Lichtwolf Nr. 62 („Zeichen und Wunder“)

8,50 

Zeichen und Wunder in Semiotik, Theologie und Philosophie, der Aberglaube an Hoffnung, Orakel und Magie nicht nur in Christentum und Islam, sondern auch in der Technologie, dazu besonders viel Chinesisch, Rudolf G. Binding und Tauben.

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Beschreibung

Zeichen und Wunder sind der Kern des Aberglaubens innerhalb und außerhalb aller Religionen, weshalb sie überall, wo Menschen waren und sind, ersehnt bis erzittert werden. Da auch Staatsoberhäupter und große Geister bis neulich von Magie fasziniert, wenn nicht gar überzeugt waren, fragt Marc Hieronimus, warum wir heute dermaßen entzaubert sind. Mit Schopenhauer, Nietzsche und Camus plädiert Schneidegger gegen den allzumenschlichen Hang, dem Sein zum Tode Sinn und Hoffnung anzudichten. Dagegen findet Wolfgang Schröder ab mit Ulrich Horstmann, Karl Valentin und Hölderlin am Ende der Hoffnungslosigkeit einen Silberstreif. Wie das Liebesorakel Kottabos der antiken Griechen zum Trinkspiel wurde, ergründet Michael Helming. Bernhard Horwatitsch blickt auf die Zeichen und Wunder des bürgerlichen Glücksversprechens und seiner ungedeckten Schecks. Vasile V. Poenaru stürzt uns in das magisch-technische Denken unserer digitalen Wunderwelten. Noch technischer ist der Aufsatz von Georg Frost, der sich mit Alan Turings These befasst, Zeichenverarbeitung sei hinreichend für Künstliche Intelligenz. Die Frage, was es heißt, ein Zeichen zu verstehen, behandelt auch Simon Preker, wo er unter macht- und identitätspolitischen Gesichtspunkten auf chinesische Tattoos blickt. Zwischendurch meldet sich immer wieder Bdolf zu Wort mit seinem Propädeutikum, einer Wunderlandreise gen Appenzell und dem kanonischen Katalog der Zeichen und Wunder. IPuP-Press schildert aus eigenem Erleben die surrealen Verwandlungen von Raum, Zeit und Subjekt, die ein Gastro-Job im Varieté zu bieten hat, und Martin Köhler bewundert in seiner Kolumne pragmatisch-brutalistische Wahrzeichen aus Beton, während Georg Frost im Fußsteg die Zeichen versammelt hat, die die Wunder der jüngsten 500 Mio. Jahre Erdgeschichte hinterlassen haben. Schneidegger gibt einen kurzen Überblick, wie schwer sich das Christentum mit Zeichen und Wundern tut, und Osman Hajjar findet in islamischen Heiligen einen utopischen Kosmopolitismus angelegt. Marc Hieronimus beschließt das Thema mit dem Blick in die Zukunft und was es hieß und heißt, deren Zeichen deuten zu können.

Die Miniaturensammlung „Der tragbare Gedanke“ und Renate von Charlottenburgs großformatige Illustration des Junis eröffnen den hinteren Heftteil. Die Debatte, ob Rudolf G. Binding ein kitschig-völkischer Schmierfink war, beschließt Stefan Rode mit einem vermittelnden Fazit, ehe Redaktionspraktikant Filbinger den vergessenen Gefühlstheoretiker Elias Aitzen in der Reihe „Die unbedeutendsten Denker der Geschichte“ portraitiert. Es folgen die Rezensionen in unter 800 Zeichen und das Viehlosovieh: In dieser Ausgabe stellt Schneidegger die Taube als Symboltier des falschen Lebens vor. Dann gibt es noch einige Aphorismen und die Beiträger-Portraits, ehe die Heftrückseite erreicht ist.

 

Inhalt

Inhaltsverzeichnis dieser Ausgabe

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Zusätzliche Information

Gewicht 315 g
Größe 21 × 30 cm

Inhaltsverzeichnis

Zeichen und Wunder in Semiotik, Theologie und Philosophie, der Aberglaube an Hoffnung, Orakel und Magie nicht nur in Chistentum und Islam, sondern auch in der Technologie, dazu besonders viel Chinesisch, Rudolf G. Binding und Tauben.

 

2 Editorial & Impressum

3 Zeichen und Wunder
Einleitung ins Titelthema

3 Der Jugend zum Geleit
Propädeutikum und Prolegomena zum Thema „Zeichen und Wunder“
von Bdolf

4 Magisches Denken
It’s a kind of magic
Die Magie verstößt gegen unsere Erklärungsmuster. Wer ihr eine Berechtigung einräumt, kann weder Christ noch Wissenschaftler sein. Jeder Freigeist sollte sich also mit ihr beschäftigen.
von Marc Hieronimus

10 Wunderland hinterm Bodensee
Das Oktagon von Appenzell
von Bdolf

11 Fußsteginfo
Das Phanerozoikum
von Georg Frost

12 Wider metaphysische Pareidolie
„Da ist gar nichts.“
Die große Freiheit in der kleinen Endlichkeit setzt voraus, sich der Hoffnungen und des Trostes zu entledigen. Es erfordert Disziplin und Ausdauer, gelassen an den sich überall aufdrängenden Zeichen und Wundern vorbei in den Abgrund zu schauen.
von Timotheus Schneidegger

21, 62, 85 Kanonisch
Katalog der Zeichen und Wunder
von Bdolf

22 Hoffnung trotz Philosophie
Vom Gähnen und Schlucken des Abgrunds
Mutige Denker wie Ulrich Horstmann, Karl Valentin und Friedrich Hölderlin starrten trotzig in den Abgrund und fanden in seiner Aussichtslosigkeit mehr als die Hoffnung, die sich nur noch machen kann, wer sich abwendet.
von Wolfgang Schröder

32 Alice im Varieté-Land
Die weiße Wand
Über die Zeichen und Wunder, die sich hinter den Kulissen eines Varieté-Theaters ereignen
von IPuP-Press

34 Wein, Weib & Wahrheit
Wandelbares Liebesorakel
In einem Kastengrab in Paestum findet seit über zweieinhalbtausend Jahren ein Symposion statt. Einer der Gäste gibt dem Betrachter einen ungewöhnlichen Wink mit der Trinkschale. Was dahinter steckt, wird erklärt
von Michael Helming

43 Wahrzeichen aus Beton
Stufen zum Nichts: Zeichen und Wunder
Kolumne von Martin Köhler

44 Das Paradies auf Erden
Wessen Wille geschehe?
Die bürgerliche Gesellschaft basiert auf Glücksversprechen, die ein bedrückend virtuelles Eigenleben auf Kosten der wirklichen Freiheit angenommen haben.
von Bernhard Horwatitsch

53 Bibelstunde
Achtung, Zeichen und Wunder!
von Timotheus Schneidegger

54 Lebenszeichenverarbeitung
Friedensnobelpreisträger auf Facebook
Negativer Messianismus, Business as usual, Online-Geister, Privatsphäre und Sweet Deals in der Digitalen Räuberhöhle – ein Essay über das magische Denken in allzu abgeklärten Zeiten
von Vasile V. Poenaru

63 Paradise now
Warum warten?
Die Frage, wofür islamische Heilige als Zeichen Gottes stehen, führt zu einem utopischen Kosmopolitismus, in dem jeder den anderen als Heiligen betrachtet.
von Osman Hajjar

66 Künstliche Intelligenz
Symbole, Maschinen und ein Zimmer
Höchstleistungen von neuronalen Netzen und lernenden Algorithmen täuschen über ein grundsätzliches Problem Künstlicher Intelligenz hinweg, dessen Lösung jedoch absehbar ist.
von Georg Frost

74 Zeichen auf der Haut
Chinesische Tattoos
Es gibt vier Sorten von Mensch: Die eine versteht kein Chinesisch und lässt sich keine chinesischen Schriftzeichen tätowieren, die andere macht es, obwohl sie kein Chinesisch kann, die Dritte kann chinesische Tattoos lesen, hat selber aber keine, und die vierte versteht die chinesischen Zeichen auf ihrer eigenen Haut.
von Simon Preker

80 Das zweite Gesicht
Was kommt?
Von allen paranormalen Phänomenen und Begabungen ist die Vorhersage der Zukunft dem aufgeklärten Geist eine der am wenigsten akzeptablen. Bis gestern aber war sie ganz normal und lag nicht selten richtig. Was fangen wir heute damit an?
von Marc Hieronimus

86 Kurz lesen, lang nachdenken
Der tragbare Gedanke 62
von Bdolf (bd), Filbinger (fi), Michael Helming (mh), Marc Hieronimus (hi), Bernhard Horwatitsch (bh), Timotheus Schneidegger (ts) und Wolfgang Schröder (ws)

89 Renate von Charlottenburg:
Die zwölf Monate: Juni

90 These, Antithese, Synthese
Metapher und Verbrechen
In LW60 wurde an der Novelle „Der Opfergang“ der faschistoide Kitsch des Rudolf G. Binding aufgewiesen. Michael Helming entgegnete in LW61, der Schriftsteller behandle mit kunstvollem Pathos die damaligen Fragen des Zeitgeistes. Ein Fazit der Auseinandersetzung
von Stefan Rode

100 Die unbedeutendsten Denker
An der Schönen Blauen Donau
Der unmusikalische, aber empfindsame Elias Aitzen (1869–1914) ersann eine „Klaviatur der Gefühle“ und beeindruckte damit immerhin einen bekannten Journalisten seiner Zeit.
von Filbinger

102 Rezensionen in < 800 Z.
Kurz und Klein 62
von Bdolf (bd), Georg Frost (gf), Michael Helming (mh), Marc Hieronimus (hi), Bernhard Horwatitsch (bh) und Timotheus Schneidegger (ts)

105 Glaube, Liebe, Hoffnungslosigkeit
Viehlosovieh: Taube
Das Tier des unmöglichen richtigen Lebens im falschen wird bezeichenderweise als Friedenssymbol und Flugratte missverstanden.
von Timotheus Schneidegger

107 Aphorismen
Pro Domo et Mundo 62
von Bernhard Horwatitsch (bh), Timotheus Schneidegger (ts) und Wolfgang Schröder (ws)

108 Autoren & Illustratoren

U1 Titelblatt von Georg Frost