gegend und die Installationen gehen der Frage nach, ob Mathematiker schöpferisch tätig sind oder ob sie entdecken, was immer schon da war. (01.11.11)
(Leser, die auf diesen Link klickten, könnten sich auch dafür interessieren: (1) Die NZZ bespricht die Übersetzung von "Gegen Null: Eine mathematische Phantasie", worin Lars Gustafsson seine mathematisch-logischen Gedankensplitter versammelt hat. (2) Das FAZ-Blog "Deus ex Machina" hat sich mit Gödels Unvollständigkeitstheorem beschäftigt.)
Kulturtheoretiker Klaus Theweleit kann mit Pop und Retro nicht viel anfangen. Bei der ZEIT spricht er anlässlich der Pophistory-Konferenz an der Berliner Volksbühne über das ganz normale popkulturelle Recycling des Alten und wie sich die Balkanisierung der Gesellschaft in der Entwicklung des Pop abzeichnet. Verehrer von Amy Winehouse sollten weglesen. (02.11.11)
Charles Taylor zum Achtzigsten
Nicht der Diktator, sondern der Philosoph Charles Taylor wird dieser Tage 80 Jahre alt. Nicht nur zu diesem Anlass wird sein neues Buch "Laizität und Gewissensfreiheit" in der taz sowie in der NZZ besprochen.
Unn sünst?
Laut Matt Ridley ist Oswald Spenglers Kulturdefätismus gerade wieder en vogue, so die Presse. +++ In der ZEIT spricht sich Bernard-Henri Lévy für ein militärisches Eingreifen der NATO nun auch in Syrien aus. +++ Jürgen Habermas schimpft in der FAZ mit den EU-Chefs, die Volksabstimmungen in Marktnot doof finden. (vgl. dazu Tom Strohschneider beim Freitag)
Links der Woche am 29.10.2011, 14:09 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 43/11
Vor einem Monat ging es schon einmal um Wissenschaftsverlage. Biologieblogger Martin Ballaschk greift das Thema auf und fasst noch einmal zusammen, wie die Fachverlage von Uni-Bibliotheken Mondpreise für Publikationen verlangen, die von ebenfalls aus Steuermitteln entlohnten Wissenschaftlern verfasst und geprüft wurden. Logisch, dass dabei astronomische Renditen eingefahren werden. (Achtung, enthält ekliges Zeckenbild!) (26.10.11)
Warum hilft man Menschen in Not? Die Theologen sagen wegen Gott, die Neurologen wegen Spiegelneuronen, die Spieltheoretiker wegen der Spekulation auf Gegenseitigkeit, die Ethiker überlegen noch. Zum Beispiel in China, wo - wie Mark Siemons in der ZEIT schildert - die Umstände derart sind, dass sich die Todesfälle wegen unterlassener Hilfeleistung auf offener Straße häufen. (26.10.11)
Tragische Helden vs. mythische Helden
Der Literaturwissenschaftler Wolfram Ette hat ein Buch geschrieben, das der aristotelischen Theorie nachweist, nichts mit der griechischen Praxis der Tragödie zu tun zu haben. Mit und in ihr übt der Mensch die Loslösung (und nicht etwa die Verklärung) von Göttern und Schicksal und erhebt sich über den gewalttätigen Mythos. Thomas Assheuer stellt das Buch, das seine These an Tragödien aus allen Zeitaltern beweist, in der ZEIT vor. (26.10.11)
Wo Opa noch okkupierte
Zwei ältere Semester schreiben den Demonstranten von Occupy Wall Street was ins Stammbuch. In der SZ setzt sich Slavoj Žižek (vgl. die aktuelle Titanic, S. 60-62) mit den Vorwürfen an die Bewegung auseinander. Außerdem rät er, den Protest nicht zum Event verkommen und sich nicht von falschen Freunden zu konkreten Forderungen verleiten zu lassen, anstatt eine andere Welt zu fordern. In der taz wägt Ulrich Beck das Potential der globalen Bewegung ab, die gegen "das System" in seiner Weltrisikogesellschaft ist und von der Beck so überwältigt ist wie damals, als sich am "9. September 2001 die Twin Towers in New York in Staub auflösten". (So steht's geschrieben.)
Nie so werden, wie man ist.
Nina Pauer hat in der ZEIT einen Besinnungsaufsatz über den zeitgenössischen Ironiezwang veröffentlicht: Warum delektieren sich junge Anwärter der verspannten Mittel- und Oberschicht an der Fremdscham, die das Privatfernsehen mit Casting-, Proll- und Bauern-Shows beliefert? In seinem Blog greift Lukas Heinser Pauers Text auf und verfasst eine sehr weise Abhandlung über unvermeidliche Peinlichkeit und angebrachte Ironie. (27.10.11)
Für die FR portraitiert Christian Schlüter den Philosophen Thomas Pogge, der an einem neuen Eigentumsbegriff und einer Ökonomie ohne Wachstum arbeitet. Das scheint durch Eurokrise und Internet ohnehin "alternativlos" zu sein. Pogges "Health Impact Fund" bringt - vorerst nur im Pharma-Bereich - so disparate und krisenhafte Konzepte wie Gemeinwohl, Wettbewerb und (geistiges) Eigentum unter einen Hut. (28.10.11)
Zum Mitreden:
Unsere Kommilitonin der Herzen Lena Meyer-Landrut würde lieber Pädagogik statt Philosophie studieren und Richard David Precht hat diese Woche seine Antrittsvorlesung an der Uni Lüneburg gehalten. Es geht aufwärts!
Links der Woche am 22.10.2011, 14:12 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 42/11
Wenn ich es nicht haben kann...
Frank Wiebe bloggt nebenan über Wirtschaftsethik und stellt eine Studie der Uni St. Gallen vor, wonach Aktienhändler in spieltheoretischer Umgebung psychopathische Verhaltensmuster aufweisen. Ihre Strategien sind aggressiv, egoistisch, unkooperativ und alles andere als optimal. Wiebes Schlüsse: Ethik lohnt sich und Unternehmensstrukturen formen die Persönlichkeit. (16.10.11)
Die "Blätter für deutsche und internationale Politik" drucken eine Rede ab, die Ingo Schulze bei seiner Ernennung zum Mainzer Stadtschreiber gehalten hat. Vom ZDF kommt er über Gutenberg auf Georg Forster, den Erfinder des Begriffs "öffentliche Meinung", um sodann eine ganze Reihe scheinbarer Selbstverständlichkeiten in dieser öffentlichen Meinung umzuschubsen.
Zum Tod von Friedrich Kittler
Am 18. Oktober ist der Medientheoretiker Friedrich Kittler gestorben, der den Deutschen Foucault und Derrida erschlossen und die Schreibkultur erklärt hat. Es rufen nach: die ZEIT, die taz, die SZ, die FR und die FAZ. (18.10.11)
Erinnern Sie sich noch an die Steuerstaat-Debatte, die Peter Sloterdijk 2009 auslöste? Während der Aufruf zum Steuerboykott aufgrund immer neuer Euro-Garantien hierzulande gerade besonders gute Erfolgschancen hätte, fordert US-Milliardär Warren Buffet höhere Steuern für seinesgleichen. Warum es für ein demokratisches Staatswesen problematisch ist, die Reichen zu schonen und auf ihr freiwilliges Mäzenatum zu setzen, erklärt Stephan Hebel in der FR. (18.10.11)
(Apropos: Vom Lichtwolf gibt es auch ein Abo auch für Mäzene: Das ist etwas teurer, dafür können Sie sich aber eine Prämie aussuchen und sich eines guten Gewissens erfreuen!)
Wess' Brot ich ess', dess' Lied ich edier'
Der Germanist Roland Reuß ist besonders bekannt geworden durch sein Engagement gegen Google Books und OpenAccess. Nun knüpft er sich in der FAZ zusammen mit dem Juristen Volker Rieble die Deutsche Forschungsgemeinschaft vor. Sie beschreiben die Strukturen der DFG und kommen zu dem Schluss, die Vergabepraxis von Fördergeldern sei mindestens intransparent, wenn nicht gar Einladung zu Gemauschel und Subventionsbetrug. (18.10.11)
Tod im Bild
Die Nachrichtenagentur AFP rühmt sich - wie Florian Rötzer auf Telepolis in einem Aufsatz zur Bildermacht darstellt - des Scoops, als Erste die Bilder des sterbenden Gaddafi gehabt zu haben. Wie auch die BILD spart sich AFP die Skrupel, die der medialen Konkurrenz einen Vorteil verschaffen könnten. Die breitet Bernd Graff in der SZ aus, wenn er Menschenwürde und Aufklärungspflicht abwägt. Auch Jan Ludwig findet in der FAZ die Jagd nach dem Photo des Sterbenden zumindest fragwürdig. (20./21.10.11)
Links der Woche am 15.10.2011, 14:34 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 41/11
Occupy the World
Für den heutigen Samstag haben zahlreiche kapitalismuskritische Gruppen zu weltweiten Protesten aufgerufen. Die taz zeigt sich bei aller Sympathie skeptisch, sind die Unterschiede zwischen dem Potsdamer Platz und dem Tahrir Platz, sogar auf dem "Liberty Place", doch zu groß. Slavoj Žižek war in New York und der Standard bringt einen Auszug aus der Rede, die er vor den Aktivisten von "Occupy Wall Street" gehalten hat.
Jasper von Altenbockum hat einen Maulwurf im Garten und resümiert in der FAZ die vielen grausamen bis lächerlichen, jedoch durchweg nutzlosen Methoden der Maulwurfsvergrämung. Am Ende seiner Meditation kommt er auf Hegel, denn für den "war der Maulwurf die Erkenntnis, die ans Licht drängt, aber dann doch nicht wirklich kommt, weil er ja fast blind ist und nur Schwarzweiß erkennt." (09.10.11)
Philosophiestudenten haben ja gerne mal was Autistisches. Jan Pfaff jedoch stellt uns in der ZEIT die Zwillinge Konstantin und Kornelius vor, bei denen wirklich Philosophie diagnostiziert wurde. Sie studieren in Potsdam Autismus und verblüffen ihren Professor mit neuen Ansätzen und präzisen Schlüssen. (14.10.11)
Außerdem:
Schon letzte Woche ging es um Karl-Heinz Otts Rousseau-Kolportage "Wintzenried", die nun auch in der NZZ gepriesen wird. +++ Leonie Seng hat sich für ihr Blog mit Julian Nida-Rümelin über Philosophie-Kongresse und Bologna unterhalten.
Links der Woche am 08.10.2011, 13:59 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 40/11
Nicht nur geistige Masturbation
In der Badischen Zeitung bespricht Michael Braun den biographischen Roman "Wintzenried" von Karl-Heinz Ott. Darin lernen wir Jean Jacques Rousseau als manisch onanierenden Jüngling kennen, aus dem ein "triebgesteuerter Eiferer" wird. Der Weg dahin führt von sexuellem Ungemach über Größenwahn in die Paranoia. (01.10.11)
Ich glaube an die Deutsche Bank, denn die zahlt aus in bar
Michael Blume bloggt über Religion und Evolution und hat sich in den Chronologs mit der Rede beschäftigt, mit der der Papst vorige Woche im Bundestag am Positivismus zweifelte. Gott ist demnach so wenig beweisbar wie die Gültigkeit der Menschenrechte. An beide muss man glauben - und das ist evolutionär sehr nützlich. (05.10.11)
iGott? iGitt!
Über Tote nichts Schlechtes, gewiss. Doch so schnell, wie Apple-Gründer, freelancer-Messias und Internetpapst Steve Jobs nach seinem Tod in dieser Woche heiliggetweetet wurde, ist Misstrauen angebracht. ("Er kam, den Menschen die Angst zu nehmen." Geht's noch, SZ?!) Arno Frank wagt in der taz einen kritischen Nachruf und begründet das Guruhafte von Jobs biographisch; Jobs' Erbe besteht aus einem glänzenden, neuen Verblendungszusammenhang. Auch Stefan Kuzmany nimmt sich bei Spon den quasireligiösen Umgang mit Apple, Jobs und ihren Produkten vor. Bequem ist schließlich besonders ein - schon wieder - Verblendungszusammenhang. (06.10.11)
Schlotterdeik als Kasperle
Das Karlsruher Staatstheater bringt eine zweistündige Adaption von Peter Sloterdijks 700-Seiten-Essay "Du musst dein Leben ändern" unter der Regie von Patrick Wengenroth auf die Bühne - mit einer Sloterdijk-Handpuppe als Cameo. Für das TITEL-Magazin bespricht ein vom Halb-halb aus Theater und Proseminar enttäuschter Hans-Klaus Jungheinrich die Premiere. Für die FAZ beurteilt Martin Halter den Einstand des neuen Intendanten Peter Spuhler am Staatstheater - inmitten der Materialschlacht auch die Schlotterdeik-Verwurstung aus "Trash und Diskurs".
Übrigens: Vor einem Jahr gab es die ersten "Links der Woche" bei lichtwolf.de - Schampus für alle!
Links der Woche am 01.10.2011, 14:00 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 39/11
Haitianische Hegelwochen
Das Buch "Hegel und Haiti" von Susan Buck-Morss wurde vor zwei Wochen bereits in der taz rezensiert. Nun weist auch Florian Schmid im Freitag auf das Werk hin, das Hegels Überlegenheit gegenüber Locke und Rousseau damit begründet, dass jener die politische Realität des haitianischen Sklavenaufstands in seiner Philosophie verarbeitet hat. Cord Riechelmann von der FAZ lässt sich nicht lumpen und bespricht neben Buck-Morss' Buch auch gleich noch Frank Rudas "Hegels Pöbel. Eine Untersuchung der 'Grundlinien der Philosophie des Rechts'" (mit Vorwort von Zizek). Demnach steht das Elend des armen Pöbels im Zusammenhang mit der Gier des reichen Pöbels.
Barbara Schweizerhof vom Freitag hat sich ihr erstes E-Book gekauft und berichtet, wie so ein "Buch" binnen zweier Klicks eingekauft und ausgeliefert ist, wie auf dem iPad herumgefingert wird und was das E-Book verglichen mit dem Buch gestattet und verwehrt. Sehr gute E-Books gibt es übrigens vom catware.net Verlag, z.B. den Lichtwolf und Bücher seiner Autoren. (26.09.11)
Die Philosophie war in Russland "systembedingt" bis 1989 sehr "übersichtlich". Seither wird nachgearbeitet, wobei Spengler, Schmitt und Jünger den Vorzug gegenüber Adorno, Althusser, Bloch erhalten. Dieser Stoßrichtung zum Irrationalismus folgt Alexander Dugin mit seinem Manifest "Heidegger: Die Möglichkeit der russischen Philosophie". Felix Philipp Ingold bespricht das Buch für die NZZ. (27.09.11)
Der wunderbare Gottfried Schatz beschäftigt sich in der NZZ diesmal mit dem Blut - und zwar ohne ein einziges Mal auf Vampire Bezug nehmen zu müssen. Ohne "Faust"-Zitat geht es aber nicht. Sachkundig erklärt uns der humanistisch beschlagene Biochemiker das Blut als "Mikrokosmos, in dem sich Leben und Tod helfend die Hände reichen". (30.09.11)
Pete LeBar sammelt Campus-Romane, die auf dem Schwanitz entgegengesetzten Ende der Niveauskala stehen: Schundromane der 50er mit lüsternen Erstsemesterinnen vom Land, Gangbangs in der Burschenschaft, sexuell ausgedörrten Professorengattinnen, die Jagd auf die Hiwis des Gemahls machen usw. Henryk M. Broder portraitiert den Mann und sein schönes Genre in der WELT. (30.09.11)
Atheismuskrawall im Provinzidyll
Nach Schopenhauer kümmert sich Ludger Lütkehaus jetzt auch editorisch um Fritz Mauthner. Dessen "Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande" hat Lütkehaus in vier Bänden neu herausgegeben. Karlheinz Schiedel bespricht die Edition in der Badischen Zeitung und beschwört Mauthner genius loci am Bodensee. Ebendort ist übrigens Michael Helming hingewandert und berichtet im aktuellen Lichtwolf aus Mauthners Meersburg. (01.10.11)
Das Sonstige in Kürze
Der Tagespiegel rezensiert den biographischen Nietzsche-Comic von Michel Onfray und Maximilien Le Roy. +++ Die Kollegen von SuKuLTuR haben ihre Homepage aufgehübscht (und auch lichtwolf.de kriegt Montag ein Facelifting). +++ Die WELT spricht mit Robert Spaemann über den Papst. +++ Sibylle Lewitscharoff hat für die Buchmesse einen Roman über Hans Blumenberg und einen Löwen geschrieben. +++ Der ORF unterhält sich mit Peter Bieri über Selbstbestimmung.
Links der Woche am 24.09.2011, 14:24 Uhr
Links der Woche, rechts der Welt KW 38/11
Yeah, der Papst ist da und Christoph Lüthy weist in der NZZ auf anspruchsvolle Häresie hin: Leen Spruit und Pina Totaro haben "The Vatican Manuscript of Spinoza's Ethica" herausgegeben. Das ist zwar nicht die vatikanische Fatwa gegen den Monismus der theologischen Krawallnudel Spinoza. Aber mindestens so gut, nämlich ein philologischer Krimi um das, was Spinoza tatsächlich und vermeintlich Indizierenswertes geschrieben hat. (21.09.11)
Dank verkürztem Gymnasium und ausgesetzter Wehrpflicht wird es zum diesjährigen Wintersemester in den Hörsälen noch enger als ohnehin schon; jedenfalls für die, die überhaupt einen Studienplatz bekommen. Die sonntaz dieser Woche berichtet von der Hafencity der Politik, der Bildungsbaustelle, und hat sich schon einmal mit einer im Stau steckenden Abiturientin unterhalten. (23.09.11)
Alles aus Liebe
Die Frankfurter Feuilleton-Gräfinnen haben Marbach die Ehre erwiesen. Denn das dortige Literaturmuseum hat eine Ausstellung über die berühmtesten, schönsten und missbrauchtesten Worte der Welt eröffnet: "Ich liebe Dich!" Also berichten sie darüber, Felicitas von Lovenberg in der FAZ und Judith von Sternburg in der FR. Beide Damen sind sich einig: Was in Wirklichkeit der schönste Satz ist, gerät in der Literatur zum peinlichen "Groschenheft-Standard". (23.09.11)
(In diesem Zusammenhang sei dringend auf das IPuP-Symposium zum Thema "Garring Lolo" (vgl. Lichtwolf Nr. 33, S. 36ff.), also zur Psychose namens Verliebtheit, hingewiesen, das am 25.09. ab 19:30 Uhr in der Theaterwerkstatt des Bremer Schlachthofs stattfindet.)
Nachtrag, 27.09.11: Auch die SZ hat - natürlich! - eine Dame nach Marbach geschickt. Nicht adelig zwar, dafür mit Doppelname bespricht Kristina Maidt-Zinke die Ausstellung.
Nachtrag, 07.10.11: Und nun war auch die WELT in Marbach.
Karl Jaspers war chronisch lungenkrank und wuchs mit der Aussicht auf einen frühen und qualvollen Tod auf. Der Neurochirurg Arnaldo Benini beschreibt in der NZZ Jaspers' Beschwerden, seinen Umgang damit und wie sie ihn sowie seine Existenzphilosophie geprägt haben. (24.09.11)
Der Münchner Philosophen Heinrich Meier hat sich in seiner Studie "Über das Glück des philosophischen Lebens" intensiv mit den "Träumereien des einsamen Spaziergängers", in denen Rousseau die persönliche Bilanz eines Lebens für die Philosophie gezogen hat. Martin Meyer bespricht das Buch in der NZZ. (24.09.11)
Sünschtiges
In der TLZ fragt Prof. Dr. Detlef Jena, ob Talkshows die Salons von heute sind und ob Schopenhauer da mitmachen würde. +++ Auf der Suche nach einem Lieblingsfußballer? Wie wäre es mit "Union-Star Patrick Zoundi (29)" (?), der sich laut BZ lieber mit Philosophie als Playstation beschäftigt. +++ Gestern vor 20 Jahren erschien "Nevermind", auch die ZEIT und die taz erinnern daran.
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