Links der Woche, rechts der Welt 09/18

Homo homini Zombie est

Georg Seeßlen hat fleißig „The Walking Dead“ geguckt und schreibt in der ZEIT auf, was diese Zombie-Serie, deren Erfolg auch auf ihrer Erzähltechnik beruht, über den Zeitgeist verrät und welche „moralischen und philosophischen Fragen des Alltags auf eine besonders drastische Weise zum Vorschein“ gebracht werden. (25.02.18)

 

Gute Konzepte für schlechte Strukturen

Das Elend des akademischen Mittelbaus ist bekannt. Florian Meinel und Reinhard Jahn untersuchen in der FAZ den Hoffnungsträger „Tenure Track“-Programm, das einen halbwegs verlässlichen und fairen Weg auf den Lehrstuhl bereiten soll. Doch ohne einen Kulturwandel an den Unis könnte auch diese Reform den Murks nur noch verschlimmern. (28.02.18)

 

Wie es ist, Philosophiehistoriker zu sein

In seinem Hypotheses-Blog gibt Denis Walter Auskunft, was er als solcher „eigentlich den ganzen Tag treibt“, und nimmt als Beispiel dafür die Entstehung eines Fachartikels über Zenon von Kition – von der ersten Vortragsanfrage über die Quellenkritik bis zum Abdruck. (01.03.18)

 

Meine Freundin, die Maschine

Maschinen können keine Gefühle zeigen und dennoch fühlen sich viele Menschen bei ihnen emotional halbwegs gut aufgehoben. Elena Witzeck schreibt in der FAZ über die Herausforderungen, die noch zu bewältigen sind, bis KI-Bots mit uns einen „normalen“ „zwischenmenschlichen“ Umgang pflegen. (02.03.18)

 

Die mächtigste aller Erzählungen

Die ZEIT bringt einen schönen Auszug aus Stephen Greenblatts neuem Buch über Adam und Eva, den „mächtigsten Mythos der Menschheit“, der, wie alle unsere sinngebenden Erzählungen, keinesfalls gelogen und auch jenseits der drei Monotheismen bemerkenswert wirkmächtig ist. (02.03.18)

(Photo: GDJ, Gordon Johnson, pixabay.com, CC0)

 

Bücher

Leistung war mal mehr als eine Chiffre neoliberalen Optimierungswahns: Die WELT bespricht Nina Verheyens Studie über die Begriffsgeschichte der Leistung. +++ Charles Foster hat versucht, wie ein Tier zu leben, und dann ein Buch über seine Entgrenzungsversuche geschrieben, das die taz rezensiert. +++ Regression statt Utopie: Zygmunt Baumans letzter Essay „Retrotopia“ wird von der taz als Expedition in den modernen Unwillen gelobt, sich eine bessere Zukunft vorzustellen. +++ Der Standard bespricht das Buch „Meine algerische Familie“, worin Alice Schwarzer die Bedrohung von Frauenrechten durch den fundamentalistischen Islam exemplifiziert. +++ Ein Rezept für Bestseller hat auch Jörg Magenau nicht, untersucht dafür in seinem gleichnamigen Buch aber, was vergangene Bestseller über den damaligen Zeitgeist verraten, und der ZEIT gefällt das. +++ Bei Getidan wird die Zeitzeugenstudie von Dietmar Süß über Gesellschaft im Dritten Reich (und darüber hinaus) vorgestellt. +++ Der SZ zufolge sind zwei neue Großversuche unterwegs, Nietzsches Werke von letzter Hand zu verlegen und die bisher maßgebliche Edition von Colli und Montinari damit zu verdrängen.

 

Radio

Letzte Woche besprach Jürgen Wiebicke mit Barbara Bleisch im Philosophischen Radio des WDR 5, ob und was wir unseren Eltern schulden; diese Woche geht es ebd. mit Marli Huijer um den Lebensrhythmus in hektischen Zeiten. Ebenfalls letzte Woche war bei Sein und Streit im DLF der Schmerz das Thema, morgen geht es ab 13:05 Uhr u.a. um den Siegeszug libertärer Ideologie. Zuvor gibt es um 9:30 Uhr bei Essay und Diskurs im DLF anlässlich des Kölner Medienkongresses 2018 einige Gedanken zu Gegenwart, Simultaneität und Gleichzeitigkeit. Und heute Abend ab 23:05 Uhr ist im DLF die Lange Nacht über Martin Luther King junior zu hören. Der Sein&Zeit-Podcast schließlich geht weiter mit § 68, „Die Zeitlichkeit der Erschlossenheit“.

 

Das Weitere und Engere

Der zweite Teil von Bersarins Rückblick auf 1968 ist online. +++ Felix Neumann macht sich in seinem Blog Gedanken über smart homes und den Datenschutz ihrer Bewohner. +++ Computer says no: Auch Matthias Becker blickt bei Telepolis auf den Stand der Technik beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Psychotherapie. +++ In der NZZ wird derzeit darüber gestritten, ob Geisteswissenschaften nutzlos oder nötiges Korrektiv der Naturwissenschaften sind. +++ Die gute alte Qualia-Frage, was es heißt, Farben zu sehen, stellt Matthias Warkus in seiner philosophischen Spektrum-Kolumne. +++ Thilo wirbt im Mathlog für einen Besuch der Ausstellung über optische Täuschungen im Heidelberger Carl-Bosch-Museum. +++ Ehedrama auf Asphalt: Gerhard Matzig kommentiert in der SZ, wie sich die fanatische Liebe der Deutschen zum Auto in nicht minder überzeugte Verachtung verwandelt hat. +++ Habermas gibt es auch noch und er hat ein paar Ideen für SPD-Ministerposten, wie der Tagesspiegel meldet. +++ Kommt mal runter: Massimo Pigliucci rät im Interview mit dem Standard dazu, sich mit dem Stoizismus zu beschäftigen und Gelassenheit zu üben. +++ Felix Zimmermann bloggt über das Spannungsverhältnis zwischen erinnerungspolitischer Verantwortung, wissenschaftlicher Genauigkeit und Spielbarkeit, das sich ergibt, wenn Computerspiele etwa den Ersten Weltkrieg zum Thema haben. +++ Auf den Monitoren in ersten Star-Wars-Filmen waren Schriftzeichen zu sehen, die nichts bedeuten sollten, von linguistisch beschlagenen Fans aber systematisiert wurden und in neueren Star-Wars-Filmen nun doch etwas bedeuten, wie das Futility Closet berichtet.

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