Links der Woche, rechts der Welt 14/20

Das Virus hat keinen Mythos

Schon die Pest war mehr als eine ansteckende Krankheit, wie Thomas Assheuer in der ZEIT feststellt. Auch das Corona-Virus wird von manchen als gerechte Geißel der Moderne und als deren Kur betrachtet. Das nämlich sei leichter, als sich in der Weltrisikogesellschaft um Haltung und Handlung zu bemühen. (29.03.20)

 

Der Zweck ist klar, die Mittel dunkel

„Von der Natürlichkeit des Zwecks darf nicht auf die Natürlichkeit der Mittel geschlossen werden“, schreibt Jonas Heller bei Telepolis in einem rechtsphilosophischen Aufsatz über die staatlich verordneten Infektionsschutzmaßnahmen, die nicht zum klassischen Ausnahmezustand passen und sich nicht von ihrem Zweck lösen dürfen. (01.04.20)

 

Bücher

Langsam schlägt sich der Stillstand des Verlagswesens im Feuilleton nieder: Kaum noch Rezensionen! Sebastian Ostritsch hat zum Hegel-Jahr noch eine Hegel-Biographie vorgelegt, die sich, glauben wir der FR, vor allem seinem dialektischen Denken widmet. +++ Auch die FAZ bespricht Zhao Tingyangs Abrechnung mit dem westlichen Universalismus und auch hier stößt die Idee einer „Tianxia“ nach antikem Vorbild auf Skepsis.

 

Bild und Ton

Rettung für Bingewatcher: Die SZ empfiehlt die dritte Staffel der technikphilosophischen Sci-Fi-Thriller-Serie „Westworld“.

Der Kollege Bernhard Horwatitsch nutzt das Home Office, um aus seiner Bude heraus Texte vorzulesen, darunter auch einige aus dem Lichtwolf. Über die in diesen Tagen unentbehrliche Fähigkeit zur Improvisation unterhalten sich Michael Rüsenberg und Jürgen Wiebicke im Philosophischen Radio des WDR 5. Unter den Hohenzollern hätte es nicht solche Fallzahlen gegeben! Im DLF kommt heute die Lange Nacht über Preußen im Rheinland, morgen früh geht es bei Essay und Diskurs um Brasiliens Kulturpolitik unter Bolsonaro. und der allgemeine Stillstand ist eines der Themen bei Sein und Streit.

(Photo: alexstrachan, pixabay.com, CC0)

Die Unordnung der Dinge

Auch der studentische Arbeitsmarkt ist krisenbedingt zusammengebrochen, wie der Tagesspiegel an einigen Beispielen verdeutlicht. +++ Judith Schalansky denkt in der SZ über die traurige Ironie nach, dass Covid-19 vermutlich vom Schuppentier auf den Menschen übergesprungen ist, der es bis an den Rand der Ausrottung getrieben hat. +++ Alexander Unzicker schätzt alternative Medien wie KenFM, macht aber bei Telepolis seinem Ärger über deren wirre und gefährliche Ansichten zur Pandemie Luft. +++ „Auf makabere Weise bestätigt Corona alle Vorurteile der autoritären Rechten“, schreibt Philipp Hübl in der ZEIT, wo er sich mit dem faschistischen Ekel beschäftigt. +++ Otfried Höffe stellt in der NZZ sieben Thesen zum demokratieschonenden Umgang mit der Pandemie auf. +++ Extreme Ungleichheit macht Kooperation unmöglich, wie sich in einem spieltheoretischen Experiment zeigt, über das Spektrum berichtet. +++ Daniela Dröscher denkt in der ZEIT über Empathie in der Krise nach. +++ Ohne Optimismus geht es nicht: Die SZ hat sich bei einigen Fachleuten umgehört, wie die Menschen durch die Corona-Krise kommen.

 

Trotz Philosophie

Als allgemeine Linkempfehlung für dürftige Tage: Im spendenfinanzierten Portal Aeon gibt es jede Woche schöne Essays (manche mit Vorlesefunktion!) aus und über Philosophie und andere Gebiete. +++ Auch Alain Finkielkraut hat „Die Pest“ von Camus wieder gelesen und kritisiert Agamben und Sloterdijk scharf für ihre Skepsis gegenüber den politischen Maßnahmen zum Infektionsschutz, wie in der FAZ zu lesen ist. +++ In der Glotze kam wieder „Der Medicus“ und die zahlreichen Erwähnungen des Aristoteles darin haben die FR ganz nervös gemacht. +++ Nach wie vor lieferbar als Heft und E-Book: Der produktionsbedingt coronafreie Lichtwolf Nr. 69 zum Thema „Über“.

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