Lichtwolf Nr. 43 („Bürgerpflicht“)

7,80 

Was ist, was soll der Bürger? Bürgerpflicht wird anschaulich gemacht und bedacht u.a. mit Fichte, Stirner, Schweijk, Friedrich II., Georg Seeßlen, Žižek, Sloterdijks Steuerberater und natürlich Kant. 100 reichlich illustrierte Seiten DIN A4 zum alljährlichen Deutschen Herbst.

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Beschreibung

Was ist, was soll der Bürger? Noch dazu in der Postdemokratie, wo er nur noch als überwachtes Mittel zum Wirtschaftswachstum taugt?

Nach einer Einleitung über die Citoyenne und Bourgeoise in uns allen ist es beim Titelthema Bürgerpflicht notwendig, nicht allein Bdolfs Propädeutikum und Prolegomena voranzustellen, sondern eben auch Immanuel Kants entscheidende Stelle über die Imperative. Sodann erwägt Michael Helming, was Mauthner, vor allem aber Fichte und Stirner vom Bürger verlangen (alles bzw. nichts). Johannes Witek erzählt dann von den körperlichen Symptomen vorbildlicher Bürgerlichkeit (Erythrophobie) und Marc Hieronimus zählt „Dinge mit F“ auf, die den Bürger der neuen Gesellschaft ausmachen. Tristan V. Katzenellenbogen rätselt (mit Schreibmaschine), wie er seiner Pflicht zur Mülltrennung nachkommen soll, wenn er nicht weiß, was Verbundstoffe sind. Unser Mann in Kanada, Vasile V. Poenaru berichtet, wie dort Ehrbarkeit und Anstand in einem hochrangigen Untreueskandal aussehen; und Tina Wirtz hat schon vor der Wahl die Dankesrede der Kanzlerin zur Klage der Nation fertig. Bewusster, ethischer oder auch bloß fairer Konsum hat schon Pflichtcharakter in aufgeklärteren Kreisen, denen das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus mit Slavoj Žižek auseinandersetzt, wie Ethik und Kapitalismus zusammenkommen. Eher enttäuscht vom Ist und Soll rekapituliert Timotheus Schneidegger die Steuerdebatte, die Peter Sloterdijk und Axel Honneth anno 2009 im Feuilleton austrugen. Wolfgang Schröder wird wieder grundsätzlich und befragt Adolf Eichmann und die Weltliteratur über Pflicht und Eigeninitiative, Gehorsam und Widerstand. Bdolf erzählt vom Pflichtbewusstsein von Insassen eines unbekannten Lagers, ehe Georg Seeßlen über Macht, Übermacht und Ohnmacht angesichts der sich entfaltenden Postdemokratie schreibt. Von der Bürgerpflicht, ein überwachbares Leben zu führen, erzählt Johannes Witek in „Transparenz“ und Stefan Rode hat in germanistischen Archiven ausgegraben, was Nibelungentreue eigentlich und vorgeblich ist und warum sie nicht zum Nationalmythos taugt. Noch militanter wird es auf der Kinderseite Lichtwelpe, wo Georg Frost die Zuschrift der 11-jährigen Maike-Fee beantwortet, die trotz bzw. wegen Zivilklausel und Aussetzung der Wehrpflicht Deutschland in Uniform dienen möchte. Schließlich denkt Schneidegger darüber nach, wie sich Bürger und Pflichtbewusstsein in der Zeit von Friedrich II. und Kant bis zu Hans-Peter Friedrich und PRISM verändert haben. Die größte Bratwurst der Welt beschließt das Titelthema, indem fünf Autoren und Willibald Alexis ihren Senf dazu abgeben, wann Ruhe erste Bürgerpflicht ist.

Tobias Stenzel hat sich im hinteren Heftteil einiges vorgenommen und denkt über den Tod in Punk- und Nazi-Musik, den Gröfaz, Jeff Hannemann und SPEX-Artikel nach. Eine neue Reihe begründet Marc Hieronimus mit zwei modernen Ultrakurzmärchen (vom Montessoriprinzen und vom Wohnberechtigungsschein), dann folgen die Feuilleton-Rückschau auf das Gerede vom Sommer sowie Rezensionen in unter 800 Zeichen. Abermals Marc Hieronimus denkt dann über Geschichte nach – als persönliche Biographie, als Erzählung, als Gegenstand des Historikers, als verhängnisvolles Schulfach und Schlüssel zur Zukunft. Einen Horrorschocker für Hebelleser liefert Bdolf mit dem „Bluthegel“ ab und Kirchenconnaisseur Michael Helming sieht Gott (mit Ernst Jünger) weniger tot denn als Museumsdirektor und Kunstmäzen höchst rührig. Dann gibt es noch einige Sinnsprüche Pro Domo et Mundo, das Text gewordene Gruppenphoto am Ende des Hefts sowie ein superspannendes Impressum.

 

Diese Ausgabe enthält außerdem Reklame für den Jubiläumsband, die E-Book-Reihen Le chat sans papier sowie Lichtwolf Short Circuits, vor allem aber zwei sehr gute Anzeigen für die sehr gute Zeitschrift des Salonkommunismus Pareidolia.

Insgesamt kann der gute Bürger es nicht nur kaufen, er soll es kaufen wollen (und das auch tun).

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