Links der Woche, rechts der Welt 06/18

Missgünstige Einzelgängerinnen

Die #meToo-Debatte lässt für Caroline Rosales einen wichtigen Punkt aus. In der ZEIT schreibt sie über mangelnde Solidarität unter Frauen – ob auf dem Spielplatz oder in der Arbeitswelt –, die männlich-dominierten Machtstrukturen erst begünstigt. (31.01.18)

 

Philosophen auf den Thronen

Joseph Hanimann sucht für die SZ nach den philosophischen Einflüssen, die dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron nachgesagt werden. Bei Balibar hat Macrons Diplomarbeit über Hegel keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, die Ricœur-Verweser empfinden Macrons Bezüge eher als zudringlich, aber einen Sinn für tiefere Tragik scheint er zu haben. (01.02.18)

 

Opium der bedrängten Kreatur

Weiteres zum Marx-Gedenkjahr: Raoul Löbbert und Louisa Reichstetter unterhalten sich für die ZEIT mit dem Historiker Gerd Koenen über Marxens ambivalentes Verhältnis zur Religion, das eschatologische Heilsversprechen des Kommunismus und die roten Überväter. (02.02.18)

 

Die Bonzen bleiben der Feind

Es gibt wieder Schimpfe für die Linken von Slavoj Žižek, der ihnen in der NZZ (mit „originellen“ Einschätzungen zu den politischen Haltungen führender Köpfe in den USA) vorwirft, zu wenig radikal zu sein. Ob Panama Papers, Digitalisierung oder #meToo, ständig werde mit Volldampf am unter Gadgets begrabenen Hauptwiderspruch vorbeigewütet. (05.02.18)

 

Der Revolution ihren Sinn zurück

Das Wort „Revolution“ wird umso mehr ausgehöhlt, je drängender der damit gemeinte Bruch mit dem Weiterso zwischen Kommerz und Populismus wird, schreibt Norbert Niemann in der ZEIT und warnt davor, mit dem suggestiven Werbegeplapper (z.B. Dobrindts „konservative Revolution“) den politischen Diskurs vollends zu ruinieren. (06.02.18)

 

Nach der Tagung an den Strand

Wolfgang Kemp nimmt in der FAZ die wachsende Zahl von Anbietern, die zu obskuren Konferenzen im All-inclusive-Ressort mit unmittelbar anschließender Publikation in Fachzeitschriften mit hohem Impact Factor einladen, zum Anlass, über die Verflüchtigung von Wissenschaft nachzudenken. (06.02.18)

 

Den Selbsttest mach ich morgen oder so

Prokrastination ist ein in der Studiszene dermaßen zu Tode gefeaturetes Buzzword, dass es hier nun zum vorletzten Mal vorkommen soll. Felix Simon hat sich für das Uniblog der FAZ mit Stephan Förster unterhalten, der die „Prokrastinationsambulanz“ an der Uni Münster leitet und das besonders in Geisteswissenschaften verbreitete Phänomen gern im ICD-Katalog sähe. (06.02.18)

 

Ewiges Leben in der Cloud

Thomas Wagner schreibt in der NZZ über die paradoxe Situation, dass sich über die Ersetzung des Menschen durch Künstliche Intelligenz nur die Post- und Transhumanisten aus dem Silicon Valley Gedanken machen, denen die fragile Natur des Lebens unerträglich ist. (08.02.18)

 

Welche Moral ist deine?

Schlechtmenschen ereifern sich über „Hypermoral“ und „Tugendterror“ und stellen damit die Werte in Frage, die jahrelang Selbstverständlichkeiten waren, schreibt Raoul Löbbert in der ZEIT und empfiehlt u.a. den Blick in einen Essay Arnold Gehlens von 1969, an dem sich Schwierigkeiten und Widersprüche konservativer Moralkritik schon abzeichneten. (09.02.18)

 

So trieben es die alten Römer

Bei Spektrum informiert uns Theodor Kissel über die sexuelle Libertinage Ovids, die furchtbar schief ging, denn Augustus verbannte den unpolitischen Dichter ans Ende der Welt, weil er den Bestrebungen im Weg stand, die römische Freizügigkeit zu reglementieren, oder gar im kaiserlichen Schlafzimmer etwas gesehen hat, was er nicht hätte sehen sollen. Wann kommt die Netflix-Serie dazu? (10.02.18)

 

Bücher

Die WELT spricht mit der Historikerin Christina von Hodenberg über das Frauenbild anno 1968 anlässlich ihres Buch „Das andere Achtundsechzig. Gesellschaftsgeschichte einer Revolte“. +++ Für den Tagesspiegel weist Hannah Arendts jüngst veröffentlichter Vortrag „Die Freiheit, frei zu sein“ aus dem April 1967 weit in die Zukunft der posthumanistischen Revolutionen. +++ Noch heißt es, in der Kälte zu bibbern, bis in gut einem Monat der Frühling und damit der neue Lichtwolf zum hochaktuellen Thema „Milchmädchen“ kommt (Abo?). Bis dahin sei Ihnen das aktuelle Heft zum Thema „Ins Gesicht“ wärmstens empfohlen; das gibt es auch als DRM-freies E-Book für Kindle und im epub-Format.

 

Radio

Thomas Macho hat ein Buch über den Suizid in der Moderne geschrieben und unterhält sich mit Jürgen Wiebicke im Philosophischen Radio des WDR 5 darüber. +++ Im Deutschlandfunk gibt es am morgigen 11.02.2018 Essay und Diskurs ab 9:30 Uhr zum Thema Ahnungen, Vermutungen und Gespür und später dann Sein und Streit zum Thema Freundschaft ab 13:05 Uhr. +++ Der Sein & Zeit Podcast muss pausieren – gute Gelegenheit, die bisherigen 68 Paragraphen nachzuhören! +++ Die Bärlauch Buben haben letztens ihr Debutalbum herausgebracht und rechnen in einem der Lieder mit dem Philosophie-Studium ab:

Ich hab‘ Philosophie studiert
Und dabei so einiges kapiert
Das Selbst ist ein Verhältnis das sich zu sich selbst verhält oder
Ist das am Verhältnis, dass das Verhältnis sich zu sich selbst verhält?
Doch eine Frage, ja die Frage aller Fragen,
da konnte ich nie etwas zu sagen

Refr:

Philosophie, weiter wusste ich nie
Philo, Philo
Philosophie, weiter wusste ich nie
Philo, Philo

Komplett anhören kann und soll man sich das auf Spotify und/oder YouTube.

 

Das Weitere und Engere

Fürs Uniblog der FAZ hat Kornelius Friz mit den letzten vier Langzeitstudenten gesprochen, die noch nicht von der Bologna-Reform ausgemerzt wurden. +++ Im Freitag nimmt Mladen Gladić den Streit um die Besetzung von Professuren im geplanten Institut für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität zum Anlass für die Frage, ob es überhaupt Studiengänge geben sollten, „die nur den Lehren einer einzelnen Glaubensrichtung entsprechen“. +++ Bei Telepolis zeigt Markus Kompa am Beispiel Max Frischs, wie die CIA in der zweiten Hälfte des kurzen 20. Jahrhunderts Intellektuelle ohne ihr Wissen oder Einverständnis instrumentalisierte. +++ Zum 100. Todestag Gustav Klimts erinnert die SZ daran, wie ernst der Maler die besorgten Bürger seiner Tage nahm, indem er sie zwang, „in die Abgründe der eigenen Seele zu schauen“. +++ Felix Neumann schreibt beim BDKJ-Blog über die Empfehlungen wider Fake News, die der Papst zum „Welttag der sozialen Kommunikation“ gegeben hat. +++ Seit fast einem Jahr sitzt Deniz Yücel in türkischer Haft. Die taz bringt zwei Texte, die aus seiner Zelle geschmuggelt wurden.

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