Der Lichtwelpe: Was ist eine Universität?

von Augušt Maria Neander, 20.10.2005, 17:08 Uhr (Freiburger Zeitalter)

 

Lichtwelpe aus Lichtwolf Nr. 17

Geschätzte Kinder!

Sie fragen sich sicherlich, was diese „Universität“ ist, von der Ihre Eltern soviel erzählen, wenn sie wieder einmal zuviel von den Getränken zu sich genommen haben, die Sie, werte Nachgeborenen, nicht trinken dürfen. Aus eigener Anschauung kennen Sie die vergleichbaren Einrichtungen „Kindergarten“ und „Grundschule“, unsere älteren kleinen Leser gewiß auch die weiterführenden Schulen.

Um es kurz zu machen: Eine Universität ist eine Schule für die Großen, an der die Schüler, die man schlau „Studenten“ nennt, sich aussuchen dürfen, was sie lernen wollen. Klingt gut, ist es aber nicht immer. Sie kennen das ja gewiß aus dem Sandkasten: Alle Kinder wollen „Räuber und Gendarm“, „Kaufladen“ und „Vater, Mutter, Kind“ spielen (an der Universität heißt das „Jura“, „BWL“ und „Sozialpädagogik“), und viel zu viele möchten ihrer Kindergartentante eine Geschichte vom Pferd ans Ohr nageln („Philosophie“, „Kunstgeschichte“). Andere Dinge, wie das kaputte Dreirad („Maschinenbau“) bleiben entweder liegen oder werden nur von den komischen Kindern bespielt. Und weil all jene Dinge dort gemacht werden, heißt der Sandkasten nun „Universität“. (Der Kollege Onkel Schneidegger hat mich gebeten, auf eine weitere Ausführung dieses universitas-Prinzips zu verzichten.)

Der Staat (den Sie bestimmt schon mal in der Gestalt eines Polizisten oder Bürgermeisters gesehen haben) muß nun in diesen Sandkasten immer neuen Sand einfüllen, nachdem er vorher großzügig jedem ein Abitur geschenkt hat. Weil die Kinder dann alle „etwas mit Medien“ oder „was mit ordentlich Kohle“ werden wollen, wenn sie groß sind, oder weil sie erstmal noch nicht so groß sein wollen, daß sie von ihren Eltern kein Taschengeld mehr bekommen, haben wir den Salat: Alle wollen sandeln, aber keiner will erstens helfen, den Sand aufzufüllen, und zweitens will natürlich auch keiner sich erstmal von den Großen zeigen lassen, wie man die Schaufeln und die Förmchen zu bedienen hat.

Nach zwei Semestern sind dann aber auch fast alle rausgeprüft und nur die guten und völlig merkbefreiten bleiben übrig. Ein fröhliches Studium wünscht

Ihr Onkel Neander

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