Lichtwolf Nr. 68 („Riten und Gebräuche“)

8,50 

Wie man Komplexität reduziert und den Alltag strukturiert: 100 Seiten Philosophie, Soziologie und Anthropologie zum bizarren Gebaren der Mitmenschen, außerdem Richard Weiner und Schweine.

Lieferzeit: ca. 2-3 Werktage

E-Book-Versionen:

epub epub

Kindle Kindle

Beschreibung

Rituale sind eine große Entlastung: Sie reduzieren die Komplexität und strukturieren den Alltag. Sie sind auch in ihren seltsamsten Formen nicht nur bei isolierten Naturvölkern zu bestaunen, sondern auch im vermeintlich auf- und abgeklärten „Westen“, weshalb dieses Heft auf Riten und Gebräuche in der Ferne und Nähe blickt. So empfiehlt Sarah Maria Lenk, sich den Alltag mit mikrosoziologischem Blick auf das bizarre Verhalten in Wartezimmern und im ÖPNV wieder interessant zu machen, während Martin Köhler 12 Jahre nach Einführung des iPhone fragt, ob und wie das Smartphone eigentlich gebraucht wird. Schneidegger schaut auf ritualisierte Ersatzhandlungen in melanesischen Cargo-Kulten und modernem Management, dagegen untersucht Michael Helming den Brauch des Gerontozids („Lapot“), der zu gut zu allen Vorurteilen über den Balkan passt, um dort wirklich praktiziert zu werden. Einen Überblick über die Sitten rund um anthropologische Konstanten und wie sie sich gewandelt haben, leistet Marc Hieronimus und erinnert sich ganz konkret auch an einen Geburtstag auf der Autobahn. Bdolf steuert neben dem Propädeutikum ein zweiteiliges Lexikon der Riten und Gebräuche bei und enttäuscht die Erwartungen an den Urlaub auf der freizügigen Insel Lesbos. Der Alltag läuft so routiniert ab, dass wir blind für die Wirklichkeit werden, womit sich Bernhard Horwatitsch beschäftigt, ehe es wieder in die Ferne geht: Vasile V. Poenaru blickt zum 30. Jahrestag auf den Brauch des Tyrannenmords am Beispiel Ceausescus. Ewgeniy Kasakow stellt Andrei Popow vor, der sich von reichen Moskauerinnen als Gott Kusja verehren ließ, und Osman Hajjar beschreibt, wie unziemlich es im Wüstenschloss des Kalifen al-Walid II. (reg. 743-744) zuging. Zwischendurch gibt es zwei Märchen zur Sittenbildung, Nietzsches Gedanken über Gebräuche, Martin Köhlers Kolumne über Punk, der Mainstream wird, und Parmenides sowie Aristoteles in Haiku-Form.

Die tragbaren Gedanken eröffnen den hinteren Heftteil, in dem es neben Aphorismen pro domo et mundo und Rezensionen in unter 800 Zeichen auch wieder ein neues Portrait in der Reihe „Lebende & Leichen“ gibt: Michael Helming erinnert an den zu Unrecht vergessenen böhmischen Avantgardisten Richard Weiner (1884–1937). In der Reihe „Viehlosovieh“ stellt Marc Hieronimus das Schwein vor und zu guter Letzt wird die Frage, ob man Peter Handke lesen muss, kurz und final entschieden.

 

Inhalt

Inhaltsverzeichnis dieser Ausgabe

Leseprobe als PDF-Datei herunterladen

Zusätzliche Information

Gewicht 300 g
Größe 21 × 30 cm

Inhaltsverzeichnis

Lichtwolf Nr. 68 (Riten und Gebräuche)

Wie man Komplexität reduziert und den Alltag strukturiert: 100 Seiten Philosophie, Soziologie und Anthropologie zum bizarren Gebaren der Mitmenschen, außerdem Richard Weiner und Schweine.

 

2 Editorial & Impressum

3 Riten und Gebräuche
Einleitung ins Titelthema

3 Der Jugend zum Geleit
Propädeutikum und Prolegomena zum Thema „Riten und Gebräuche“
von Bdolf

4 Cargo-Kult überall
Komische Sitten!
Nicht nur bei isolierten Naturvölkern lassen sich abenteuerliche Ersatzhandlungen beobachten, auch der vermeintlich auf- und abgeklärte Westen fügt seinem magischen Denken stets neue Beschwörungsrituale hinzu, die er nicht als solche wahrhaben will.
von Timotheus Schneidegger

14 Ritualinventur
Was machste’n so?
Alles ändert sich, doch der Mensch hängt an seinen Gewohnheiten und sie hängen an ihm. Was hat Bestand, was geht, was kommt zurück?
von Marc Hieronimus

17 Vom Punk zum Mainstream
Stufen zum Nichts: Riten und Gebräuche
Kolumne von Martin Köhler

18 Blind durch Gewohnheit
The map is not the territory
Was vernünftig ist, ist wirklich, und umgekehrt – aber im Alltag sind wir vor lauter Routine blind für die Wirklichkeit, bis wir über das Unvorhergesehene stolpern und hart auf dem Boden der Tatsachen aufschlagen.
von Bernhard Horwatitsch

27 Märchenstunde
Der faule Jakob
Frei nach dem Märchen „Lazy Jack“ von James Halliwell Orchard Phillips
von Georg Frost

28 Urlaubsträume
Sextourismus heute: die Insel Lesbos
von Bdolf

30 Ritual und Realitätssinn
Blame it on the Bread
Der Mensch braucht Rituale. Sie geben ihm Halt und Sicherheit. Doch er trägt auch die Verantwortung für Inhalte und Abläufe seiner Kulthandlungen. Wie passt das zu einem Ritus, bei dem Brot als Mordkomplize dient?
von Michael Helming

39 Ad fontes
Das Grübeln über Gebräuche
von Friedrich Nietzsche

40 Alltagsgebräuche
You got to mumble ‚Guten Tag‘
Wir lernen, dem Hass und der Langeweile zu entkommen durch Sitten und Gebräuche, also Mikrosoziologie.
von Sarah Maria Lenk

43 A bis Emm
Das Lexikon der Riten und Gebräuche I
von Bdolf

44 Bilanz nach 12 Jahren
Über den Gebrauch des Smartphones
Es gibt wenige Dinge, die nach so kurzer Zeit in der allgemeinen Kultur – nicht nur der unseren, sondern der weltweiten – so weite Verbreitung fanden wie das Smartphone. Aber wird es auch gebraucht?
von Martin Köhler

50 Kurz gedacht
Denker im Haiku: Parmenides & Aristoteles
von Michael Helming (mh) und Bernhard Horwatitsch (bh)

51 Enn bis Zett
Das Lexikon der Riten und Gebräuche II
von Bdolf

52 Geldmaschine Aberglaube
Der halbblinde Gott der Empathie
Andrei Popow erklärte sich zu Gott und wurde mit einer obskuren Sekte erst reich, dann Häftling. Betrachtungen aus dem geistigen Leben des Ostens
von Ewgeniy Kasakow

60 9.11.
Wieder ein Geburtstag
von Marc Hieronimus

62 Ein Schand- und Sittengemälde
Wein, Weib und Ghaselen
Das Berliner Pergamonmuseum brüstet sich stolz mit der Fassade des Mshatta-Palastes, ein kleines Präsent von Sultan Abdülhamid II. an Kaiser Wilhelm II. Was sich dahinter abgespielt haben mag, als sein Bauherr der Kalif al-Walid II. (reg. 743-744) das Wüstenschloss bewohnte, soll im Folgenden erzählt werden.
von Osman Hajjar

71 Didaktische Lehrgeschichten
Der Watschenbaum
von Bdolf

72 Diktatoren opfern
Drei Tage zum Plündern
Auch in der rumänischen Revolution waren die üblichen Gebräuche des Tyrannenmords zu besichtigen. Scheinbar. Über „Vogelfreiheit“ im sowjetisch-amerikanischen Regime-Change-Glossar (Malta-Ausgabe: Dezember 1989)
von Vasile V. Poenaru

82 Kurz lesen, lang nachdenken
Der tragbare Gedanke 68
von Marc Hieronimus (hi), Bernhard Horwatitsch (bh), Jean-Baptiste O’Lebigmac (ol) und Wolfgang Schröder (ws)

85 Kein Schwein interessiert’s
Viehlosovieh: Schwein
von Marc Hieronimus

87 Literaturstreit
Muss man Handke lesen?
Der Lichtwolf hat zwei führende Experten gebeten, den Streit um einen diesjährigen Literatur-Nobelpreisträger zu entscheiden.

88 Rezensionen in < 800 Z.
Kurz & Klein 68
von Bdolf (bd), Michael Helming (mh), Marc Hieronimus (hi), Martin Köhler (mk) und Timotheus Schneidegger (ts)

90 Lebende & Leichen: Richard Weiner (1884–1937)
Kälte, Krieg und Klopforakel
Nicht nur Tote sind in seinen Texten zuweilen anders als die anderen. Richard Weiner stellt innerhalb der böhmischen Avantgarde einen phantasmagorischen Sonderfall dar. Dreimal musste er zum Militär und das dritte Mal war offenbar nervenaufreibend.
von Michael Helming

99 Sentenzen für die Latrinentür
Pro Domo et Mundo 68
von Michael Helming (mh), Marc Hieronimus (hi), Bernhard Horwatitsch (bh) und Wolfgang Schröder (ws)

100 Autoren & Illustratoren

U1 Titelblatt von Georg Frost