Links der Woche, rechts der Welt KW 21/17

von Timotheus Schneidegger, 27.05.2017, 14:23 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

Aus Freude am Trollen

Für die ZEIT hat sich Francesco Giammarco mit einem 18-jährigen getroffen, der als Troll seinen Hass ins Internet kippte und nun den Ausstieg aus einer Szene versucht, die in den USA eng mit der Alt-Right-Bewegung verbunden ist und ihre Hetze gegen Fremde und pro Trump betreibt. (23.05.17)

Bildungserfolge sind nicht messbar

Wettbewerb ist das Zauberwort der Ökonomen auch in der Bildungspolitik. André Kieserling stellt in der FAZ die Fundamentalkritik des Bamberger Soziologen Richard Münch an dieser Haltung vor, die nichts von den unüberschaubaren Faktoren wissen will, die zu daher kaum vergleichbaren Lernerfolgen beitragen. (23.05.17)

Der Penis war’s!

Ein Philosoph und ein Mathematiker haben den Sokal-Hoax wiederholt, wie Telepolis meldet: Sie konnten einen postmodernen Quatschtext in einem Open-Access-Journal mit Peer-Review-Verfahren unterbringen. Auch die SZ schüttelt den Kopf: Der überelaborierte Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und dem Penis als sozialem Konstrukt in der „prä-post-patriarchalischen Gesellschaft“ zeige, dass gerade in den Gender Studies alles veröffentlicht wird, solange es mit Zitaten von Judith Butler und dem fachtypischen Jargon aufgeladen ist.

afd-ostfriesland.de

Anfang Mai hat der catware.net Verlag, in dem auch der Lichtwolf erscheint, die zum Verkauf stehende Domain www.afd-ostfriesland.de erworben. Zwei Wochen gingen ins Land, bis der hiesige zerstrittene AfD-Ortsverband bemerkte, dass die geschassten Vorgänger ihre Domain in die freie Marktwirtschaft zurückgegeben haben (bzw. „in die Hände des politischen Gegners fallen“ ließen). Erst rief die neugierige Lokalpresse hier an, dann machte die Geschichte die große Runde: der NDR und die taz berichteten, alsbald folgten diverse Blogs.

Bücher und so weiter

Nach dem islamistischen Anschlag auf ein Popkonzert in Manchester denkt Maike Brülls in der taz über das ambivalente Verhältnis des IS zum Pop nach. +++ Die FAZ stellt eine Studie von US-Wissenschaftlern vor, die untersucht haben, wie wir uns z.B. bei Kaufentscheidungen von den Erwartungen anderer beeinflussen lassen. +++ Der Freitag weist auf Hans Blumenbergs „Schriften zur Literatur 1945 – 1958“ hin, in denen es immer auch um ihren Autor selbst geht. +++ Die NZZ bespricht ein Büchlein von Peter Schäfer über Gottesvorstellungen in der jüdischen Antike, die zeigen, dass der Monotheismus nicht selbstverständlich ist. +++ Paul Jandl freut sich in der NZZ über eine Renaissance der Utopie in der deutschsprachigen Literatur und stellt einige Titel vor.

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