Abgeliefert, ausgeliefert.

Lichtwolf und catware.net Verlag verhalten sich zu Amazon.

von Timotheus Schneidegger, 20.02.2013, 09:42 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

 

Der Kommandoton, in dem Amazon vor Weihnachten seine Lieferanten auf Linie brachte, hätte einen schon auf die Idee bringen können, hier ginge es um Geld:

„Zudem möchten wir Sie an dieser Stelle bitten, im umsatzstarken Weihnachtsgeschäft noch einmal mehr darauf zu achten, dass Sie alle Anlieferrichtlinien einhalten. […] Hier finden Sie noch einmal die wichtigsten Gründe, die zu einer Annahmeverweigerung führen; weitere Details entnehmen Sie bitte dem Vendor Manual im Vendor Central Ressourcenzentrum. Bitte geben Sie diese Informationen auch an Ihre Spedition weiter.“

 

Natürlich hat der Kunde nie mit Amazons Lieferanten – den Verlagen, Labels, Softwareschmieden, Sweat Shops usw. – zu tun. Wenn er seine Bestellung nicht übermorgen kriegt, sondern erst drei Tage später, ist er auf den einbrüstigen Onlinehändler sauer – auch wenn es der Lieferant war, der gepennt hat, im Urlaub oder krank war. Kein Wunder also, dass Amazon seinen Geschäftspartnern gerade vor Weihnachten Beine macht, als seien sie Angestellte.

Derer wiederum gibt es nicht gar so viel, jedenfalls wenn man nur die in unbefristeten, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen als Angestellte versteht. Vergangene Woche lief in der ARD eine Doku über Amazon, von der inzwischen auch diejenigen etwas mitbekommen haben sollten, die noch nie ein Buch in der Hand hatten. Reporter des HR berichteten über Leiharbeiter im Amazonlager Bad Hersfeld, die unter fragwürdigen Umständen im Ausland für das Weihnachtsgeschäft angeworben und von einem noch fragwürdigeren Sicherheitsdienst namens H.E.S.S. bewacht wurden. „Lager“ klingt in dem Zusammenhang suboptimal, sagen wir lieber: „Logistikzentrum“.

Sogar die New York Times berichtet inzwischen über die Empörung, die die Doku in Deutschland ausgelöst hat.

Wir kennen das Zwischenlager in Bad Hersfeld, denn es ist dasjenige, an das wir die Lichtwolf-Ausgaben und die Bücher unseres catware.net Verlags schicken, die via Amazon vertrieben werden. Das war ökologisch gesehen schon immer recht kitzlig, obschon wir im Verlagswesen, für dessen gedruckte Titel Bäume gefällt und Gewässer verschmutzt werden und für dessen E-Books Kohle- und Atomkraftwerke laufen, den grünen Ball flachzuhalten geneigt sind.

Wenn jemand was von uns bei Amazon kauft, fordert der Konzern hier Nachschub an. Gefühlt macht jede Ausgabe und jedes Buch einen Umweg über Hessen. Wenn ein Freiburger den Lichtwolf-Jubiläumsband bestellt, bietet sich Bad Hersfeld als Zwischenstation auf dem Weg vom Verlagslager an der Nordsee in den Südwesten noch an. Der Verlag hat aber auch Regionaltitel. Wenn jemand zwei Kilometer vom Verlagssitz entfernt so einen Titel bei Amazon bestellt, schicken wir das Teil nach Hessen, wo es ausgepackt, eingepackt und wieder nach Ostfriesland gefahren wird. Wunderbare Warenwelt.

Amazon ist nicht zuletzt wegen seiner Kulanz so groß geworden. Wenn dem Kunden etwas nicht gefällt, nimmt der Konzern es umstandslos wieder zurück, weil er dem Hersteller die angegrabbelte Ware vor die Füße schmeißen kann. Ein Prinzip, auf das auch Schuh- und Klamottenversender Zalando setzt. Lange Zeit konnte ich gar nicht verstehen, wie man Schuhe und Klamotten übers Internet kaufen soll, wo man das Zeug weder in echt sehen noch anprobieren kann. Kein Problem, so ließ ich mir erklären: Man bestellt, was gefällt, lässt sich den Kram liefern, probiert zu Hause an, und was doch nicht gefällt, wird wieder zurückgeschickt. Die bequeme Konsumfreude bleibt ungetrübt von Benzinpreisanstieg und Sorge ums Klima, schließlich hat man sich ja die Autofahrt zum Schuhladen oder zur Boutique gespart. [Sic!]

 

Der catware.net Verlag lässt seine Titel nicht mehr über Amazon ausliefern.

Kündigungsbestätigung aus Textbausteinen und Michail Bakunin, vermutlich während seines Italienaufenthalts Mitte der 1860er. (Koroesu, Wikipedia, PD)

 

Der Heidelberger Germanist Roland Reuß wäre wohl gern der Silver Surfer der Turinggalaxie, tut sich jedenfalls seit einiger Zeit als eifrigster Fürsprecher des status quo ante in Sachen Internet hervor. Mit dem Heidelberger Appell wehrte er sich weiland gegen Google Books und Open Access. Wer es vorzieht, dass Wissenschaftsverlage den Universitäten ihre eigenen, öffentlich finanzierten Forschungsergebnisse teuer verkaufen, beklagt in seiner Freizeit umso vehementer die Zerstörung des kleinen Buchladens durch E-Books und Amazon. Verwunderlich ist an Reußens Artikel nur die Bemerkung, Verlage verdienten „mit Amazon so gut“ und man höre „fast nur Lob in der Branche“.

Vielleicht hat Reuß nur mit Leuten zu tun, die keine Auflage unter 10.000 Stück machen. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass seine Gesprächspartner Punkt 14 von Amazons Teilnahmebedingungen verinnerlicht haben, wonach Konditionen und Umsätze im Rahmen der Zusammenarbeit mit Amazon vertraulich zu behandeln sind. Ausdrücklich darf man sie nicht in „Pressemitteilungen oder andere öffentliche Verlautbarungen in Verbindung mit dem Programm“ aufnehmen oder „in positiver oder negativer Form über die Geschäftsbeziehung mit uns Auskunft“ geben.

Schwer vorstellbar, dass sich Verlage in positiver Form über die Geschäftsbeziehungen mit Amazon äußern würden, wenn sie denn dürften. Andererseits sind die Bedingungen, die Amazon seinen Lieferanten vorgibt, ein offenes Geheimnis und gehören ebenso zur Verlegerfolklore wie der gute alte Branchenwitz, wonach der schnellste Weg, Millionär zu werden, sei, als Milliardär einen Verlag zu gründen. Noch schneller geht es freilich, wenn man seine Bücher via Amazon vertreibt.

Nehmen wir als Beispiel Michael Helmings erzählendes Sachbuch „Leichen treppauf„, das sich seit seiner Veröffentlichung im April 2011 stetig verkauft – direkt bei uns sowie über Amazon. Was bleibt da übrig?

Vom Preis eines Buches gehen 7 % als Mehrwertsteuer an Vadder Staat. Amazon verlangt 50 % Rabatt, weitere 5 % für „Lagerhaltung“ und zieht noch einmal – wenn sich der Onlinehändler denn entscheidet, mal nach den 60 Tagen zu überweisen, die er sich als Zahlungsfrist genehmigt – 2 % Skonto. (Ohne Abzug wird erst 90 Tage nach Ende des Abrechnungsmonats überwiesen. Genau: ein Vierteljahr.)

Von den ungefähren 36 %, die dem Verlag von dem bleiben, was vom Kunden an Amazon für sein Buch bezahlt worden ist, müsste er Druckkosten und Honorare bestreiten. Im Falle von Helmings Büchlein blieben dafür noch 2,45 Euro, die allerdings erst dann rüberkämen, wenn das Buch für 1,00 Euro Büchersendungsporto nach Bad Hersfeld und die Rechnung für 0,75 Euro an Amazons Buchhaltung geschickt wird, die neuerdings von Luxemburg nach Großbritannien umgezogen ist. Faktisch blieben also noch 70 Cent übrig, was für die Umsatzbeteiligung des Autors ausreicht, während der Verlag auf den Druckkosten und der jährlichen Teilnahmegebühr sitzen bleibt.

 

Wer den Lichtwolf kennt, weiß, dass hier noch nie ökonomisch kalkuliert wurde, und wenn doch, dann bei wenig klarem Verstand. Es gibt jedoch (für jeden Verlag!) gute Gründe, es in Kauf zu nehmen [sic!], durch das Verkaufen von Büchern über Amazon Verlust zu machen. Einen irrationalen: Wer dort eine Lichtwolf-Ausgabe bestellt hat, ordert hier vielleicht ein Abo. Und einen rationalen, der so ökonomisch ist, dass er schon wieder irrational wirkt: Opportunitätskosten. Wird ein Buch für 6,80 Euro via Amazon verkauft, macht der Verlag damit etwa 3 Euro Verlust. Wird es nicht verkauft, entstehen Pseudokosten von 6,80 Euro. Anders gesagt: Für ein Buch wenigstens einen Bruchteil der Herstellungskosten wieder reinzukriegen ist besser, als gar nichts dafür zu kriegen. Aus dem gleichen Grund lässt sich ein Buchpreis (jedenfalls bei Auflagen, wie Kleinverlage sie stemmen können) auch kaum mit Rücksicht auf Amazons Rabatte kalkulieren. Helmings Buch müsste über zehn Euro kosten, wenn auch für den Verlag etwas übrig bleiben soll. Allerdings würde niemand für ein schmales Büchlein über zehn Euro bezahlen. (Falls doch: Das gute Stück ist bei Amazon Marketplace „Gebraucht“ für scharf kalkulierte 29 Euro plus Versand zu haben.)

 

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist es immer noch möglich, Bücher (und anderen lebensweltlichen Kram) ohne Amazon zu kaufen bzw. zu verkaufen. Ein paar Buchhandlungen sind noch übrig und jeder Verlag hat einen Internetauftritt, der es, wenn schon nicht mit Onlineshop ausgestattet, doch wenigstens via E-Mail-Kontakt möglich macht, ein Buch direkt beim Verlag zu bestellen. (Machen Sie einem Kleinverlag ruhig häufiger mal die – im Ernst und Angesicht obiger Rabattzustände: geradezu rauschhafte – Freude.)

Es ist genauso möglich, ohne Parteibuch Bundeskanzler zu werden. Bücher der Verlage, die sich Amazons Bedingungen nicht fügen können oder wollen, sind beim Onlinehändler zu finden mit dem unschönen Zusatz „Derzeit nicht verfügbar.“, mitunter verschärft: „Ob und wann dieser Artikel wieder vorrätig sein wird, ist unbekannt.“ Es gibt sogar gestandene Buchhändler, die solchen Angaben bei Amazon mehr Glauben schenken als dem VLB (Verzeichnis Lieferbarer Bücher) und nie auf die Idee kämen, sich via Suchmaschine zum Internetauftritt des Verlags durchzuhangeln, der ja am besten weiß, ob und welche seiner Bücher „verfügbar“ sind.

Der Zürcher Diogenes Verlag hatte 2004 aus Ärger und Frust über Amazons Rabattdiktat die Zusammenarbeit gekündigt und sich „auslisten“ lassen. Dann kamen wohl die Opportunitätskosten. Knapp ein halbes Jahr später kehrte Diogenes in das Programm zurück, die Reichsacht des einbrüstigen Versandriesen über die Bücher des Verlags wurde aufgehoben. („Ihre Teilnahme am Programm hat Einfluss auf den Verfügbarkeitsstatus Ihrer Titel in unserem Katalog“, heißt es so nüchtern wie korrekt in den Teilnahmebedingungen.)

 

Dabei kommt man als Verlag bei Amazon noch ganz gut weg. Das Buchpreisbindungsgesetz verhindert, dass Amazon – wie mit den Preisen nahezu aller übrigen Artikel dort – andere Onlinehändler gnadenlos unterbietet und die Kosten dieses Verdrängungswettbewerbs bei seinen Lieferanten ablädt. („Hinsichtlich unseres Kaufpreisanspruchs gegen unseren Kunden oder unseres Erlöses aus dem Verkauf Ihrer Titel stehen Ihnen keine Rechte zu“, Amazon locuta, causa finita.) Das Buchpreisbindungsgesetz sollte das verhindern, doch abermals Roland Reuß wies gestern Abend im Deutschlandfunk (MP3-Mitschnitt) darauf hin, dass Frank Schirrmachers Spieltheorieschwarte schon einen Tag nach dem Erscheinungstermin bei Amazon Marketplace „Gebraucht – Wie neu – in Schutzfolie“ für 50 Cent weniger zu haben ist. Im bereits verlinkten FAZ-Artikel vermutete Reuß, Amazon nähere sich nach dem Aufkauf des guten alten ZVAB „seinem strategischen Ziel, die Buchpreisbindung zu kippen“, auf dem Umweg durchs Antiquariat. Der manchmal allerdings – Stichwort 29 Euro – einen seltsamen Verlauf nimmt.

 

Bücher billiger bei Amazon? Klar.

Scharf kalkuliert: Das Online-Antiquariat als Weg, die Buchpreisbindung zu unterlaufen.

 

Es gibt also nicht erst seit vergangener Woche viel zu beklagen über den „Luxemburger Steuerumgehungskonzern“ (Reuß), der wie seine Geschwister Apple, Google, Facebook, Microsoft usw. den globalen Wettbewerb der Fiskalautoritäten in einer Weise ausnutzt, dass die multinationale Gewinnschieberei sogar Thema des kürzlichen G20-Treffens war. Der Ärger der Finanzminister über die legale Steuervermeidung der Konzerne ist so fadenscheinig wie der von Ursula von der Leyen über die Arbeitsbedingungen für Amazons Leiharbeiter; als hätte das Bundesarbeitsministerium, dem sie vorsteht, überhaupt nichts zu tun mit den arbeitsmarktpolitischen Rahmenbedingungen, innerhalb derer kasernierte Lohnsklaven möglich sind, und die ohne ARD-Doku als „Jobmotor“ gefeiert würden. Die Shareholder – das sind neben Banken die altersvorsorgende Mittelschicht – wollen Unternehmen, die Rendite und Dividende abwerfen anstatt sich nach Kräften an der Finanzierung der Gemeinwesen zu beteiligen, in denen sie Umsatz machen. Soll man Amazon dafür schelten, sich in der herrschenden Ordnung so zu verhalten, wie es einem Konzern – dessen Jahresumsatz das Bruttoinlandsprodukt des EU-Mitglieds Litauen übersteigt – möglich und notwendig ist? Und wäre es anders, dann mit Blick auf die Leiharbeiter immer noch so, wie es Michail Bakunin dem Kapitalisten in den Mund legt:

„Wißt, daß ich euch den minimalsten Lohn zahle, den längsten Arbeitstag und die strengsten, schwersten Arbeitsbedingungen vorschreiben werde; nicht etwa aus Bosheit — ich habe ja ebensowenig Grund, euch zu hassen als euch Leiden zuzufügen — sondern aus Berechnung, um mich auf dem schnellsten Wege zu bereichern, denn je weniger ich euch zahle, und je mehr ihr arbeitet, desto größeren Nutzen habe ich.“

 

 

Wir hätten es nicht nur ahnen können, wir wissen es doch längst. Kein Verleger wurde gezwungen, seine Bücher via Amazon anzubieten, jeder hat es aus Erwägungen wie den oben skizzierten getan. Wir schimpfen auf den Falschen, nämlich Amazon, statt auf uns, die wir uns murrend in die Alternativlosigkeit begeben, die so von einer scheinbaren zur tatsächlichen wird. Schimpfen könnten wir auch auf uns statt auf Amazon, weil es nun einmal so bequem ist, dort einzukaufen, obwohl wir wissen, wer den Preis dafür bezahlt; schimpfen mit uns vor allem, weil uns die Gewissheit schmeichelt, dass Amazon vor gar nichts zurückschrecken würde, um uns ein gutes Gefühl beim Onlineshoppen zu geben. Schon im vergangenen November berichtete die ZEIT über die Arbeitsbedingungen bei Amazon, insbesondere die geschickte Ausnutzung vermeintlicher Eingliederungsmaßnahmen. Dank derer halfen Tausende erstmal in Amazons Logistikzentren aus, wurden aber aus öffentlichen Mitteln bezahlt; die Jobcenter reagierten und Amazon musste sich nach Alternativen umsehen: Die im ZEIT-Artikel am Rande erwähnten Feriendorfunterkünfte für ausländische Leiharbeiter sind die, die vorige Woche in der ARD-Doku zu sehen waren. Trotzdem schicken wir weiter Paketdienstleister hin und her. Noch schneller, noch billiger muss es sein und da also beim Benzin, weil es womöglich Kinder und eine Würde hat, nicht gespart werden kann, muss das Personal bluten, hier wie dort. Das Problem ist nicht Amazon, sondern die Gesellschaftsordnung, die das möglich und notwendig macht. Sie wird nicht bloß von der Bundesarbeitsministerin, sondern von jedem Einzelnen durch sein Verhalten gestaltet.

 

Die Sozialverbände ventilieren ihre Besorgnis, die Gewerkschaften sind machtlos, der Buchhandel sieht sich Amazon ähnlich ausgeliefert wie die Leiharbeiter, auch wenn weder Buchhändler noch Verleger während der Arbeitszeit 20 km zu Fuß zurücklegen oder nach Feierabend von mutmaßlichen Neonazis bewacht werden. Die Kundschaft dagegen ist zufrieden, tobt noch ein wenig auf Amazons Facebook-Seite. Es spräche einiges dafür, im „datengestützten Zynismus“ (Der darum etwa gerechtfertigt sein soll?) zu seufzen: „Die Aufregung bringt doch eh nix!

Ein bisschen bringt sie halt doch, auch wenn sich in einer Woche erfahrungsgemäß kaum einer noch dran erinnern wird, worum es eigentlich ging. Amazon hat die Zusammenarbeit mit der Leiharbeitsfirma und dem Sicherheitsdienst beendet, die für die in der ARD-Doku gezeigten unhaltbaren Bedingungen verantwortlich gemacht werden.

Mit André Thiele und Christoph Schroer haben dagegen bereits zwei Verleger die Zusammenarbeit mit Amazon gekündigt. Sie machen in ihren „Kündigungsschreiben“ deutlich, dass mit der Berichterstattung über die Leiharbeiter bei Amazon das Fass übergelaufen ist. Weitere werden vielleicht folgen – vermutlich weitere Kleinverlage, die damit noch leichter zu übersehen sein werden. Dabei hatten wir uns mit Amazon eingelassen, um diesem Schicksal zu entgehen.

Am Montag hat auch unser hochgeschätzter catware.net Verlag dem einbrüstigen Onlinehändler mitgeteilt, dass ihm die weitere Zusammenarbeit ökonomisch und moralisch „nicht mehr erträglich“ ist. Der Gedanke, dass in Bad Hersfeld ausländische Leiharbeiter von Glatzen in Thor-Steinar-Klamotten darauf kontrolliert werden, ob sie einen Lichtwolf (oder ein Brötchen) mitgehen lassen oder mit der Presse sprechen, ist dann doch zu viel.

Am gestrigen Dienstag kam die Kündigungsbestätigung, die aus Textbausteinen ohne Bezug zur Begründung unserer Entscheidung zusammengesetzt war. Amazon beehrt sich jedoch daran zu erinnern, dass es nicht so leicht ist, ausgelistet zu werden. Noch bis zum 18. März müssen wir weiter das tun, was die FDP seit langem erfolglos versucht: liefern, und zwar Nachschub; nämlich wenn irgendein Spaßvogel jetzt noch auf die Idee kommt, einen Lichtwolf da zu bestellen statt hier im Einkaufszentrum. (Wehe!) Auch nach Ablauf dieser Frist wird es weiterhin Lichtwölfe und Bücher von catware.net bei Amazon geben, denn man behält sich dort vor, ob und wann noch lagernde Artikel an uns zurückgeschickt oder weiter abverkauft werden. Ein Hoch auf die Freiheit des Unternehmertums, der Märkte und Verträge!

 

P.S.:
Und die E-Books? Die bieten wir auch weiterhin für Amazon Kindle an. Schließlich werden sie nicht in Bad Hersfeld oder einem anderen Logistikzentrum gelagert. Dies trotz gewaltiger Boykottlust als Service für diejenigen unserer Leserinnen und Leser, die sich ein(en?) Kindle eingefangen haben und glauben, eh nichts machen zu können, weil sie oder er nun einmal auf dieses Gerät und damit auf Amazon festgelegt sei. (Es gibt übrigens ergoogelbare Wege, die Inhalte des Lesegeräts vor dem langen Arm des Onlineriesen in Sicherheit zu bringen.)
Allen anderen sei zu den mannigfachen Alternativen geraten, die auf das offene .epub-Format setzen, bei dem man tatsächlich ein E-Book als Datei erwirbt statt einer jederzeit widerrufbaren Lizenz, in das E-Book reinzugucken. Alle unsere E-Books gibt es weiterhin auch im .epub-Format, das mehr denn je empfohlen sei (und auch auf ein Kindle überspielt werden kann).

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