Links der Woche, rechts der Welt 44/19

Plan B steht für Bremse

In zwei Monaten werden wieder gute Vorsätze fürs nächste Jahr gefasst und Corinna Hartmann versammelt bei Spektrum einige Studien, aus denen sich (zum Teil überraschende) Tipps ableiten lassen, wie man selbst gesteckte Ziele am ehesten erreicht. (24.10.19)

 

Die Logik des Antiantisemitismus

Viele Menschen stellen sich die Frage, die im Titel von Georg Meggles Aufsatz bei Telepolis steht: Genau wann bin ich Antisemit? Meggle ist Beiratsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft und versierter Logiker, weshalb sein definitorischer Ansatz wohl kaum massenkompatibel, aber lesenswert ist. (30.10.19)

 

Die Zensur heißt nun Quote.“

Wird die Meinungs- und Kunstfreiheit eingeschränkt, wenn nur noch veröffentlicht wird, was von Algorithmen als gängig bewertet wird? Dagmar Leupold sorgt sich in der ZEIT, dass quantitative statt qualitative Kriterien maßgeblich dafür werden, was Aufmerksamkeit bekommt und was unsichtbar bleibt. (31.10.19)

 

Das schlagende Herz der Schia

Rainer Hermann war für die FAZ im iranischen Qom unterwegs, dem Zentrum des schiitischen Islams, wo Ayatollah Chomeini studierte, lehrte und die Revolution von 1979 ersann. An der dortigen Universität werden nach wie vor die künftigen Führungskräfte der Islamischen Republik umfassend und klassisch geschult. (01.11.19)

 

Kapitalismus ohne Wachstum

Das Wirtschaftswachstum ist eine Manie der Moderne, wie Kai Kleinwächter bei Telepolis mit vielen Diagrammen an den Beispielen Deutschland und Frankreich zeigt. Bis ins 18. Jahrhundert herrschten stabile Verhältnisse, dann kam der Kapitalismus und Mitte des 21. Jahrhunderts könnte Schluss damit sein. (02.11.19)

(Photo: Pexels, pixabay.com, CC0)

Bücher

Der Verbrecher Verlag hat Erich Mühsams erhaltene Tagebücher ediert und als Buch- sowie als Online-Ausgabe herausgegeben, wovon der Freitag schwer begeistert ist. +++ Bei Glanz & Elend wird ein Sammelband über „Arbeitsverfahren und theoretische Beziehungen Walter Benjamins“ rezensiert. +++ Ausführlich stellt die FR Hans Blumenbergs Nachlassschrift „Die nackte Wahrheit“ vor. +++ Carola Rackete brachte als Kapitänin des Rettungsschiffs „Sea-Watch 3“ trotz eines Verbots der italienischen Regierung 58 gerettete Flüchtlinge in den Hafen von Lampedusa und hat nun ein Buch über Klimaschutz geschrieben; die taz erklärt, wieso. +++ In „Sanierungsgebiete“ beschäftigt sich Enno Stahl mit der Gentrifizierung im Prenzlauer Berg und für den Freitag könnte das geschilderte Ende der 80er Jahre Künstler-Boheme überall spielen. +++ Gedruckte Geburtstage: Nicht ganz unbefangen lobt Jürgen Roth im Freitag die Titanic anlässlich ihres 40. Jahrestags (=es geht nicht ums Schiff), während der Standard der Literaturzeitschrift „Wespennest“ zum 50. Geburtstag gratuliert und u.a. die taz registriert, dass die FAZ Alexander Gauland zur Feier ihres 70-jährigen Bestehens eingeladen hat.

 

Bild und Ton

Die Terminator-Saga wird gerade ohne Rücksicht auf philosophische Verluste rezykliert, doch Rüdiger Suchsland schafft es bei Telepolis, in seiner Besprechung so viel Luhmann, Hegel und Habermas unterzubringen, dass es einen Link gibt; zumal er vollkommen richtig andeutet, man brauche nach „Terminator II“ keinen weiteren Teil zu gucken.

Edgar Reitz ist mit der „Heimat“-Trilogie berühmt geworden und steht heute Abend im Mittelpunkt der Langen Nacht beim DLF, wo es morgen in Essay und Diskurs mit Lukas Bärfuss um die beklagenswerten Verhältnisse in der Schweiz geht. Sport, DDR und Humor sind die morgigen Themen bei Sein und Streit und über das Ende der romantischen Liebe gibt Eva Illouz Auskunft im Philosophischen Radio des WDR 5.

 

Berichte aus der Akademie

Diese Woche wurden bekanntlich die Uhren zurückgestellt und die SZ unterhält sich mit dem Zeitforscher Karlheinz Geißler, der dafür wirbt, den Einfluss der Uhren generell zurückzudrängen. +++ Die Uni Lüneburg ist längst klimaneutral, andere Hochschulen tun sich noch etwas schwer mit der Nachhaltigkeit, wie in der FAZ zu lesen ist. +++ Das Verhalten ärmerer Leute erscheint aus Sicht der Wohlhabenden oft unvernünftig, was aber ein Fehlschluss ist, wie eine Studie zeigt, über die Spektrum berichtet. +++ Wer sein Humankapital optimieren will, muss Wege finden, den digitalen Stress zu bewältigen; die ZEIT rät dazu, weder diesen Slogans zu folgen noch nach dem Staat zu rufen. +++ KI kann Kunst? Die SZ erinnert an Theo Lutz, der bereits 1959 einen Röhrencomputer Gedichte generieren ließ.

 

Die Unordnung der Dinge

Nach der Thüringenwahl muss wieder ganz viel zugehört werden, nämlich den 24 Prozent, die für Faschismus sind, und David Hugendick kann es in der ZEIT nicht mehr hören, während Johannes Schneider nebenan dafür plädiert, endlich die Hufeisentheorie über Bord zu schmeißen und in Leuten, die gegen Nazis sind, die netteren Nachbarn zu entdecken. +++ Die taz blickt auf die Nazi-Rap-Szene, in der mit Volksverhetzung eine Menge Geld gemacht wird. +++ Anlässlich von Halloween denkt Thomas Steinfeld in der SZ über die Popularität des Zombies verglichen mit Geistern und Vampiren nach.

 

Trotz Philosophie

Der Slavoj Žižek hat ein Theaterstück geschrieben, das den Antigone-Mythos aufgreift und der Freitag ist ziemlich atemlos von der Uraufführung. +++ Die taz macht mit Max Weber auf den wichtigen Unterschied zwischen Politik und Wissenschaft in Sachen Normativität des Klimaschutzes aufmerksam. +++ Auch Matthias Warkus fragt in seiner Spektrum-Kolumne, was eine Wissenschaft auszeichnet – das Experimentieren und Beobachten allein kann es nicht sein.

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