Einleitung ins Titelthema: Der #@%*! Gottes

„Es wäre aber eine noch bessere Wirkung, wenn eine ganze Generation von Lesern des Mißtrauens habhaft würde, das einer ihrer Zeitschriften gemangelt hat, und wenn sie erkennte, auf welchem Schlammgrund sie lebt, …; wenn ein jeder von ihnen doch lieber der Stiefbruder Gottes als der Lieblingsbruder des Menschen sein möchte, der die neuen Gedanken erschwindelt und die alten stiehlt.“
– Karl Kraus, Die Fackel Nr. 546, Juli 1920, S. 67

von Timotheus Schneidegger, 19.06.2013, 21:05 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

Anhalter wissen, die Antwort lautet „42“, nicht „Gott“. Recht eigentlich ist die Quellenlage für beide Antworten dünn. Aber „wenn nie etwas von Gott offenbar geworden wäre, so würde diese ewige Entbehrung auf doppelte Weise zu erklären sein, sie könnte sich eben so gut auf die Abwesenheit aller Gottheit beziehn als auf die Unwürdigkeit der Menschen sie zu erkennen“, gibt Blaise Pascal in seinen „Pensées“ zu bedenken. Hinzu kommt die Krux der Mystiker, dass kaum etwas so schwer zu beschreiben und benennen ist wie Gotteserkenntnis, dies in den Monotheismen gern verschärft dadurch, das Heilige für unnennbar zu erklären.

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Holzstich eines unbekannten Künstlers in Camille Flammarions „L’atmosphère“ (1888) als Illustration zu „La forme du ciel“ im Kapitel „Le jour“, Quelle: Wikipedia, PD.

Wir wollen in Lichtwolf Nr. 42 dennoch der Gottesfrage nachgehen, und zwar unter grammatikalischen Vorzeichen. Damit bieten wir der negativen Theologie einen revolutionären neuen Ansatz. Die negative Theologie verfolgt seit dem Platonismus die Richtlinie, wonach alle positiven Aussagen über Gott unangemessen sind. Die menschliche Begrifflichkeit ist dem Absoluten demnach nicht gewachsen. Ein intellektuelles Bilderverbot, bei dem auch das Verneinen nichts behauptet, da „Gott ist nicht das Gute.“ keinesfalls bedeutet, Gott sei das Böse.

Damit hätte sich dann auch die Frage erledigt, ob dem Wesen Gottes eher der fürs Christentum typische Deismus, der den Einzelnen seiner Verantwortung im Weltenlauf überlässt, der von Gott ephemer überspannt wird, oder der Theismus angemessen ist, wie er im Judentum und Islam gepflegt wird. Höchstens der theistische Gott kann den armen Hiob persönlich piesacken, muss sich aber seinerseits auch nach seinem Body-Mass-Index befragen lassen.

Indes ist die Kritik am verbotenen Bild Gottes als älterer, weißer Mann mit Bauchansatz so alt wie die Neugier, ob der Umraunte und Gepriesene auch weiß, wie schön es ist, sich dort zu kratzen wo es juckt. Voltaire paraphrasiert im Eintrag „Gott“ seines Philosophischen Wörterbuchs den Klassiker des Xenophanes. Er erzählt von einem blasiert-inquisitorischen Gespräch, das der Theologe Logomachos mit dem Skythen Dondindac führt. Der vermeintliche Barbar möchte am Ende wissen, wieso man Gott in Konstantinopel als Mann mit langem Bart darstelle. Logomachos weicht aus, die Erklärung erfordere viel zu viel Vorwissen. Drum erzählt der Skythe seinerseits, wie er einmal eine Hütte in seinem Garten gebaut hatte. Bald darauf stritten ein Maulwurf und ein Marienkäfer darüber, ob nun ein mächtiger Maulwurf oder ein brillanter Marienkäfer dieses eindrucksvolle Gebäude errichtet hätte.

Daraus entstand der Witz, der auf Seite 6 en passant erzählt wird und auch für Atheisten erhältlich ist, nämlich mit Astronauten nach ihrer Rückkehr aus dem All. Dann allerdings hat sich die Frage nach spezifischen Körpermerkmalen des summum ens erledigt und fraglich sind nur noch die vielen anderen #@%*! Gottes, die womöglich weniger umstritten und fraglich sind als Gott selbst.


Lichtwolf Nr. 42

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