Aus dem Leben eines Kleinsemesters

von Selma von Canterbury, 28.06.2003, 17:31 Uhr (Dunkles Zeitalter)

Da sind wir nun, die letzten Rätsel dieser Welt zu lösen. Und wenn uns überhaupt irgendetwas verbindet, so ist es dieser ganz spezielle Ort, den wir gewählt, aus welchen unergründlichen Tiefen auch immer, da sind wir nun etwas aus unserem Leben herauszukitzeln von dessen Existenzen, die in uns schlummern, wir noch nicht einmal ahnen.

Logik, EPG und die antiken Sprachgewandtheiten, all dies wartet nur darauf verstanden zu werden. Wir saugen es willig in uns auf, sind überzeugt von all den herausragenden Theorien, glauben die Welt verstanden zu haben. Ich zitiere eine emeritierte Dozentin: “Wenn Sie glauben, nichts mehr zu verstehen, kommen sie zu mir. Und wenn Sie glauben, alles verstanden zu haben, dann kommen Sie erst recht zu mir.”

Nun ja, jetzt sind wir drin, stecken in der Materie, reiben uns, wie auch immer an all den großen Gedanken dieser Welt. Und es sind nicht nur die Vorlesungen und Seminare, die uns ein Philosophieren näher bringen, sondern auch das Geschehen außerhalb dieser künstlich-zusammengebauten Welt. Es sind die Kneipenschlager, die kurzen Zusammenkünfte zwischen KG IV und Aristoteles und vielleicht auch ab und an ein Dinner in der Mensa Hochschulallee. Genau dort beugt sich manchmal ein kleines Ausrufezeichen über unser Haupt, so unverhofft, daß wir Glück haben, überhaupt, so dann und wann, etwas davon mitzubekommen.

Und da kommt sie nun, die große Frage nach dem Sinn überhaupt. Wie oft nun, will mans schmeißen, wie oft der Satz auf den Lippen: “Wozu das Ganze überhaupt?” (Ich bitte um Verzeihung des zu umgangssprachlichen Ausdrucks!)

Da sieht man nun die heranreifenden großen Geister, ist beeindruckt von den bücherverschlingenden Wesen, die die Show schmeißen, doch ist’s wie überall nur eine Komödie, Marionetten, die ihr Tanzbein schwingen, Zitierungen im Walzertakt.

Was Philosophie sei?

Darüber entscheidet ein jeder, der nicht dem Wahn verfallen ist. Wenn man nun in dem großen Schlamassel steckt, sei gewiß, daß es so schnell kein Entkommen gibt.

Für den Rest eines irdischen Daseins heißts nun: auf jede Antwort – mit zehn neuen Fragen konfrontiert zu sein. An manchen verzweifelt man, verbringt die ein oder andere Nacht bei Zigaretten und Bier und Kant läßt immer noch auf sich warten.

Und manche bringen die Antwort scheinbar gleich mit sich. Doch bitte ich um Aufmerksamkeit, es scheint einfach so menschlich dem Trugschluß verfallen zu sein, die Klarheit für sich zu beanspruchen.

“Humanum errare est!”

Ein Jubel auf die immerwährende Menschlichkeit.

Meiner Weisheit letzter Schluß:

Geht tanzen und lauscht ein wenig dem Klang der Philosophie.

Denn es wird verklingen und nichts weiter sein

als ein lang-vergangenes Amüsement.


Dieser Text ist die unveränderte Fassung des Beitrags „Aus dem Leben eines Kleinsemesters“ aus LW5-8.


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