Links der Woche, rechts der Welt 18/21

Links, rechts, vorne, hinten

Was bleibt vom deutschen Konservatismus, wenn die schwarze Null weg ist? Mit dieser guten Frage geht die FR in ein Gespräch mit Thomas Biebricher, der der bewahrenden Gewalt eine Regierungsauszeit zur Erholung empfiehlt.

Judith Sevinç Basad hat mit „Schäm dich!“ eine Kampfschrift gegen Identitätspolitik vorgelegt und erklärt im Telepolis-Interview, wie ein USA-spezifischer Aktivismus seit dem Import nach Deutschland dermaßen frei dreht, dass jede Kritik daran als rechts gilt. Warum der Antisemitismus der BDS-Bewegung über Antizionismus weit hinausgeht, haben Alex Feuerherdt und Florian Markl in ihrem Buch beschrieben, das in der FAZ besprochen wird.

Der Nimbus der RAF ist ungebrochen, was der Freitag an zwei Krimis festmacht, die den Deutschen Herbst zur Kulisse haben. Derweil schaut sich die FR im Frankfurter „Archiv der Revolte“ um, wo Zeitschriften, Plakate und Raubdrucke der wilden Jahre 1968 ff. aufbewahrt werden. (Zudem lohnt stets der Besuch im Archiv für alternatives Schrifttum!)

 

Kritische Kritiker

Hans Ulrich Gumbrecht stellt in der NZZ seinen Kumpel Peter Sloterdijk vor, der – von seinem Durchbruch mit „Kritik der zynischen Vernunft“ bis zum unvermeidlichen Corona-Buch – die hochtrabende Provokation zum lohnenden Handwerk machte. Konrad Paul Liessmann denkt in seinem neuen Buch über Verse aus Nietzsches Zarathustra nach und spricht im Standard-Interview über das Verschwinden der stillen Nächte und die Moral des Körpers. François Fédier verteidigte seinen Heidegger auch noch nach Veröffentlichung der Schwarzen Hefte und ist nun mit 86 Jahren gestorben, wie die SZ meldet.

(Photo: TaniaVdB, pixabay.com, CC0)

Wer zu Lebzeiten Schul- und Prüfungsstoff wird, muss in Zeiten sozialer Medien mit Rückfragen und Anklagen rechnen: Die SZ schreibt über Abiturient*innen, die an Autor*innen schreiben. Alexander García Düttmann lobt die Idee der Jugend und tadelt ihre aktuelle Erscheinungsform – der Tagesspiegel stellt sein Buch vor.

 

Gute Bücher, nicht so gute Bücher

Einen Verriss des „misslungenen Heimat-Führer[s]“ vom „Wohlfühl-Philosoph[en] Wilhelm Schmid“ lesen wir in der SZ. Die freut sich vielmehr über ein Buch mit Texten von und über den humorvollen Rabauken Wiglaf Droste. Georg Seeßlen empfiehlt im Freitag eine Reihe von Graphic Novels, die in keiner antifaschistischen Bibliothek fehlen dürfen. Dazu kann man Lieder aus europäischen Widerstandsbewegungen hören, um die es heute in der Langen Nacht des DLF geht.

 

Glaube und sieh

Über eine Studie, wonach Spiritualität der wichtigste Antreiber von Wissenschaftsfeindlichkeit sei, berichtet die SZ. Giorgio Agamben fügt seiner Hygienekritik in der NZZ ein neues Argument hinzu: Mit der Maske verhüllen wir unser Gesicht und damit irgendwie auch den Tod.

Die FAZ portraitiert Jürgen Richter-Gebert, der die Schönheit der Mathematik sinnlich erfahrbar machen will und dafür nun ausgezeichnet wurde.


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