Links der Woche, rechts der Welt 47/19

Jung blickt nach vorn, Alt zurück.“

Ob ein neuer Generationenkonflikt droht? Das fragen Rebekka Reinhard und Thomas Vašek in der ZEIT und gehen vom Jugendwahn unserer Tage aus, der mit Zukunftsängsten der tatsächlichen Jugend einhergeht. Das verschärft den Gegensatz altersbedingt verschiedener Blickrichtungen. Ok, Boomer. (17.11.19)

 

Antiquarisch ist emanzipatorisch

Quentin Skinner begründete vor 50 Jahren mit einem Aufsatz die Schule von Cambridge, indem er gängige ideengeschichtliche Paradigmen ins Reich der Mythologie verbannte. Alexander Gallus stellt in der FAZ den Aufsatz vor und wie Skinner den Sprechakt in Geschichte und politische Theorie einführte. (17.11.19)

 

Kritik und Selbsterkenntnis als Wissenschaft

Alerta alerta, es ist wieder Zeit, die Geisteswissenschaften zu verteidigen! Markus Gabriel reagiert damit in der NZZ auf Hans Ulrich Gumbrechts Abgesang ebd. Die Geisteswissenschaften fragen als einzige nach dem Menschen in der Welt und werden darum von der illiberalen Internationalen attackiert. (18.11.19)

 

Besser emanzipatorisch leben

Reinhard Jellen unterhält sich bei Telepolis mit Michael Hirsch über seine politische Ethik, die trotz Adorno nach dem richtigen Leben im falschen, also nach Autonomie in einer Welt der Sachzwänge sucht. Das Geheimnis lautet: Solidarität. (21.11.19)

(Photo: ansgarscheffold, pixabay.com, CC0)

Bücher

Man darf die digitale Technik nicht mit dem Wesen der Digitalisierung verwechseln und das ist die Mustererkennung, der Armin Nassehi sein Buch widmet, das in der ZEIT rezensiert wird. +++ Auch die taz bespricht das neue zweibändige Werk von Jürgen Habermas, mit dem er Bilanz seines Denkens einer vernünftigen Freiheit zieht. +++ Die Literaturwissenschaftlerin Susanne Scharnowski hat die Geschichte des Heimatbegriffs erforscht und erklärt im taz-Interview, warum es mit dem Wörtchen noch komplizierter ist als ohnehin schon gedacht. Die FAZ stellt ihr Buch vor, das sich auf die Widersprüche des romantischen Begriffs konzentriert. +++ Stuart Jeffries schildert in seinem Buch „Grand Hotel Abgrund“ die Geschichte der Frankfurter Schule und die ZEIT lobt seinen locker schweifenden Blick, der auch vermeintliche Randfiguren zur Kenntnis nimmt. +++ Ebenfalls angetan ist die ZEIT von Paul Scheffers Buch „Wozu Grenzen?“, weil die besser als Mauern und Zäune sind, die als Ersatz errrichtet werden. +++ Bei Glanz & Elend blickt Wolfgang Bock auf Adornos neu erschienene Texte zu Antisemitismus und autoritärem Charakter. +++ Gruner + Jahr versucht, ans Taschengeld der #FFF-Demonstrant*innen heranzukommen, und zwar mit dem Nachhaltigkeitsmagazin „Brigitte Be Green“, das die ZEIT (aus dem gleichen Hause, aber kritisch genug) vorstellt. +++ Altes Hausmittel: Die NZZ besucht die Zürcher Lesetherapeutin Karin Schneuwly, die Menschen mit Büchern behandelt, also zum Lesen bringt. +++ Bayern wiederum hat seinen einzigen Preis für Kleinverlage abgeschafft, weshalb die taz auf deren prekäre Situation blickt, in der 7.500 Euro auch nicht viel helfen.

 

Radio

Mare Nostrum: Im DLF kommt heute Abend die Lange Nacht über das Mittelmeer. Morgen früh kommt in Essay und Diskurs der dritte Beitrag in der Reihe über das Geld, diesmal geht es um die, die viel davon haben und was damit machen: Mäzene. Wissenschaftskommunikation, Reichtum und Carl Schmitt sind einige der Themen bei Sein und Streit und über das bedingungslose Grundeinkommen sprechen Philip Kovce und Jürgen Wiebicke im Philosophischen Radio des WDR 5.

Es ist wieder #NoNutNovember. Frau Lenk hat schon im Riemenwolf erklärt, was es mit der NoFap-Bewegung auf sich hat, und unterhält sich mit Herrn Meier über dieses seltsame Internetphänomen:

 

Die Unordnung der Dinge

Der Historiker Frank Biess hat sich mit German Angst und Weltuntergangsphantasien beschäftigt und erklärt im ZEIT-Interview, was Klimaschutzbewegung und Rechtspopulismus gemeinsam haben und was sie unterscheidet. In die gleiche Richtung argumentiert im Freitag Sebastian Friedrich, der dort sein „Lexikon der Leistungsgesellschaft“ fortsetzt. +++ In Frankreich krönt Alain Finkielkraut seine Apologie Roman Polanskis mit dem Aufruf, Frauen zu vergewaltigen, und der Tagesspiegel blickt auf den Stand der #meToo-Debatte links des Rheins. +++ Der wegen sexueller Nötigung verurteilte frühere Hochschulrektor Siegfried Mauser wird durch eine Festschrift geehrt, was Patrick Bahners in der FAZ kommentiert. +++ Albrecht Müller erklärt bei Telepolis, wie uns mittels „Wippschaukeleffekt“ vorgemacht wird, wir lebten in einer Demokratie. +++ Claus Leggewie denkt in der taz über das Recht und die Pflicht zum Widerstand im Angesicht völkisch-autoritärer Bewegungen nach.

 

Berichte aus der Akademie

Florian Rötzer beschäftigt sich bei Telepolis mit neuesten Zahlen zur Wahrscheinlichkeit eines Aussterbens der Menschheit. +++ Die FAZ war im Deutschen Historischen Museum, dessen Humboldt-Ausstellung eine „Odyssee im Weltwissensraum“ darstellt. +++ Die Mosse-Lectures an der Berliner Humboldt-Universität beschäftigen sich in diesem Jahr mit „Klassenfragen“ und Andreas Reckwitz sprach zum Auftakt über das Neobürgertum der Postindustrialisierung, wie die FAZ berichtet. +++ Bei ZEIT Campus gibt es eine schick illustrierte Geschichte des studentischen Niederbrüllens aus Protest.

 

Trotz Philosophie

Sven Jacobs geht in Aurich (Moin!) aufs Gymnasium und wundert sich in der FAZ, warum er mit seinem Interesse an Philosophie als Freak gilt und Geisteswissenschaften nicht mehr gefördert werden. +++ In Bordeaux wird das Grab von Michel de Montaigne geöffnet, um, wie die SZ meldet, zu gucken, wer drin liegt. +++ Am Deutschen Theater in Berlin wird „Die Pest“ von Albert Camus gerade als Ein-Personen-Stück gezeigt und die FAZ erklärt, was es zu sehen gibt und warum. +++ Matthias Warkus erklärt in seiner Spektrum-Kolumne, was es mit Zweifel und Skepsis in Philosophie und Alltag auf sich hat. +++ In der NZZ-Reihe „Zürich philosophisch“ unterhalten sich Patrizia Hausheer und Vanessa Sonder diesmal im Planetarium über die Wirklichkeit der Wirklichkeit. +++ Helmut Höge beschäftigt sich auf der Wahrheitsseite der taz weiter mit philosophischen Tieren, also Viehlosovieh, und diesmal ist der Esel dran, der das klügere Pferd und der nettere Hund ist.

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