Links der Woche, rechts der Welt 48/17

Was kostet Bildung wen?

Für das Uniblog der FAZ vergleicht Jessica Bürger die Kosten eines Studiums an den Universitäten Exeter und Jena. England hat hohe Zulassungshürden und horrende Studiengebühren, Deutschland keine (mehr), und was nichts kostet, kann nicht viel wert sein. (30.11.17)

 

I Don’t Like The Drugs (But The Drugs Like Me)

Kaum ein großer Künstler fällt durch Nüchternheit auf. Konrad Lehmann geht bei Telepolis darum der Verbindung von Drogen und Kreativität auf den Grund. Wissenschaftliche Studien haben bei Alkohol, LSD, Koks usw. keine spektakulär kreativitätsfördernde Wirkung ausgemacht. Eher scheint andersherum Kreativität anfälliger zu machen für Drogen. (01.12.17)

 

Rechte Glut und liberale Kälte

In der ZEIT misst Simone Rosa Miller die soziale Kälte an zwei aktuellen Debatten: Wer dazu rät, mit Rechten zu reden und den linken Moralismus abzulegen, ignoriert die Opfer rechter Gewalt. Eine ähnliche Empathielosigkeit legen Rechtsstaatsfreundinnen in der #metoo-Debatte an den Tag. Zugrunde liegt dem ein liberales Gesellschaftsbild, das gegen die Falschen verteidigt wird. (01.12.17)

 

Psychoanalyse in der Sowjetunion

Die Psychoanalytikerin Sabine Richebächer schreibt in der NZZ über die kurze Blüte ihrer Profession in Russland nach der Oktoberrevolution. Nicht nur Leo Trotzki gilt sie als Mittel zur „Erziehung einer sozial wertvollen Persönlichkeit im Kollektiv“. Unter Stalin wächst das Misstrauen gegen bourgeoise Tendenzen der Psychoanalyse und führt zu deren Untergang. (02.12.17)

 

Künstliche Intelligenz

Die Maschinen haben in einem weiteren Feld zum Menschen aufgeschlossen: Wie dieser können sie nun anhand von Google-Street-View Mutmaßungen über demografische und sozioökonomische Merkmale eines Stadtteils anstellen, wie Telepolis meldet. Die NZZ bringt Thomas Metzingers Gedankenexperiment, wonach eine Künstliche Intelligenz uns auch in moralischen Fragen überlegen sein und zu dem wohlmeinend-antinatalistischen Schluss kommen könnte, uns von einem Leben erlösen zu müssen, das aus mehr elenden als glücklichen Momenten besteht (das BAAN-Szenario). Carolin Wiedemann warnt in der FAZ vor KI-Forschern wie Jürgen Schmidhuber, der sich schon darauf freut, wenn die Maschinen die Menschen wie Haus- und Nutztiere halten.

 

Radio

Das Philosophische Radio des WDR 5 war letzte Woche unterwegs, gestern feierte es sein Zehnjähriges mit einer Sendung darüber, was Philosophie im Alltag bedeuten mag. Bei Sein und Streit im Deutschlandfunk ging es zuletzt um Tod und Tiere, die Themen am morgigen Sonntagmittag stehen wohl noch nicht fest. Ebenfalls im DLF ging es letzten Sonntag in Essay und Diskurs um Bourdieus feine Unterschiede im 21. Jahrhundert, morgen um die Gastfreundschaft.

 

Bücher

Die NZZ ist ziemlich enttäuscht von Didier Eribons arme-Leute-Selbstbespiegelungsband „Gesellschaft als Urteil“. +++ Die FAZ findet, Helmut Ortners Geschichte der Todesstrafe befriedige die Sensationsgier der Leserin und bestätige ihre ohnehinnige Ablehnung der Todesstrafe. +++ Das kommende Jahr ist ein Jubeljahr für Freunde des Dreißigjährigen Krieges: Die WELT stellt zwei neue Bücher von Andreas Bähr und Herfried Münkler zum 400. Jahrestag des kleinen Ersten Weltkriegs vor, der mit einer Himmelserscheinung und einem Fenstersturz begann. +++ In der NZZ freut sich Ludger Lütkehaus über die Gesamtausgabe der musikphilosophischen Schriften des „Atomphilosophen“ Günther Anders.

 

Sonstiges

Diego Fusaro kommentiert bei Telepolis die soziale Ungleichheit mit Thales und Fichte. Apropos: Laura Weißmüller wundert sich in der SZ, warum es gesellschaftlich akzeptiert ist, mit dem Kauf und Verkauf von Boden Geld zu machen. +++ Die deutsche Ausgabe des Satiremagazins Charlie Hebdo wird eingestellt. +++ Die FAZ vermeldet den Tod Jerry Fodors, dem wir (und vor allem die KI-Forschung, s.o.) die „Sprache des Geistes“ verdanken. +++ In zwei Wochen erscheint die Winterausgabe des Lichtwolf mit dem Titelthema „Ins Gesicht“. Wie wäre es, sich mit einem Abo selbst zu beschenken?

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