Links der Woche, rechts der Welt KW 22/17

von Timotheus Schneidegger, 03.06.2017, 14:39 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

Skynet rising

Beim Thema autonomes Fahren tun sich schon ethische Abgründe auf, wie „intelligente“ Technik z.B. mit dem Trolley-Problem umgehen soll. Florian Rötzer berichtet auf Telepolis vom aktuellen Sachstand im Pentagon, wo man glaubt, das Wesen des Krieges mittels Kampfmaschinen zu ändern, die im Übrigen nun vielleicht doch selbstständig über Leben und Tod entscheiden dürfen. (01.06.17)

Alles Kommunisten!

Manchmal hilft der Blick ins Ausland, um zu verstehen, was läuft: Der gebürtige Pole Matthias Nawrat schreibt in der ZEIT über den Rechtsruck in seinem Geburtsland nebenan. Den Siegeszug der Nationalkonservativen erklärt er mit dem besonderen Kapitalismus in Osteuropa, aber auch mit der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus nach der Solidarno??. (02.06.17)

Bücher, Bücher, Bücher

Bei Spektrum wird Bernulf Kanitschneiders „Kleine Philosophie der Mathematik“ empfohlen, die zeigt, wie real und realistisch die Wunder der Mathematik sind. +++ Andreas Bummel und Jo Leinen fordern am Ende einer Geschichte der Demokratie von der Stoa bis Kant die demokratische Weltregierung – die taz ist von ihrem utopischen Sachbuch sehr angetan. +++ Die NZZ bespricht zwei Titel zum/über den „unzeitgenössischen“ Gegenwartskritiker Charles Péguy (1873–1914), auf den sich in Frankreich linke wie rechte Autoren gleichermaßen beziehen. +++ Außerdem findet die NZZ zumindest die erste Hälfte von Mathias Schreibers Essay über den Verrat, den Verräter und deren moralische Ambivalenz (von Prometheus bis Snowden) sehr lesenswert. +++ Ausführlich bespricht Bruno Heidlberger bei Glanz & Elend Volker Weiß’ Studie über die Neue Rechte und ihre autoritäre Revolte.

Das Weitere und Engere:

Von wegen „Skynet rising“ (s.o.): In der FAZ geht es um ein Frühwarnsystem der Bertelsmann-Stiftung, mit dem Künstliche Intelligenz darauf überprüft werden kann, ob und wie man ihr im Ernstfall Einhalt gebieten kann. +++ Reza Jafaris Theaterstück „Heiliger Krieg“ beschäftigt sich an einer Stelle damit, dass Islamisten und Rechte nicht akzeptieren wollen, wenn Menschen, anders sind; was einen lokalen AfD-Politiker Drohmails ans Ensemble schreiben lässt, wie die taz berichtet. +++ Der Biologe Peter Spork berichtet in der FAZ von Studien zur Epigenetik, die die umstrittene These von der Vererbbarkeit von Umweltanpassungen bestätigen. +++ Alain Claude Sulzer erzählt in der NZZ mit ungebrochener Begeisterung von seiner Bibliomanie. +++ Im Uniblog der FAZ geht es darum, wie schwer es trotz der hohen Abbrecherquoten ist, ein Studium, zu dem man nicht passt, vorzeitig zu beenden. +++ Lichtwolf Nr. 58 zum Thema Wurst (u.a. bibliomane Wurst) ist im Druck und für ein schönes Abonnement braucht man keinen Studienabschluss.

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