Links der Woche, rechts der Welt KW 24/17

von Timotheus Schneidegger, 17.06.2017, 20:06 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

Angst essen Demokratie auf

Bernhard Wiens hat bei Telepolis einige Betrachtungen zum Zusammenhang von Angst und Politik aus wahrlich unheimlichen Zeiten zusammengestellt. Allen voran Franz L. Neumann wies nachdrücklich darauf hin, dass Demagogen nur auf den richtigen Moment warten, um das neurotische Unbehagen des modernen Massemenschen in die blinde Tat umzusetzen. (15.06.17)

Digitale Erkenntnistheorie

Ein Roman über Platons Zeitreise ins Google-Hauptquartier und ein Essay über die unterschätzte Bedeutung von Information lassen Adrian Lobe in der NZZ darüber sinnieren, was Wahrheit, Ethik, Philosophie überhaupt im digitalen Zeitalter bedeuten. (16.06.17)

Antike Demagogen

Nochmal Demagogie: Der Althistoriker Stefan Rebenich blickt in der NZZ auf antike Vorbilder heutiger Populisten und Demagogen wie Kleon und die Gebrüder Gracchus zurück. Schon damals sorgten ökonomischen Unwuchten und eine doofe Plebs für den Aufstieg der Volkstribune, deren Amtsführung mehr Schaden als Nutzen anrichtete. (17.06.17)

Neue Bücher

Die FR bespricht die Edition von Victor Klemperers Briefen, die seinen Tagebücher manch zusätzlichen Farbtupfer verleihen. +++ Außerdem stellt die FR Manfred Geiers Doppelbiographie über Wittgenstein und Heidegger vor. +++ Die NZZ rezensiert Beate Rösslers Buch über das unerreichbare Ideal der Autonomie in der Moralphilosophie. +++ Die taz findet, dass man viele rhetorische Kniffe aus Daniel-Pascal Zorns Logikanleitung für Demokraten auch auf sie selbst anwenden kann. +++ Ulrich Brand und Markus Wissen gehen über die Kritik an Greenwashing und maßlosem Konsum hinaus, indem sie den Wahnsinn der imperialen Lebensweise aufzeigen. Der Freitag stellt ihr gleichnamiges Buch vor.

Sonstiges:

Tiere soll man nicht ärgern. Wem das mangels sittlicher Vernunft nicht einleuchtet, den mag überzeugen, wovon die SZ berichtet: Tiere merken sich, wer gemein zu ihnen ist. +++ Der gute alte Cyberspace ist längst auch Kampfzone des Militärs, friedensethische Fragestellungen bleiben hier aber noch unberücksichtigt, wie die taz moniert. +++ Serwus i bims! Was ist das für 1 Sprache vong Internet her? Die WELT erklärt es den stauenden Social-Media-Laien. +++ Marie Mohrmann (sic!) verteidigt im Freitag die zuletzt umstrittenen Critical-Whiteness-Ansätze, indem sie beschreibt, wo diese sinnvoll sind und wo sie eher im Hintergrund bleiben sollten. +++ In zwei Wochen ist Mainzer Minipressenmesse! Jetzt schon einmal die Zugfahrt planen und – um gebührenden Lesestoff zu haben – den Lichtwolf abonnieren, damit sie unterwegs das in drei Tagen in die Briefkästen kommende Heft zum Thema Wurst schmökern können.

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