Links der Woche, rechts der Welt 02/20

Welt in Wechselwirkung

Das Humboldt-Jahr ist vorbei und Sonja Kastilan zieht in der FAZ Bilanz über die Vereinnahmungen, die sich Alexander von Humboldt 2019 gefallen lassen musste, aber auch über manche Klar- und Darstellung seines Universaldenkens. (31.12.19)

 

Wir sind eigentlich anders

Was heißt hier „echt“? Diedrich Diederichsen denkt im ZEIT-Rückblick auf die 2010er über die durch allgegenwärtige vermittelte Inszenierung fraglich gewordene Authentizität nach, die mehr denn je zum gesellschaftlichen Wert (und Kampfbegriff) geworden ist – mit paradoxen Konsequenzen. (31.12.19)

 

Hölderlin als Vorbild?

2020 ist nicht nur Beethoven-Jahr, auch Hölderlin feiert seinen 250. Geburtstag. Olga Martynova hat sich für die FAZ auf seine Spuren durch Bordeaux begeben, wo einem das Deutsche hinter jeder Hausecke auflauert – und sei es auch nur in Form des Streits zwischen Adorno und Heidegger. (07.01.20)

 

Wer spricht von Siegen?

Statt der Worte von Hiob bis zur Stoa werden schweigend Antidepressiva eingeworfen: Michael Ignatieff denkt in der ZEIT über den Sinn nach, den Trost spendet, und warum es in einer Winner-takes-all-Gesellschaft anachronistisch und doch überlebenswichtig ist, jemanden (und sei es man selbst) trösten zu können. (08.01.20) [Sudhir Kakar ergänzt Ignatieffs Überlegungen um die buddhistische Perspektive auf das Thema.]

 

Rat aus den Zeiten des Perikles

Der greise Weise Isokrates riet König Philipp II. von Makedonien, das zerstrittene Griechenland mittels eines äußeren Feindes (Perser) zu einen. David Neuhäuser erzählt bei Spektrum, wie Isokrates vom Zerfall der attischen Demokratie geprägt wurde und die Verwirklichung seiner Idee durch einen gewissen Alexander nicht mehr miterlebte. (11.01.20)

 

Bücher

Esoterik aus unverstandener Physik: Lars Jaeger stört sich bei Telepolis an der Quantenmystik im Allgemeinen und der „Quantenwirtschaft“ von Anders Indset im Besonderen. +++ Der Tagesspiegel findet die Neuauflage von Klaus Theweleits „Männerphantasien“ trotzallem hilfreich, um den neurechten Terror von heute zu analysieren. +++ Ebd. lesen wir auch einen schönen Verriss von Alexander Graus rechtsblinkendem Dekadenzlamento „Politischer Kitsch“. +++ Tristan Garcia unternimmt mit seinem Roman „Das Siebte“ ein Gedankenexperiment über Unsterblichkeit und die taz fühlt sich an Beauvoir und Sartre erinnert. +++ Noch ein Roman aus des Philosophen Feder zum Thema Sterblichkeit: Die ZEIT stellt Simon Critchleys Geschichte des rätselhaften Nachlasses eines Nietzsche- und Heidegger-Experten vor.

(Photo: skeeze, pixabay.com, CC0)

Radio

Letzte Woche ging es im Philosophischen Radio des WDR 5 um Marx, in dieser sprechen Susanne Schmetkamp und Jürgen Wiebicke über Empathie. Im DLF kommt heute die Lange Nacht über Jean-Paul Sartre und Albert Camus. Rassismus und schwarze Deutsche sind morgen das Thema in der Reihe über Identität bei Essay und Diskurs. Marx und das Klassenbewusstsein sind ein Thema bei Sein und Streit.

 

Die Unordnung der Dinge

Auch fünf Jahre nach dem Attentat auf Charlie Hebdo herrscht in Paris noch Fassungslosigkeit, wie die FAZ berichtet. +++ Böses Tun: Die FR unterhält sich mit dem Psychiater Reinhard Haller über das Verbrechen, den Wahn und die Freiheit. +++ Cambridge Analytica ist eine Politikmarketing-Firma, die mittels Big Data zu den Triumphen von Trump und Brexit beigetragen haben soll; die FAZ berichtet über jüngste Veröffentlichungen zum Fall.

 

Berichte aus der Akademie

Halten Sie die Augen offen bzw. keine Panik: Beteigeuze, die Schulter des Orion, könnte schon bald als Supernova explodieren, wie u.a. die SZ meldet. Näheres erklärt Susanne M. Hoffmann bei Spektrum und mit 650 Lichtjahren Entfernung reicht es wohl nicht für ein kosmisch bedingtes Ende der Menschheit. +++ Spektrum erklärt sehr anschaulich, warum (selbst z.B. bei der Hegel-Lektüre) das Gehirn niemals überhitzt. +++ Die SZ wagt einfach mal einen vorausschauenden (satirischen) Jahresrückblick auf die wissenschaftlichen Durchbrüche des Jahres 2020, u.a. Sex im All und Abschaffung des Schlafs. +++ Die Universität Salzburg hadert bis heute mit der Aberkennung des Ehrendoktors für Konrad Lorenz und ein Sammelband zur Debatte macht es nicht besser, wie die FAZ findet. +++ Die FR hat sich im British Museum umgesehen, wo eine Ausstellung den intellektuellen Mythos und die wissenschaftliche Realität Trojas thematisiert. +++ Die Historikerin Elena Osokina hat untersucht, wie die Sowjetunion mit „Torgsin“-Konsumtempeln an die Kohle, also das Gold von Ausländern und Sowjetbürgern herankam.

 

Trotz Philosophie

Von Albert Camus ist ein bisher unbekannter Aufruf zum Widerstand von 1943 aufgetaucht, aus dem die SZ einen Absatz über Eliten zitiert. +++ Die Intellektualität der Generation, die mit und in sozialen Medien groß wurde, ist wohl eine andere, wie wir dem WELT-Portrait der Essayistin Jia Tolentino entnehmen dürfen. +++ Über den Trend zu Outdoorkleidung und hypoallergenen Haustieren (am besten ohne Stoffwechsel!) denkt Gerhard Matzig in der SZ nach.

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