Links der Woche, rechts der Welt 02/21

Die Hirnpest des Rechtsradikalismus

Die Polarisierung der USA entlud sich diese Woche in der bizarren Erstürmung des Kapitols durch Trump-Anhänger, wie Andreas Busche im Tagesspiegel kommentiert und fragt, wer in den USA eigentlich noch der Souverän ist. Thomas Assheuer zeigt sich in der ZEIT nicht überrascht, denn die gedankliche Munition für den libertär-rechtsradikalen Umsturzversuch haben Konservative seit 2016 aufgehäuft, wie sein Blick in einschlägige Schriften der „Claremonsters“ zeigt. Serien wie „The West Wing“ und „House of Cards“ hätten auf die Ereignisse nicht vorbereitet, denn der Mob kam darin nie vor, wie die FAZ kommentiert.

Teilnehmer der Erstürmung vor dem Kapitol in Washington DC am 6. Januar 2021. (Photo: Von Tyler Merbler from USA – Overall, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=98637534)

Rassisten sind immer die anderen: Hito Steyerl und Mark Terkessidis ermahnen Deutschland in der ZEIT, sich nach NSU, Halle und Hanau erstmal auf den Postkolonialismus hierzulande zu konzentrieren. Der ungarisch-amerikanische Investor und Popper-Schüler George Soros steht im Zentrum diverser antisemitischer Verschwörungstheorien; Emily Tamkin hat ihm und seinem tatsächlichen Einfluss ein Buch gewidmet, das in der FAZ besprochen wird.

 

Philosophie im Grünen

Der Standard unterhält sich mit Eva von Redecker über moderne Protestbewegungen und Solidarität im Angesicht der bevorstehenden Apokalypse. Auch ohne diese wäre die Natur nicht immer nett zu uns, weshalb der Freitag ein A bis Z der Naturhasser zusammengestellt hat: von Allergien über Stubenhocker bis Žižek.

Auch die Philosophie ist Teil des Klimaschutzes, weshalb die FAZ zwei Bücher zum Thema von Bernward Gesang und Johannes Müller-Salo vorstellt: Das eine macht sich mit utilitaristischer Ethik und Fantasy nützlich, das andere betreibt eher eine Sprachphilosophie des Klimaschutzes.

In dieser Sache wie in der Corona-Krise zeigt sich deutlich denn je, dass auch das Nichthandeln eine ethische Frage ist, wie Hannes Bajohr im Tagesspiegel mit Judith Shklar ausführt. Olivia Mitscherlich-Schönherr äußert sich in der FR zu einer der schwierigsten Fragen, die die Pandemie stellt, nämlich das einsame Sterben bei Besuchsverboten, die für sie die Menschenwürde bedrohen.

Langsam setzt sich der Trend fort: Nach dem FAZ-Fuchs letztens beschäftigt sich nun die taz mit dem Kranich, den Michael Helming in LW70 als Viehlosovieh portraitiert hat. Während dieser sich mit seinem (des Kranichs!) Tanzfimmel beschäftigte, konzentriert sich die taz mit dessen Lauten und Migrationsstatus.

 

Erzählen und Verzeihen

Die FAZ stellt einen Band mit Erzählungen von Susan Sontag („Wie wir jetzt leben“) vor. Zu seinem 100. Geburtstag bekommt Friedrich Dürrenmatt heute eine Lange Nacht im DLF und Susanne Boshammer und Jürgen Wiebicke sprechen im Philosophischen Radio des WDR 5 übers Verzeihen. Und rechtsphilosophische Fernsehfreunde hatten diese Woche was zu diskutieren über Ferdinand von Schirachs „Feinde“, worin das Folterverbot relativiert wurde, wie Telepolis bemerkt. (Mediathek)


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