Links der Woche, rechts der Welt 05/20

Was ist Esoterik und wozu?

Ausgehend von Kants Polemik gegen Emanuel Swedenborg machen sich Rebekka Reinhard und Thomas Vašek in der ZEIT Gedanken über das Verhältnis von Philosophie und Esoterik. Dazu gibt es erstmal eine ordentliche Begriffsklärung, um dann in der Philosophiegeschichte manchen Eso-Kram zu finden – vor allem dann, wenn Vernunft an ihre Grenzen stößt. (25.01.20)

 

Einsam oder allein?

Großbritannien hat ein Einsamkeitsministerium und auch hierzulande wird von einer Epidemie der Einsamkeit geraunt. Christian Wolf schaut für Spektrum, was an der Sache dran ist, und findet in den einschlägigen Studien wenig Stichhaltiges, eher Ermutigendes. (27.01.20)

 

Bürgerkrieg auf den Straßen und allen Kanälen

Ralf Bönt macht sich bei Telepolis Gedanken über toxische Männlichkeit im Weißen Haus und auf deutschen Straßen und über das Leben im Sekundären, das ernsthafte Debatten so schwierig macht. Die all dem zugrunde liegende „Übermännlichkeit“ ist der für die Moderne typischen Abwesenheit der Väter zu verdanken. (28.01.20)

 

Konsumverzicht mit Kim Kardashian

Caroline Rosales polemisiert im ZEIT Magazin anhand erstaunlicher Beispiele gegen den Minimalismus als Lifestyle, mit dem (sowie mit Yoga, Achtsamkeit, Clean-Eating) sich die besseren Kreise in Szene setzen. (30.01.20)

 

Schaut, wie groß mein Apostel ist!

Der Tagesspiegel bringt einen Aeon-Essay, in dem sich Neil Levy mit „Moralapostel“ und „Gutmensch“ als Kampfbegriffen auseinandersetzt. Mit einem Schlenker in die Evolutionsbiologie erweist er zur Schau gestellte Moralität als Signal sozialer Fitness. (31.01.20)

 

Überstehen ist alles

Matthias Sander portraitiert für die NZZ französische Anhänger der „Kollapsologie“, die sich weniger mit der Frage befassen, ob die Klimakatastrophe die Zivilisation zusammenbrechen lassen wird, sondern damit, wie das wohl vor sich geht und überstehbar ist. Die Anreißerzeile „Unter ihnen sind viele schlaue Köpfe.“ klingt enttäuscht. (31.01.20)

 

Machts gut und danke für den Fisch

Großbritannien hat nun also die EU verlassen und das FAZ-Feuilleton stellt zwölf Eigentümlichkeiten des Insel-Empires zusammen, als hätte es den Planeten verlassen: Man werde fürderhin also u.a. Cricket, Gurkensandwiches, Understatement und lustige Sitcoms vermissen. (31.01.20)

 

Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich

Wissenschaftliche, besonders mathematische Fachliteratur gilt nicht als Höhepunkt sprachlicher Kunstfertigkeit. Gabriel S. Zimmerer widerlegt das Vorurteil in der NZZ, indem er in den „Papers“, mit denen Gödel, Turing und Einstein Wissenschaftsgeschichte schrieben, eine eigentümliche Poetik am Werk sieht. (01.02.20)

 

Die eine Welt gibt es nicht

Seit Descartes und Kant wissen wir, dass unsere Birne an der Wirklichkeit mitbastelt, und Anil K. Seth bringt uns bei Spektrum auf den neuesten neurowissenschaftlichen Forschungsstand, was die ständige Konstruktion von individueller Objektivität in jedem Hirnkasten angeht. (01.02.20)

Hund

(Photo: Katrina_S, pixabay.com, CC0)

Bücher

Die NZZ ist begeistert von Philipp Lenhards Biographie Friedrich Pollocks, der als engster Gefährte Horkheimers einiges an Kritischer Theorie möglich machte. +++ David Rousset versuchte mit „L’Univers concentrationnaire“ bereits 1946 eine Sprache zu finden, um den Schrecken der Konzentrationslager zu beschreiben, und die FAZ lobt die deutsche Übersetzung des hierzulande unterschätzten Buchs. +++ Jonathan Franzen hat einen Essay über den Klimaschutz verfasst, der für die Einsicht wirbt, dass wir die Katastrophe nicht mehr verhindern können, und die taz fühlt sich aufgerüttelt.

 

Radio

Im DLF kommt heute die Lange Nacht über Hans Fallada zwischen Abgrund und Welterfolg und morgen geht es bei Essay und Diskurs um die Restitution von Raubkunst. Klima-Moralismus und Enteignung von Mieterkonzernen sind einige der Themen bei Sein und Streit, derweil Ina Schmidt und Jürgen Wiebicke im Philosophischen Radio des WDR 5 über Vergänglichkeit sprechen.

 

Berichte aus der Akademie

Der von Pierre Bourdieu beschriebene Habitus zeigt sich überall, so auch im Essverhalten von Grundschulkindern, dem eine Studie gewidmet ist, die sehr schön in der FAZ vorgestellt wird. +++ Bei Spektrum wird die drängende Frage beantwortet, warum nasse Hunde eigentlich so miefen.

 

Die Unordnung der Dinge

Noch nie waren die Zeiger der Weltuntergangsuhr so weit vorgerückt wie heute – und zwar dank Atomwaffen und Klimakatastrophe, ist in der SZ zu lesen. +++ Die FAZ hat einige Kurven zusammengestellt, die auch denen, die keine Ableitungen mehr ausrechnen können, zeigen, dass die Erderwärmung sich beschleunigt. +++ Was heißt „Nie wieder Auschwitz!“ noch nach einem Dreivierteljahrhundert? Georg Meggle macht bei Telepolis die formallogische Rechnung auf.

 

Trotz Philosophie

Ausgiebig ruft die NZZ dem verstorbenen Roger Scruton nach, der ihr noch ein konservativ-altliberaler Denker der „Mitheit“ guter alter Schule war. +++ Die Grenzen der Welt wurden soeben um weitere neue Emojis erweitert, darunter Dodo und Käsefondue, wie die SZ meldet. +++ Was ist was? In seiner Spektrum-Kolumne denkt Matthias Warkus über die Einheit des Doppelbrötchens nach.

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