Links der Woche, rechts der Welt 25/18

Parareligion gegen das Nichts

Verschwörungsdenken hat sich bis in Bundestagsdebatten und Publizistik ausgebreitet, wie Felix Dachsel in der ZEIT bemerkt und einen Überblick über die jüngsten Geistesblitze aus allen Richtungen gibt, wonach hinter komplexen Sachverhalten sinistre Planer stehen. (18.06.18)

 

Der Zauberwald der Zukunft

Nicht nur der Mensch lässt sich mit Technologie verübern, wohl auch der Forst: Maximilian Sippenauer berichtet für die SZ aus einem Projektwald, der sich mittels Künstlicher Intelligenz ökonomisch und ökologisch selbst verwaltet, also zum eigenen Wohle vernutzt. (18.06.18)

 

Auf philosophischer Kaffeefahrt

Oligarchen sind durchweg stiernackige Brutalos mit diamantbesetzten Luxuskarren? Hannah Lühmann war für die WELT unterwegs auf PR-Pilgerreise mit Vitaly Malkin, der Nietzsche und das Schreiben für sich entdeckt und nun einige Ideen zur Rettung der europäischen Kultur hat. (18.06.18)

 

Das Wahre und Schöne ohne das Gute

Arno Widmann war für die FR kurz auf einer Potsdamer Tagung zu „Wahrheit und Schönheit“ und erzählt, welche faszinierenden Vorträge von namhaften Geistes- und Naturwissenschaftlerinnen er verpasst hat. Augenzeuge wurde er allerdings, als Jan Philipp Reemtsma die Wahrheit auspackte. (20.06.18)

 

Globale Dorftrottel und das unbekannt Unbekannte

Für Spektrum führt John Horgan eine Mail-Korrespondenz mit dem Kosmologen Martin Rees über die selbstgemachten Bedrohungen der Menschheit, die durch noch mehr Technik in den Griff zu kriegen seien, und über die Dinge, die der Mensch vielleicht prinzipiell nicht verstehen kann. (21.06.18)

 

Am Anfang war der Zorn

Wutausbrüche sind evolutionär sinnvoll und zivilisatorisch geächtet. Nirgendwo herrscht so viel Wut wie hinter dem Steuer, schreibt Theodor Schaarschmidt bei Spektrum über den Zorn als Faszinosum und Forschungsgegenstand, als Todsünde und Gesundheitsrisiko. (22.06.18)

 

Mythos, 42 Kilometer vor Athen

Marathon scheidet die Geister: Die meisten denken an Leistungssport, nur unsere Leserinnen natürlich zuerst an den Sieg über die Perser. Felix Hackenbruch berichtet für den Tagesspiegel aus dem griechischen Örtchen, das seine legendäre Geschichte auch touristisch zu vermarkten versucht. (22.06.18)

 

Bücher

Die WELT empfiehlt Siri Hustvedts „Die Illusion der Gewissheit“ als gutes Antidot gegen vermeintlich wissenschaftlich belegte Vorurteile über den Leib-Seele-Dualismus. +++ Der Freitag ist etwas enttäuscht, dass „Die Wurzeln der Welt“ von Emanuele Coccia nur ein „atomistisches und kein sozio-ökologisches Manifest“ ist wie „Das terrestrische Manifest“ von Bruno Latour, das zur Verteidigung des gemeinsamen Oikos aufruft. +++ Auch Dirk Baecker hat Latours Manifest gelesen und fragt in seinem Hypotheses-Blog, wo und wie das Internet der Dinge Platz hat in dem Lebensraum, den der Mensch wiedergewinnen soll. +++ In eine ähnliche Kerbe wie Latour schlägt auf ihre übliche originelle Weise Donna J. Haraway mit ihrer Textsammlung „Unruhig bleiben“, die von der ZEIT als ebenso gefährliche wie inspirierende Lektion gelobt wird, sich die Welt verwandt statt Untertan zu machen. +++ Überall lockt der Autoritarismus als vermeintlicher Schlüssel zur Weltmacht. Da lobt die NZZ Archie Browns Buch „Der Mythos vom starken Führer“, das so manches Vorurteil über Politik im 20. und 21. Jahrhundert entlarvt. +++ Ebenfalls ein ordentliches Taschenbuch wäre der neue Lichtwolf, der sich auf 108 Seiten im DIN-A4-Format dem Titelthema „Zeichen und Wunder“ widmet.

(Photo: Goodfreephotos_com, Yinan Chen, pixabay.com, CC0)

Was ist an den Hochschulen los?

Atemlos hat sich die FAZ an der Uni Frankfurt umgesehen, wo die Nachfrage nach Kritischer Theorie 50 Jahre nach 1968 das Angebot weit übersteigt. +++ Die FAZ verteidigt auch Rüdiger Safranski gegen den Vorwurf, ein provinzieller Stichwortgeber der Neuen Rechten zu sein. +++ In New York läuft ein Verfahren wegen „sexuellen Fehlverhaltens und Diskriminierung“ gegen die feministische Germanistin Avital Ronell, wie Anton Pluschke im Freitag meldet. Zahlreiche Wissenschaftler haben einen von Judith Butler organisierten Solidaritätsaufruf mit der Beschuldigten unterzeichnet, was bei Brian Leiter Stirnrunzeln auslöste, dem inzwischen ein akademischer Shitstorm gefolgt ist. +++ Dass die Lehrbefähigung bei der Besetzung von Uni-Professuren keine wichtige Rolle spielt, hat man schon geahnt und nun ist es auch durch eine Umfrage belegt, über die die FAZ berichtet. +++ Die SZ meldet, dass auch den Wirtschaftswissenschaften Zweifel kommen, ob man nicht langsam mal wissenschaftliche Methodik und Diskursfähigkeit lehren sollte.

 

Das Weitere und Engere

Letzte Woche ging es an dieser Stelle um den unangemessenen Fokus von Talkshows auf die Themen Islam und Migration. Die Fleißbienchen der ZEIT haben die Themen von 900 Sendungen ausgewertet und so schlimm wie gefühlt ist es doch nicht. +++ Zu viel Sicherheit ist langweilig, zu wenig ist Chaos: Die FAZ stellt eine Studie zu Methoden der zivilisierten Bändigung von Unsicherheit vor. +++ Werner Plumpe erklärt im ZEIT-Sonderheft zu Marx die faszinierende Prophezeiung der heutigen Globalisierung im „Kommunistischen Manifest“ mit dem Informationshunger der beiden Autoren. +++ Diese Woche verstarb Stanley Cavell mit 91 Jahren. Die NZZ würdigt ihn als einen Denker, der aus Erfahrungen der Sprachlosigkeit zu einer Philosophie der Alltagssprache gelangte, die auch in Ethik und Ästhetik weitergedacht wird. Kürzer der Nachruf in der FAZ, wo man auf Cavells Faszination davon abhebt, wie wir eigentlich alle in dieser Welt klarkommen. +++ Der Astrophysiker Florian Freistetter widerspricht in seinem ScienceBlog dem Hawking-Diktum vom Tod der Philosophie und rät Naturwissenschaftlerinnen, mehr Philosophie zu wagen.

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