Der Mief der Jugend

von (n·k)², 26.02.2003, 16:44 Uhr (Dunkles Zeitalter)

Wer hat eigentlich gesagt, dass früher alles besser war? Die Menschen waren ehrlicher, das Benzin billiger? Was ist denn „früher“, wenn man gerade die 20er Marke hinter sich gebracht hat? Welcher Lebensabschnitt bleibt solchen Zeitgenossen für Nostalgie?

Uns bleibt wohl nur die widerlichste Zeit des ganzen Lebens für die Rückbesinnung (wenn man mal von der Epoche absieht, die dadurch beendet wird, dass jemand den Stecker des Beatmungsgerätes aus der Dose zieht). Für alle, die es immer noch nicht gemerkt haben: ich spreche von der Pubertät. Wie war die nochmal, außer Scheiße, meine ich. Ich sitze hier und höre Nirvana, um mich wieder jung zu fühlen. Wie fühlte ich mich damals bei den depressiven Gesängen des Gurus aller Suizidgefährdeten, Kurt Cobain?

Fühlte ich mich wild, frei und unabhängig?

Nein, und ich glaube niemandem, der mich vom Gegenteil überzeugen will!!! Die Menschen, die sagen, ihre Jugend sei die schönste Zeit ihres Lebens gewesen, sind meiner Meinung nach die fertigsten überhaupt. Leute, die gar nichts haben außer einer manipulierten Erinnerung von der sie sich so etwas wie eine Daseinsberechtigung versprechen.

Ich denke, wenn ich an meine „wilde“ Jugend in Verbindung mit Nirvana denke, an drei Dinge: Die Kneipe, in die ich immer ging, den Mann, den ich liebte und den Alk, den ich in mich hineinschüttete. Würde mich heute jemand fragen, was von den drei Dingen das beste war, würde ich sagen, der Alk.

Ich kann die Pubertät aus biologischen Gründen nur aus der Frauenperspektive sehen. Was tun Mädchen zwischen 13 und 17?

Make-up auflegen, viel zu viel trinken, gackern und kichern und sich in furchtbare Kerle verlieben. Das mag hart klingen, doch die Wahrheit tut manchmal weh! Die Pubertät ist ätzend, da bleibt wirklich kein Platz für Idealisierung, es sei denn, man braucht das, um am Leben zu bleiben, doch so einfach werde ich es mir nicht machen!

Man hat Pickel, ist zu dick und genervt von seinen Eltern. Man beneidet die Freundinnen, wenn sie einen Freund haben, aber ist froh, dass man diesen Kerl nicht hat, weil er Moped fährt, Fußball schaut und ein Prolet ist. Das ist nun die weibliche Seite, doch ein männlicher Artgenosse erzählte mir vor einiger Zeit beim Whiskytrinken, dass das alles für Jungs nicht einfacher ist.

Was macht man nun mit dieser Zeit? Verdrängen? Es kommt wieder! Idealisieren? Keiner wird dir glauben! Leugnen? Tolle Idee! Vielleicht bleibt nur eins: Zu hoffen, dass alles nur besser werden kann und zu beten (falls man sich seinen Gott erhalten hat), dass sich dies nicht auch als Illusion herausstellt.

With the lights out, it’s less dangerous!


Dieser Text ist die unveränderte Fassung des Beitrags „Der Mief der Jugend“ aus LW5-8.

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