Alte Berufe: Yakjäger / -treiber

von Marc Hieronimus

Lichtwolf Nr. 59 („Alte Berufe“) (E-Book)

Auch dieser seltene Beruf mit Y erzählt etwas von der „evolutionären Krise“ (A. Grothendieck), der „großen Häutung“ (B. Charbonneau) der Menschheit und des Planeten, denn mit den letzten wilden Exemplaren des tibetischen Grunzochsen (bos mutus bzw. grunniens) verschwindet zwangsläufig auch sein Jäger. Die letzten Exemplare in China sind streng geschützt, die Lebensform des Jagd- und überhaupt des Nomaden hingegen nicht. Yaktreiber, also Hirten der vor über 4.000 Jahren zum Hausyak domestizierten Tiere, gibt es derzeit noch zahlreich im Himalaya, in Sibirien und besonders in der Mongolei. Sie lenken die Herden der scheuen und bisweilen durchaus aggressiven Tiere mit Steinschleudern, trainieren Jungtiere aber auch darauf, auf Zurufe zu hören und sich Halsbänder anlegen zu lassen. Da Hausyaks als Reit-, Last-, Milch- und Renntiere dienen und man bis hin zum Kot buchstäblich alles von ihnen verwendet, gehören die ihnen angeschlossenen Berufe zu den schönen Beispielen uralten, aber bis auf Weiteres noch fortbestehenden Handwerks. Freilich hat sich auch deren Arbeitsfeld durch westlichen Einfluss z.T. erheblich verändert. Professionelle Veranstalter bieten reichen Europäern sogenannte Yaktrekking-Ausflüge in Begleitung von Treibern an, während derer sie – die Touristen, versteht sich – den inneren Frieden zu finden hoffen, den ihre Großeltern noch bei einem Spaziergang durch den heimischen Wald oder die Heide finden konnten. Auch Hochgebirgsträger vom Stamm der Sherpas nutzen häufig Yaks für den Transport der High-Tech-Ausrüstung wohlhabender Mount-Everest-Besteiger.

Lesung

Dieser Text ist die unveränderte Fassung des Beitrags „Leuchtturmwärter“ aus LW59 und wurde von Marc Hieronimus auf der Lichtwolf-Lesung am 10.04.2018 vorgetragen:

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