Links der Woche, rechts der Welt 14/19

Zeitgemäßes Stammesdenken

Philipp Hübl hat ein Buch über die aufgeregte Gesellschaft geschrieben und denkt in der NZZ über Bullshit und Fake News nach, deren Popularität er sich mit der Bestätigung eines moralischen Weltbilds innerhalb eines Stammesdenkens erklärt, vor dem selbst kritische Köpfe nicht gefeit sind. (28.03.19)

 

Aussagenlogik für alle

Nachdem Josef Honerkamp letzte Woche die aristotelischen Syllogismen erklärt hat, widmet er sich nun der Aussagenlogik und ihrer Formalsprache(n), die seit Frege zu einer eigenen – von vielen Philosophiestudis gefürchteten – Disziplin mit zahllosen Anwendungsgebieten wurde. En passant wird auch sehr anschaulich, was Syntax und Semantik sind. (31.03.19)

 

Die Freiheit schafft den Tod ab

Die NZZ macht keinen Hehl aus ihrer Begeisterung von dem Gesprächspartner, dem René Scheu da atemlos zuhört: Der „Venture Capitalist“ und „Philosoph“ Peter Thiel (vgl. LW65, S. 84) ist vom Silicon Valley, zu dessen Pionieren er gehörte, genervt und erklärt u.a., warum ihn KI und der Tod nicht interessieren und Trump die richtigen Dinge anpackt. (03.04.19)

 

Darf man beim Sterben helfen?

Sterbehilfe ist nicht erst seit gestern eine Herausforderung der Ethik. Jutta Hoffritz schreibt in der ZEIT über die antiken Haltungen zum (assistierten) Suizid, die christlicher Lebenspflicht, dem hippokratischen Eid und den Euthanasie-Morden lange vorausgingen. (03.04.19)

 

Aus Trier in die Weltrevolution

Die Beziehung zwischen Trier und Karl Marx ist einseitig: Marx verließ das Städtchen, sobald es ihm mit 18 möglich war, Trier hat ihm zum 200. Geburtstag eine Statue aus China hingestellt. Die ZEIT bringt einen Merian-Artikel von David Ensikat über Trier und wie es dem berühmtesten Sohn der Stadt dort erging. (04.04.19)

 

Wer’s glaubt, wird selig.

In der Philosophie interessiert man sich für Verschwörungstheorien, wie Max Goetsch in der Freitag-Community berichtet. Allen voran geht es um die Frage, ob Verschwörungstheorien wirklich so irrational sind wie ihr Ruf behauptet, da Leichtgläubigkeit wahrlich keine philosophische Tugend ist. (04.04.19)

 

Aus den Wäldern auf die Lichtungen

Was wird aus den Wäldern, wenn sich die Menschheit in den digitalen Raum verabschiedet? Dieser Frage geht Christoph Quarch (mit Giambattista Vico und Heidegger) in der SZ nach, indem er den mythologischen Wald als Hort der Lebendigkeit erkundet, in den mensch Lichtungen hineinrodet, deren grellste nun der digitale Raum wird. (04.04.19)

 

So klar wie ein Klavier auf den Kopf zu kriegen

Alles ist kompliziert, nur die katastrophalen Folgen unseres Weiterso sind klar wie Kloßbrühe, schreibt Maximilian Probst in der ZEIT. Wo für Zweifel und Ambivalenz kein Platz ist, geraten Aufklärung und demokratische Moderne in eine Krise, deren Lösung die freitäglich demonstrierende Jugend fordert. (05.04.19)

 

Einatmen, ausatmen, entspannen

Yoga und Meditation sind tunliche Techniken zur Bewältigung des spätkapitalistischen Alltags. Corinna Hartmann resümiert bei Spektrum die einschlägigen Studien über den Zusammenhang von Atem und Psyche und wie verblüffend einfach er sich nutzen lässt, um runterzukommen. (05.04.19)

(Photo: Pexels, pixabay.com, CC0)

Bücher

Die WELT bespricht Lothar Müllers „Freuds Dinge“, das Buch über die Apparate und Markenprodukte am Anfang der Psychoanalyse. +++ Frank Biess erzählt eine Geschichte der Bundesrepublik anhand ihrer Ängste und für die SZ ist ihm damit ein großer Wurf gelungen. +++ Soziale Ungleichheit provoziert einen an Identität ausgerichteten Politikstil, der die Demokratie gefährdet, so die These von Francis Fukuyamas Buch, das nun auch in der FAZ mit einiger Skepsis vorgestellt wird. +++ Aus der Niederlagen lernen – nach diesem maoistischen Motto rät Slavoj Žižek in seinem neuen Buch, das im Freitag besprochen wird, Lenin dialektisch aufzuheben. +++ Es gibt die unbedeutendsten Denker, die es nicht gab, und Kulturen der Weltgeschichte, von denen wir kaum etwas wissen. Dieses Bisschen hat der Sprachwissenschaftler Harald Haarmann in einem Buch zusammengetragen, das bei Spektrum vorgestellt wird. +++ Nature Writing gibt es nicht auf Deutsch: Naturbücher sind angesagt, aber der Biologe und Germanist Ludwig Fischer erklärt im Freitag-Interview, wie falsch das Naturverständnis vor allem in den deutschsprachigen Bestsellern ist. +++ Andernorts werden Maschinen immer „intelligenter“, bleiben aber ewig fremd; mit der daraus resultierenden erotischen Spannung beschäftigt sich Sophie Wennerscheid in „Sex Machina“, die FAZ stellt das Buch vor.

 

Radio

Im DLF kommt heute die Lange Nacht der Exotik, morgen denkt Miriam Zeh bei Essay und Diskurs über Text- und Selbstbekenntnisse schonungsloser Essayistinnen nach. Mittags geht es bei Sein und Streit u.a. um Organspenden und Angstpolitik, während sich im Philosophischen Radio des WDR 5 Sabine Döring und Jürgen Wiebicke über Gefühle und Stimmungen in der Politik unterhalten.

 

Aus den Wissenschaften

Der Standard spricht mit Christian Thein darüber, wo digitale Medien im Schulunterricht sinnvoll sind und warum es mehr Philosophie braucht. +++ Was gucken die jungen Leute eigentlich auf Youtube? Die FAZ berichtet über eine Studie, die dieser Frage nachgegangen ist. +++ Der Bundestag will das Psychotherapeutengesetz reformieren und in der FAZ lesen wir von den möglichen Folgen eines geplanten eigenständigen Studiengangs Psychotherapie für das Fach. +++ Eine Rede des Hugo von Hofmannsthal Ende der 1920er gilt als ein Ursprung des Begriffs „Konservative Revolution“; die FAZ weist auf einen Fachartikel hin, der wiederum auf ein bedeutungsschwangeres orthographisches Detail hinweist. +++ Besserwisser und Rechthaber sind nicht nur nervig, sondern oft auch doof, während „intellektuelle Demut“ eine produktive Tugend ist, wie eine Studie belegt, über die Telepolis berichtet. +++ Kaum jemand hat von Johann Friedrich Pfaff (1765–1825) gehört, dabei ist er einer der bedeutendsten Mathematiker Deutschlands, wie Spektrum erklärt.

 

Die Unordnung der Dinge

Der Brexit hält die Welt weiter in Atem, weshalb der Tagesspiegel noch einmal bei Egon Friedell nachgeschlagen hat, was der über die englische Volksseele wusste. +++ „Was ist eigentlich ein Troll?“, fragt die FAZ und findet sachdienliche Hinweise beim Skandinavisten Rudolf Simek, der über Trolle forscht. +++ Bei Telepolis erinnert Ralf Höller an Silvio Gesells Freigeld, das dem zinsbetriebenen Kapitalismus den Garaus machen könnte. +++ Der Tagesspiegel fragt sich, ob ein Interessenskonflikt vorliegt, wenn der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates zugleich einen Beraterkreis für Facebook leitet.

 

Trotz Philosophie

In Österreich läuft gerade ein Volksbegehren zur Einführung eines religionsunabhängigen Ethik-Unterrichts ab der ersten Klasse, wie der Standard meldet. +++ Was es heißt, etwas zu wissen, ist eine philosophische Frage, die beim Thema innere Sicherheit Abgründe auftun kann, wie Detlef zum Winkel bei Telepolis an drei Beispielen zeigt. +++ Muss man den Leuten Angst oder Mut machen, um sie zu den notwendigen Klimaschutzmaßnahmen zu motivieren? Über diese Frage und die praktische Antwort denkt Alexander Mäder in seiner Spektrum-Kolumne nach. +++ Das wöchentliche Gedankenexperiment des Standard fragt dieses Mal: Würden Sie wissen wollen, wann Sie sterben? +++ Die WELT wiederum stellt in ihrer analogen Hirnfutter-Reihe John Rawls’ „Schleier des Nichtwissens“ vor.

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