Links der Woche, rechts der Welt 03/20

Global denken, lokal handeln.

Die Grünen werden 40 und Ulrich Grober blickt in der ZEIT auf den Zeitgeist der Gründungstage der Partei. Damals wurde die Nachhaltigkeit gefordert, die heute nötiger denn je ist, aber bereits von Spinoza stammt und kantischer Pflichtethik entspringt. Wo aber das Rettende war, wuchs auch die Gefahr (=der Marktfundamentalismus). (08.01.20)

 

Die Lobby des Transhumanismus, Pt. I

Thomas Barth beschäftigt sich bei Telepolis mit dem zwischen U- und Dsytopie schillernden Begriff des Transhumanismus und seinen Vordenker*innen. Hoffnung und Angst auf technische Überwindung der menschlichen Grenzen sind alt und interessieren die IT-Konzerne ebenso wie die Kirche und Datenschützer. (12.01.20)

 

Rechte Identitätspolitik

Der autoritäre Charakter verrät sich durch Projektion. Da die AfD immer von Sprech- und Denkverboten redet, hat Henning Lobin in den Scilogs die sprachpolitischen Positionen der Rechtspopulisten aufgearbeitet, die – wenig überraschend – faschistoidem Reinheitswahn und reaktionären Exklusionsprinzipien verpflichtet sind. (13.01.20)

 

Das Eigene und die Habseligkeit

Konsum macht nicht immer glücklich, Konsumverzicht auch nicht, so die enttäuschende Lektion aus Theodor Schaarschmidts Analyse psychologischer Studien über das besitzende Wesen bei Spektrum. Zumindest widerlegt die seltsam identitäre Habseligkeit abermals den Aberglauben an den ach so rationalen homo oeconomicus. (13.01.20)

 

Das Twitter-Ei des Columbus

Twitter sei eine Jauchegrube, heißt es gern, aber woran liegt es? Jörg Scheller rät in der NZZ, nicht immer der Technik die Verantwortung zuzuschieben, sondern den sie gebrauchenden Subjekten. Denn mit etwas Mühe lässt sich mehr Bewundernswertes als Mist in der Grube entdecken – und einige Follow-Tipps gibt es auch gleich. (14.01.20)

(Photo: werdepate, Wolfgang Zimmel, pixabay.com, CC0)

Bücher

Nicht zufrieden ist die SZ mit Naomi Kleins Buch über den Green New Deal, weil es auf simple Dichotomien setzt und blind für ökonomische Interessen ist. +++ Jill Lepore hat der taz zufolge „die bestlesbare Geschichte der Vereinigten Staaten in einem Band“ geschrieben, geht mit dem Projekt eines freundlichen Nationalismus aber in die Irre. +++ Die NZZ weist auf Stephen Greenblatts Essay darüber hin, wie die Christen von einer verfolgten Minderheit zu denen wurden, die Abweichler gnadenlos verfolgten. +++ In der WELT empfiehlt der Vielleser Jan Philipp Reemtsma einen Stoß alter und neuer Bücher zur kanonischen Lektüre.

 

Berichte aus der Akademie

Sci-Hub ist das akademische Pornhub und stellt jedem, der die Seite findet, kostenpflichtige Fachartikel frei zur Verfügung. Nach fruchtlosen Klagen der Wissenschaftsverlage bedroht nun ein Phishing-Gerücht, über das Telepolis berichtet, die Seite. +++ Eher enttäuscht bemerkt die FAZ, dass bei einer Podiumsdiskussion über akademische Meinungsfreiheit an der HU Berlin um den Fall Baberowski nur herumgeredet wurde. +++ Der Runenstein von Rök gibt nach wie vor Rätsel auf, nun behauptet ein Forscherteam, der 1.200 Jahre alte Text warne vor endzeitlichen Wetterphänomenen, wie Spektrum meldet. +++ Spektrum berichtet über die Erforschung von Ohrwürmern, ihrer Entstehung und Vertreibung.

 

Trotz Philosophie

Eckhard Nordhofen berichtet in der FAZ sehr schön von einer Randbemerkung Schopenhauers über einen kosmischen Arschtritt. +++ Die SZ unterhält sich mit dem im München Philosophie studierenden Kameruner Irenée-Victoire Anaba Noah über Alltagsrassismus und Heidegger im Original. +++ Philip Kovce hat einen Sammelband zum bedingungslosen Grundeinkommen herausgegeben und geht im FR-Interview die Vorteile der (alten) Idee und die Einwände dagegen durch. +++ Roger Scruton ist mit 75 Jahren gestorben, in denen er es als konservativer Denker und Exzentriker dem Diskurs nie leicht gemacht hat, wie die SZ in ihrem Nachruf schreibt. +++ Im FAZ-Interview gibt Eva-Maria Engelen Auskunft über Kurt Gödels nachgelassene philosophischen Notizen aus dem Umfeld des Wiener Kreises, die von ihr herausgegeben wurden. +++ Tempi passati: Harry Nutt denkt in der FR über das vollzogene Verschwinden des CD-Wechslers und das anstehende des Autos nach, an anderer Stelle über den menschlichen Hang, sich wider besseren Wissens lasterhaft und unvernünftig zu benehmen. +++ In der NZZ-Reihe „Zürich philosophisch“ besprechen Patrizia Hausheer und Vanessa Sonder, weshalb „Neujahrsvorsätze schnell wieder Schnee von gestern sind“. +++ Sprache und Denken: Matthias Warkus untersucht in seiner Spektrum-Kolumne die überschätzte Sapir-Whorf-Hypothese.

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