Auri sacra fames!

Die Menschheitsgeschichte wäre eine andere ohne die unstillbare Gier nach einem Edelmetall, das große Kreativität und noch größere Verbrechen befeuert.

von Bernhard Horwatitsch

 

Jahrhundertelang suchten die Alchemisten nach dem Stein der Weisen, mit dessen Hilfe man unedle Metalle in edle Metalle wie Gold und Silber verwandeln könnte. Dabei ging es den Alchemisten nicht nur um die äußere Transmutation, sondern auch um die innere: Die einen suchten nach Gold und Reichtum, die anderen suchten danach, ihren Geist, ihre Seele zu veredeln und bessere Menschen zu werden.

So schrieb schon der Arzt und Alchemist Alexander von Suchten (lebte von 1520 bis 1575) in seinen chymischen Schriften: „Daß die göttliche Kunst der Alchymey von bösen Buben, deren jetzt die Welt voll ist, Betrug und Arglistigkeit wegen, damit sie hoch und niedriges standes Personen ansetzen, in großen Verachtung gerathen ist, als were diese GOTTES Gab allein Triegerei, was gehet das uns an? Es ist uns leid, daß man das mißbraucht, was uns zur Wiederbringung und Erhaltung des Menschen Gesundheit von GOTT geoffenbahret worden.“

Schweigen ist bekannter weise goldig, morgens hat man gediegen Gold im Mund und der eigene Herd ist ein Nugget wert. Aber weder das Schweigen noch die Morgenstunde oder der eigene Herd glänzen notwendigerweise.

Wie alles begann

Vor langer Zeit existierte in den Tiefen unseres Universums eine schwere Gaswolke. Sie verbrannte Wasserstoff zu Helium. Als der Wasserstoff verbraucht war, begann die Wolke das Helium zu verbrennen. Helium besteht aus zwei Neutronen und zwei Protonen und ist damit sehr stabil. Es musste also sehr, sehr heiß sein und großer Druck herrschen in dieser Wolke, damit Helium ein weiteres Helium einfangen konnte, um so allmählich Kohlenstoff, Stickstoff oder Sauerstoff herzustellen. Und das hatte irgendwann ein physikalisches Ende, nämlich Eisen. Eisen besitzt 26 Protonen. Nun schaltet die Sternmaschine ab. Im Zentrum des Sterns geschieht nichts mehr. Aber um den Stern herum finden weiterhin Verbrennungsprozesse statt. Die Elemente werden nun mit enormer Geschwindigkeit (70.000 Kilometer in der Sekunde) von dem Eisenkern angezogen, prallen dann ab und werden mit 30.000 Kilometern in der Sekunde ins All zurückgeschleudert. Bei diesem Prozess entstehen weitere Elemente, unter anderem auch das Gold. Gold verfügt über 79 Protonen, ist damit sehr schwer und stabil.

Goldgräber-Skulptur in Perth, Australien. Photo: Bernd Hildebrandt, Kassel, CC0, pixabay.com

Alle Elemente, die schwerer sind als Eisen – also auch das Gold – kamen auf die Erde, weil Sterne kollabierten. Da unsere Erde noch keine Kruste hatte, wanderte das Gold in den Erdkern.

Witwatersrand

40.000 Tonnen Gold hat dieser Höhenzug in Südafrika bislang zu Tage gebracht. Auch die südafrikanische Währung „Rand“ hat ihren Namen danach. Es ist das mit Abstand größte Goldfeld der Welt. Ein 1,8 Milliarden alter Flussschotter aus Sand und Kies, eine sogenannte Seifenlagerstätte bildet ein gewaltiges Goldreservoir und hat noch mehrere 10.000 Tonnen Gold als Ressourcen. Im Jahr 1885 wurden dort im Transvaal größere Goldmengen entdeckt und die unabhängige Burenrepublik unter der Präsidentschaft Paul Krugers (von den Afrikaans „Onkel Paul“ genannt) erlebte eine Einwanderungswelle europäischer Siedler, die zu einer Destabilisierung der jungen Republik führte, die sich gerade im Ersten Burenkrieg der Briten erwehrt hatte. 1895 kam es zu einem Aufstand britischer Arbeiter unter Führung des Arztes und Politikers Jameson (bekannt als Jameson-Raid) gegen die Kruger-Regierung. Paul Kruger konnte diesen Aufstand schnell niederschlagen, doch führte dies zu weiteren Angriffen der Buren auf britische Kolonien und damit zum zweiten Burenkrieg. Der Begriff „concentration camp“ (Konzentrationslager) wurde danach vom Militär Großbritanniens benutzt, um die in diesem Zweiten Burenkrieg (1899–1902) angelegten Lager zu beschreiben. Frauen und Kinder der Buren sowie Afrikaner, die im Burengebiet lebten, wurden in Lagern in Südafrika zusammengetrieben. Obwohl diese Lager keine speziellen Vernichtungslager waren, bedingten die schlechte Ernährung sowie die hygienischen Verhältnisse eine hohe Sterblichkeitsrate. Hier starben etwa 26.000 Frauen und Kinder. 1902 kapitulierten die Buren und die südafrikanische Republik wurde Teil des britischen Empire.

Carlin-Trend

Vor 350 Millionen Jahren rammte ein Krustenblock (Terran) die nordamerikanische Platte. Druck und Temperatur stiegen in Folge so stark an, dass an der Nahtstelle hydrothermale Quellen entstanden. Einige Millionen Jahre später brachte dies (vor ca. 50 Millionen Jahren, im Eozän) gelöste Mineralien an die Oberfläche. Sie formten sich aus reduzierten, mäßig sauren Fluiden mit Temperaturen von 150_bis 250_°C in Tiefen über 2.000_m. Die Erzkörper können wenige bis mehr als 100_Millionen Tonnen Erz enthalten bei Gehalten zwischen 1_und 10_g/t. Gold ist meist an feinverteilten arsenreichen Pyrit gebunden. Ein 5 Meilen breiter und 40 Meilen langer Gürtel durch die Stadt Carlin zählt in jüngerer Zeit zu den ergiebigsten Goldvorkommen in den USA. Typisch für diese Goldfunde ist es, als klassischer Nugget aufzutreten, den man aus Sand und Schlamm herauswäscht. Vor allem wenn der Sand schwarz ist, kann man von Goldfunden träumen. Der kalifornische Goldrausch begann 1848. Irgendwann Ende Januar dieses Jahres fand der Zimmermann James W. Marshall aus New Jersey am American River in Kalifornien bei einem Sägewerk des Schweizers Johann August Sutter einen Goldnugget. Marschall schwang sich auf sein Pferd und ritt wie vom Teufel besessen zurück nach San Francisco, um sich dort mit Schaufeln und Blechnäpfen einzudecken. Er schrie „Gold, Gold“ und das haben dann alle bis nach Europa gehört, so laut brüllte der Vorarbeiter, während er seine neue Schaufel schwang. Hunderttausende zog dieser Ausruf nach Kalifornien. Die Einwohnerzahl Kaliforniens verfünffachte sich in nur einem Jahr. Man nannte die Neuen die Forty-Niners.

Für den damaligen US-Präsidenten James K. Polk (der 11. US-Präsident) war der Goldrausch ein gefundenes Fressen, um den Krieg gegen Mexiko (1846–1848) vor dem Kongress zu rechtfertigen. Das war auch der Krieg, gegen den Henry David Thoreau protestierte und sich weigerte, seine Poll Tax (Kopfsteuer) zu zahlen, was ihm eine Gefängnisinhaftierung einbrachte. 1849, als die Massen Kalifornien stürmten, Indianer skalpierten, bis deren Bevölkerung um die Hälfte reduziert war, die andere Hälfte durch eine Cholera-Epidemie ausrotteten und neben dem Gold noch 7.000 Tonnen Quecksilber freisetzten, in diesem Jahr 1849 also erschien der Essay „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegenüber dem Staat“: „Wenn aber das Gesetz so beschaffen ist, dass es notwendigerweise aus dir den Arm des Unrechts an einem anderen macht, dann, sage ich, brich das Gesetz. Mach’ dein Leben zu einem Gegengewicht, um die Maschine aufzuhalten. Jedenfalls muss ich zusehen, dass ich mich nicht zu dem Unrecht hergebe, das ich verdamme“, heißt es dort unter anderem. Thoreau tritt in diesem Essay dafür ein, sich dem positiven Recht des Staates nur zu beugen, wenn es mit den eigenen moralischen Werten übereinstimmt. Zudem forderte Thoreau ein individuelles Gewissensrecht im Gegensatz zu unkritischen Mehrheitsentscheidungen. Es waren dieser Essay und diese Gedanken, die Gandhi und Martin Luther King inspirierten.

Comstock-Lode

Westlich des Mississippi wurde 1859 Gold und Silber entdeckt. Die berühmteste Erzlagerstätte befand sich in Virginia City. Dort arbeiteten für Gould & Curry an die 700 Bergleute in Dreifachschichten. Mark Twain beschrieb Virginia City in seinem Buch „Durch Dick und Dünn“ am Anfang des Gold- und Silberrausches. Damals schrieb er noch unter seinem Namen Samuel Clemens. Er war Klatschreporter und Goldgräber in einem.

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