Rezept gegen den Terrorismus

von Timotheus Schneidegger, 01.05.2003, 11:35 Uhr (Dunkles Zeitalter)

Die tatsächliche, physische Bedrohung durch Terroristen dürfte minimal sein. Ein Schlaumeier hat mal ausgerechnet, daß die Chance, von Terroristen getötet zu werden, in ähnlichen Sphären der Wahrscheinlichkeit rangiert wie der Blitzschlag beim Stuhlgang.

Terrorismus ist auf mehr angewiesen als das, was seine Agenten in den Feriencamps lernen, um so furchtbar bedrohlich zu wirken. Wenn klar ist, daß er uns in Wirklichkeit höchst unwahrscheinlich etwas antun könnte, haben wir auch keine Angst und lassen uns nicht beeindrucken, kurzum: Der Terror würde nicht wirken. Damit er aber die Verknunft seiner Zielgruppe überwältigt, braucht er Aufmerksamkeit. Die benutzt er, um seine tatsächliche Bedrohlichkeit zu potenzieren, damit seinen Eindruck und schließliche Wirksamkeit.

Terrorismus ist eine Infektionskrankheit des Geistes. Der Erreger entsteht ursprünglich in solchen Gebieten, in denen miserable Bedingungen der geistigen Hygiene herrschen – was ich nicht wertend verstanden wissen will, denn niemand kann etwas dafür, in eine von Minderwertigkeitskomplexen geplagte Theokratie oder ein jahrelang besetztes Land hineingeboren zu werden und statt Schulbildung jenseitige Märtyrersülze eingetrichtert zu kriegen.

Aus solchen unreinen Ecken kommt der Terror – und verbreitet sich über die Bilder und „Berichte“ von seinen Ausbrüchen. Djerba, Bali usw. usf. sind wie die Pusteln, die durch variola major (Pocken) hervorgerufen werden.

Der richtige Umgang mit Terror muß epidemologischen Maßregeln folgen: Isolation, Quarantäne, Eindämmung, äußerste Vorsicht im Umgang mit Erreger und Patient. Die effektive Methode der Terrorbekämpfung ist keine Sache von Politik oder Militär, sondern der Medien. Anstatt den zeitgelupten Einsturz des WTC aus jedem Winkel zu zeigen, verstümmelte Opfer mit Enya zu unterlegen, hysterischen Strohmännern der Innenministerien Sendezeit für ihre Johannes-Offenbarungen und el-Kaida-Homevideos zu geben, sollten sich die verantwortlichen Medienfritzen ihre Quotengeilheit mit etwas Selbstbeherrschung austreiben. Wenn der Terrorismus keine airtime bekommt, kann er seine einschüchternde Wirkung nicht entfalten. Der Umgang mit Terroranschlägen hat einen ähnlichen Grad an Idiotie wie Bonusmeilen für frei herumlaufende Pockenkranke. Man stelle sich vor, es bestünde die Gefahr, sich mit SARS zu infizieren, nur indem man ein Buch über Peking liest. Klingt blöd, aber so „holt man sich Terror“. Der Aufruf klingt seltsam: Statt (wenigstens werbefreier) Sondersendungen hätte es nur eine zweizeilige Tickermeldung geben dürfen: „Irgendwer Saudummes hat Flugzeuge ins WTC geflogen, Türme eingestürzt, werden sicher wieder aufgebaut.“

Wie würde die Welt aussehen, wenn man uns nicht so eine Heidenangst vor den Bärtigen gemacht hätte, die geil auf jenseitige Jungfrauen sind?

Noch ein Verweis zwecks Illustration: In einem Halloween-Spezial klaut Homer Simpson einer riesigen Werbestatue einen ebenso großen Donut. Das Dinger wacht hernach mitsamt seiner Kollegen zum Leben und randaliert in Springfield. Bis Lisa dahinterkommt, daß die Werbeviecher nur so lange virulentsind, wie jemand hinguckt. Wer könnte dem Anblick eines 30m großen Marlboro-Manns widerstehen, der gerade die Krebsstation auseinandernimmt? Als endlich alle Leute sich abwenden, fallen die Werbestatuen regungslos um. Terror ist letztlich auch nichts anderes als richtig kundennahe Werbung. In Anlehnung an kürzliche Ausführungen im Lichtwolf möchte ich behaupten: Wenn Terror nicht be-deutet wird, kann er sich nicht verbreiten und bleibt das, was er nüchtern betrachtet wirklich ist: Eine fixe Idee einer handvoll Dummbolzen, die nix zu verlieren haben, aber eine zur „Sache“ aufgeblasene geistige Schlammpfütze.

Nun würde mediale Quarantäne für Anschlagsopfer und Isolation, d.h. Nicht-Verbreitung von Terror-Erregern die Medienheinis zwingen, sich ein originelles Ersatzprogramm auszudenken, was Arbeit macht und keinen Betroffenheits-/Hysteriebonus für die Quote genießt. Es würde all die Indexpatienten zu friedlichen Formen der Kritik zwingen, was wieder um der Rüstungsindustrie das Herz bricht, und wer will ihr das antun, wenn er mit ihrer Kohle wiederge“wählt“ werden will?

Die effektive Lösung des angeblichen Terrorproblems wird nicht verfolgt, und sie ist wohl kaum so kompliziert, daß bislang kein think tank daraufgekommen wäre – würde man es wirklich ernst meinen damit, das Problem zu LÖSEN. Daraus jedenfalls kann ich folgern, daß es unseren allmächtigen Weltbefreiern und Terrorkriegern aus Übersee nicht wirklich um den Kampf gegen den Terror geht – wäre dem so, würden sie etwas schlaueres machen als Bomben zu schmeißen.

Ein Vorschlag: Dem Terrorismus die Möglichkeit zur hemmungslosen Potenzierung und Verbreitung via Medien verwehren und die Bedingungen für eine geistige Hygiene in den Gebieten zu schaffen, in denen seine Keime gedeihen.

Aber bloß keine Amerikanisierung! Nicht auszudenken, wie die Krisenherde der Welt ausflippen täten, würden sie sich am amerikanischen Vorbild orientieren!


Dieser Text ist die unveränderte Fassung des Beitrags „Rezept gegen den Terrorismus“ aus LW5-8.

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