Boykott gescheitert

von Timotheus Schneidegger, 16.02.2007, 10:40 Uhr (Freiburger Zeitalter)

 

Der landesweite Boykott der Studiengebühren, die in Baden-Württemberg erstmals zum kommenden Semester verlangt werden, ist gescheitert. An nahezu allen Hochschulen des Landes hatten Studierendenvertretungen dazu aufgerufen, die Gebühren auf ein Treuhandkonto und nicht an die Unikassen zu überweisen. Sollte sich mindestens ein Viertel der Studierenden pro Hochschule daran beteiligen, sowie landesweit mindestens 10.000, würde das Geld auch nach Ablauf der Rückmeldefrist zurückgehalten werden und mit Hochschulen und Landesregierung darüber verhandelt werden, die Boykotteure nicht zu exmatrikulieren, sondern weiterstudieren zu lassen. Der Boykott stellte die letzte Chance dar, die folgenreiche Einführung der Studiengebühren zu verhindern. Die Teilnahme war relativ risikolos, darum gab es keinen guten Grund, nicht wenigstens den Versuch zu unternehmen (es sei denn natürlich, man war gezwungen, schon jetzt einen Kredit der L-Bank aufzunehmen, die das Geld stur an die Unikasse überwies). Dennoch blieb die Beteiligung bis zum Schluß schwach.

 

Boykott!Zur Halbzeit Anfang Februar stand aufgrund der unterschiedlichen Rückmeldefristen bereits fest, daß beispielsweise die PH Freiburg ihr selbstgesetztes Quorum verfehlt hatte und drei kleine Hochschulen in Karlsruhe ihres erreicht hatten. Am gestrigen 15.02. endete die Rückmeldefrist an den meisten Unis.

In Stuttgart beteiligten sich lediglich 1377 Studierende am Boykott, mindestens 4200 hätten es sein müssen. Hier wurden die Gebühren vom Treuhandkonto sofort an die Unikasse weitergeleitet, damit auch die Teilnehmer des gescheiterten Boykotts ordnungsgemäß zurückgemeldet sind. Ebenso an den Unis Heidelberg, Tübingen und Freiburg. In Heidelberg boykottierten nur 1192 Studierende die Gebühren (das Quorum war 4500), in Tübingen 1644 (Quorum: 6100), in Freiburg immerhin 2204 (Quorum: 5500). An den Unis in Mannheim und Ulm kam der Boykott wegen Personalmangels verspätet oder gar nicht in die Gänge.

 

Die Rückmeldefrist der Uni Karlsruhe läuft noch bis zum 23.03. Doch selbst wenn hier das Quorum von 4500 Boykotteuren erreicht werden sollte: Daß 10.000 der 18.000 Karlsruher Studierenden die Gebühren boykottieren und damit auch das landesweite Quorum erreicht wird, ist nach dem Scheitern des Boykotts – gelinde gesagt – unwahrscheinlich.

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