Links der Woche, rechts der Welt 50/18

Vaterlandsliebe in der Muttersprache

Mit dem schmalen Grat zwischen Patriotismus und Nationalismus beschäftigt sich der SZ-Essay von Markus C. Schulte von Drach. Dazu sammelt er zunächst einmal Begriffsdefinitionen von Politiker*innen, die halbwegs bei Trost sein sollten, und blickt dann von den Ursprüngen im 18. Jahrhundert bis zum blauen Planeten als gemeinsamer Heimat. (10.12.18)

 

Besinnung in Umbruchszeiten

Die Digitalisierung überfordert den homo sapiens, der darum philosophischer Selbstvergewisserung bedarf. Die FR bringt einen Auszug aus dem Buch von Frank E.P. Dievernich, Reiner Frey und Gerd-Dietrich Doeben-Henisch, in dem es genau darum geht und um Meditation als Mittel gegen die Verwertungslogik. (10.12.18)

 

Absolute Beginner

Zwischen Vicky-Leandros-Schlager und „Fest der Liebe“ denkt Paul Jandl in der NZZ über die Liebe nach und dass wir darin stets Anfänger bleiben, bei denen sich allenfalls Routine einstellt. Vielleicht liegt es daran, dass jede Liebe eine auf Probe ist und nur selten ewig währt? (11.12.18)

 

Kein Alkohol ist auch keine Lösung

Steve Ayan unterhält sich bei Spektrum mit der Soziologin Yvonne Niekrenz, die über den rheinischen Straßenkarneval promoviert hat, über Rausch und kollektive Enthemmung als nicht ganz ungefährliches menschliches Bedürfnis. (11.12.18)

 

Grenzen der Meinungsfreiheit

Die Bochumer Ethikprofessorin Maria-Sibylla Lotter ärgert sich bei ZEIT Campus über die Aufregung, die das Seminar ihres Siegener Kollegen Dieter Schönecker auslöst, der mit John Stuart Mill und „kontroversen“ Gastrednern die Grenzen der Meinungsfreiheit erörtern will. (12.12.18)

 

Das Sein und Sollen der Fairness

Hinter John Rawls‘ „Schleier des Unwissens“ entstehen die guten Utopien von gerechten Gesellschaften. Die Elitenforcsherin Julia Friedrichs stellt in der SZ das menschliche Bedürfnis nach Fairness den tatsächlichen Ungerechtigkeiten gegenüber und fragt mit eben Rawls, wie wir uns dazu verhalten wollen. (13.12.18)

 

Die Kunst des Schenkens

Weihnachten rückt immer näher und damit die drängende Frage, was man schenken soll, die von Jahr zu Jahr schwerer zu werden scheint, wie Niels Boeing in der ZEIT bemerkt. Ebendort schreibt er, worauf es beim Schenken ankommt und dass es nicht immer teuer sein muss. (14.12.18)

 

Ausgewischt!

Der Welttoilettentag ist einen Monat her, da fragt sich Philipp Bovermann in der taz, warum man in Deutschland eisern am ökologisch und dermatologisch fragwürdigen Klopapier festhält anstatt sich wie in Fernost nach dem Stuhlgang den Hintern duschen und föhnen zu lassen. (15.12.18)

(Photo: SplitShire, pixabay.com, CC0)

Bücher

Im vierten Band von Michel Foucaults „Sexualität und Wahrheit“ (sowie im kommenden, nicht jugendfreien Lichtwolf) geht es u.a. um den Sex von Adam und Eva; die NZZ erklärt, was sich darin noch an Sexualgeschichte findet. +++ Die ZEIT bespricht Tristan Garcias Essay „Wir“ über kollektive Identitätsfindung in chaotischen Zeiten und Alexander Demandts Biographie des Philosophenkaisers Marc Aurel. +++ Julian Nida-Rümelin plädiert in seinem neuen Buch für einen „epistemischem Realismus“ gegen die szientistische Hybris und den postmodernen Anti-Realismus, was die SZ lobenswert findet.

 

Radio

Der DLF würdigt in der heutigen Langen Nacht über den Großvater des Comic ab 23:05 Uhr Wilhelm Busch und „die philosophische Erkältung“. Auf dem gleichen Sender denkt Dirk Meyhöfer morgen bei Essay und Diskurs über Hochhäuser und Wolkenkratzer nach. Mittags geht es bei Sein und Streit u.a. um Feminismus und das Bauhaus. Über Platon als möglicherweise verkannten Denker unterhalten sich Christoph Quarch und Jürgen Wiebicke im Philosophischen Radio des WDR 5.

 

70 Jahre Menschenrechte

Am 10. Dezember 1948 wurde die allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. Marlene Grunert erklärt in der FAZ, wie es so weit kam, und Gunzelin Schmid Noerr betont in der FR, dass der Missbrauch der Menschenrechte zugunsten von politischen Interessen ihre Notwendigkeit unterstreicht.

 

Robert Spaemann †

Diese Woche ist Robert Spaemann mit 91 Jahren verstorben und die NZZ würdigt ihn als konservativen Denker im französischen Sinne. Die FR ist da etwas skeptischer und erinnert in ihrem Nachruf daran, dass Spaemanns erzkatholischer Abendlandismus ihn trotz seines antitotalitären Gestus für neue Rechte ziemlich attraktiv machte. Das Problem dürfte Martin Mosebach bekannt sein, der vom Katholizismus genauso begeistert ist wie Spaemann und in der SZ einen entsprechend gefärbten Nachruf schreibt. Die FAZ versucht, neutral und doch ehrend auf Spaemanns Leben und ethisches Werk zu blicken.

 

Das Weitere und Engere

Die Unordnung der Dinge: Letzte Woche herrschte Unsicherheit, was man von der „Soko Chemnitz“ des Zentrums für politische Schönheit (ZPS) halten sollte; der Standard unterhält sich mit Cesy Leonard vom ZPS über den Internetpranger und was das denn nun sollte. +++ Gelbe Warnwesten sind Pflicht, hässlich und neuerdings Symbol der Revolte; Jan Kedves macht sich in der SZ modische Gedanken über das reflektierende Kleidungsstück. +++ Rainer Mausfeld erklärt bei Telepolis, wie in der Elitendemokratie gesellschaftliche Veränderungsbedürfnisse durch Manipulation von Meinungen und „Dissensmanagement“ neutralisiert werden.

Trotz Philosophie: Hamburg will den Mathe-Unterricht verbessern, was die SZ-Redaktion zum Anlass nimmt, persönliche, überwiegend negative Erinnerungen an die Schulmathematik herauszukramen. +++ Peter Trawny wundert sich bei Glanz & Elend, warum den großen Philosophen der Jahrhundertwende rein gar nichts zur Kolonialisierung Afrikas eingefallen ist. +++ Das u.a. von Peter Singer herausgegebene „Journal für kontroverse Ideen“ hat noch nicht einmal seine Nullnummer veröffentlicht und sorgt schon für Aufregung, weil darin steile Thesen auch unter Pseudonym möglich sein sollen, wie die NZZ berichtet. +++ Die FR meldet, dass Axel Honneth als langjähriger Direktor des Frankfurter Instituts für Sozialforschung Ende des Jahres in Pension geht. +++ Kwame Anthony Appiah erzählte bei einem Auftritt in Princeton, von dem die FAZ berichtet, u.a. am Beispiel seiner Familie, was Identität und Kosmopolitismus bedeuten. +++ Alexander Mäder resümiert bei Spektrum die Debatte um die ersten genmanipulierten Zwillinge und den Stand bei der Suche nach einer weltweit verbindlichen Bioethik. +++ Entschieden ist dagegen, dass der Flughafen von Kaliningrad nicht nach Immanuel Kant benannt wird. Ulrich Heyden blickt für Telepolis zurück auf die hitzige Debatte, in der auch Farbbeutel und Faschismusvorwürfe zum Einsatz kamen.

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