Links der Woche, rechts der Welt 02/22

Unruhe hier und da

Charlotte Klonks Essay „Revolution im Rückwärtsgang“ blickt auf die Bildsprache des Sturms aufs Kapitol vor einem Jahr und die Rolle des Begriffs „Volkssouveränität“; die taz stellt ihr Büchlein vor. Ein Aufsatz von 1969 beschreibt, wie sich die USA nach Wahlkämpfen entpolitisieren, um ein gedeihliches Zusammenleben auch über Parteigrenzen hinweg zu ermöglichen, und die FAZ erkennt, wie Donald Trump mit seinem Dauerwahlkampf dieses pazifizierende Prinzip aufhob.

Oder sind die sozialen Medien schuld an der Polarisierung? „Man beklagt die Symptome, weil man die Ursachen nicht beseitigen will“, so kommentiert Marlon Grohn bei Telepolis den jüngsten Trend, spinnerte Telegram-Gruppen als Gefahr für die Demokratie zu brandmarken anstatt sie als Produkte der marktwirtschaftlichen Mitte der Gesellschaft zu begreifen.

 

Natur und Wissenschaft

Ferdinand Redtenbacher gilt als ein Begründer des Maschinenbaus und Vordenker des interdisziplinären Ingenieurswesens: Von einem ihm gewidmeten Symposion über den Begriff der Vernunft berichtet der Standard.

Hugh Aldersey-Williams hat dem umtriebigsten und größten Naturwissenschaftler zwischen Galilei und Newton, nämlich Christiaan Huygens, eine Biographie gewidmet, die in der FAZ vorgestellt wird.

(Photo: geralt, pixabay.com, CC0)

Zu seinem 60. Todestag erhält Erwin Schrödinger (der mit der Katze) im Tagesspiegel eine nicht unkritische Würdigung, die sich nämlich vor allem auf seinen „Lolita-Komplex“ konzentriert. Die ZEIT stellt David Edmonds’ Geschichte des Wiener Kreises vor, die u.a. zeigt, was wir Positivismus und logischem Empirismus zu verdanken haben und wie unwahrscheinlich sie waren.

 

Wissenschaft oder nicht?

Robin Lane Fox macht sich in seinem bei Spektrum rezensierten Buch auf die Suche nach dem Geburtsmoment der Medizin als Wissenschaft.

Auch an seinem 200. Geburtstag ist unklar, ob Heinrich Schliemann das homerische Troja gefunden oder erfunden hat. Die FAZ bespricht zwei biographische Neuerscheinungen zum Anlass.

Anthroposophie kann zu Impfgegnerschaft und Rechtsdrall führen, wird überall gewarnt. Wolfram Janzen nimmt es bei Telepolis darum auf sich, Werk und Person Rudolf Steiners gegen verbreitete Vorurteile zu verteidigen.

 

Am Ende

Die FAZ portraitiert die Bestatterin Nikolette Scheidler, die u.a. dafür plädiert, auch schon Kinder mit dem Thema der Sterblichkeit zu konfrontieren, weil die Beschäftigung mit dem Ende nicht früh genug beginnen kann.

Für einen munteren Optimismus im neuen Jahr plädiert Philipp Tingler in der NZZ, weshalb die Auseinandersetzung mit der ewig nörgelnden Identitätspolitik nicht fehlen darf. Otfried Höffe dagegen versucht es im selben Blatt mit einem neuen Thema: Die Kluft zwischen Stadt und Land weitet sich – was der Philosophie eine Frage der Gerechtigkeit stellt. Oder Wanderlust macht: Im DLF kommt heute die Lange Nacht über das Reisen im Winter.

Matthias Warkus gibt in seiner Spektrum-Kolumne Link-Empfehlungen zum neuen Jahr, darunter den Aggregator PhilPublica, der die Links der Woche hier ziemlich überflüssig macht.


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