Links der Woche, rechts der Welt 51/17

Vollautomatische Buchhaltung

Wohin soll die Reise beim maschinellen Lernen gehen? Darüber denkt die „Partnership on AI“ nach, der Unternehmen, Institute und auch Menschenrechtsorganisationen angehören. Philipp Hummel unterhält sich in der FAZ mit dem SAP-Experten Markus Noga darüber, was in Sachen KI bloßer Hype ist und was wir erstmal abwarten sollten. (16.12.17)

 

Panoptische Fabrik mit Bällebad

Evgeny Morozov hat sich die Bauchbinde „Internetkritiker“ hart erarbeitet und kann in der SZ aufschreiben, welche Versprechen (schöne neue Arbeitswelt, Umkehrung der Vereinsamung) die Digitalisierung bereits gebrochen hat. Am Beispiel der Big-Data-Immobilienplattform We Work zeigt Morozov, wie der Hippie-Taylorismus unserer Tage aussieht. (18.12.17)

 

Es wird mir an nichts mangeln

Der Hirte ist Symbol des Friedens und heute mehr denn je in seiner Existenz bedroht. Christiane Grefe portraitiert in der ZEIT diesen alten Beruf, der es außerhalb Europas noch schwerer hat: geringes Sozialprestige, Klimawandel, Landnutzungskonflikte. Um die kulturellen und ökologischen Segnungen des Hirtenwesens zu erhalten, braucht es moderne Technik. (19.12.17)

 

Schweinehund Nostalgie

Nostalgie ist eine geistige Selbstverteidigung gegen die Zumutungen der Moderne, schreibt Simona Pfister in der NZZ, und darum auch und besonders bei den unter 40-jährigen beliebt. Aus einer idealisierten Vergangenheit ließe sich die Kraft zur Gestaltung der Zukunft gewinnen – würde sie nicht dauernd ironisch gebrochen. (20.12.17)

 

Radio

Jürgen Wiebicke spricht im Philosophischen Radio auf WDR 5 mit Armin Nassehi über das Fremde. Bei Essay und Diskurs morgen früh im DLF unterhält sich Florian Felix Weyh mit Ralf Konersmann über die Unruhe. Zuvor, nämlich heute ab 23:05 Uhr kann man ebenda die Lange Nacht der „fernen Geliebten“ hören.

 

Bücher

…sind beliebte Weihnachtsgeschenke. Was dabei alles schiefgehen kann, hat die WELT in einer Typologie misslungenen Bücherschenkens zusammengestellt. +++ Die ZEIT zeigt sich ziemlich angeödet, wie Achille Mbembe in „Politik der Feindschaft“ dem Neoliberalismus für alles vom Holocaust über Apartheid bis zum ewigen Krieg gegen den Terror die Schuld gibt. +++ Der Freitag bespricht das Buch des Sinologen François Jullien, der insbesondere den Anhängern von Critical Whiteness ebenso wie denen des Ethnopluralismus erklärt: „Es gibt keine kulturelle Identität.“ +++ Die taz rät zur Lektüre des von Johannes Spohr herausgegebenen Gesprächsbands, in dem die beiden Linken Klaus Rózsa und Wolfgang Seibert sich über den Antisemitismus unter Antiimperialisten unterhalten. +++ Eher hin und hergerissen zeigt sich die taz über „Das Seltsame und das Gespenstische“, den Band mit posthum veröffentlichten Essays des antipostmodernen spekulativen Realisten Mark Fisher. +++ In seinem Buch „Nietzsche und die Folgen“ portraitiert Andreas Urs Sommer den Schnauzträger als erfolglosen Meister der Ironie und des Spiels; die NZZ stellt das Buch vor. +++ Nichts falsch machen kann man mit einem Buch von Lichtwolf-Autoren (auch Ramschware!); oder mit einem Abo – denn Lichtwolf Nr. 60 ist mit drei Tagen Verspätung auf dem Weg in die Briefkästen.

 

Das Weitere und das Engere

Die WELT erklärt, warum der hohe Minnesang mit seiner Verherrlichung der unmöglichen Liebe zu einer bestimmten Person in Zeiten von Tinder und Onlinedating heilsam sein kann. +++ Michael Hesse unterhält sich in der FR mit dem Historiker Philipp Blom über Beschleunigung und Regression in Gestalt von Globalisierung und Rechtspopulismus. +++ Die FAZ schüttelt ebenso den Kopf wie die taz über Ermittlungen der Hamburger Staatsanwaltschaft gegen „Konkret“ wegen Volksverhetzung nach einem Cover mit dem Aufruf „Kauft nicht bei Deutschen!“.

Die SZ wiederum resümiert eine Studie, wonach Kinder im Kasperletheater es gut finden, wenn Bösewichter bestraft werden. Hält Gemeinschaften zusammen. +++ Ein Déjà vu ist weder Zeitreise noch Erinnerung, sondern nur ein falsches Gefühl von Vertrautheit, das eine neuronale Grundlage hat, die Konrad Lehmann bei Telepolis erklärt.

Happy Birthday, Jesus! (Photo: Didgeman /
Thomas B., CC0)

Der Lichtwolf wünscht der Surfer-Ikone Jesus alles Gute zum Geburtstag und Ihnen recht schöne Feiertage!

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