Links der Woche, rechts der Welt KW 18/17

von Timotheus Schneidegger, 06.05.2017, 13:53 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

„Entropie des Meinens“

In der NZZ beklagt Paul Jandl den Niedergang der Streitkultur in beschleunigten und unübersichtlichen Zeiten, in denen jeder eine Meinung und keine Ahnung hat. Die Intellektuellen machen es kaum besser, indem auch sie nur noch über ihr jeweiliges Steckenpferd monologisieren. Eine Entschleunigung der publizistischen Debattenräume tut Not. (03.05.17)

Frühjahr- statt Sommersemester, bitte!

Nirgendwo währt die vorlesungsfreie Zeit so lang wie an deutschen Unis, bloggt Niklas Záboji bei der FAZ und plädiert zum zehnten Jubiläum des gescheiterten Versuchs einer „Harmonisierung der Semesterzeiten“ für Vorlesungen ab Anfang März und Anfang September, wie sie überall im Ausland üblich sind. (04.05.17)

Was der Multikulturalismus übersieht

Bei Telepolis beschäftigt sich Karl Kollmann mit dem Soziologen Zygmunt Bauman und Begriffen wie Freund, Feind und Fremder vor dem Hintergrund der „Flüchtlingskrise“. Das tut nötig, weil schon der Begriff des „Sozialen“ im Alltagsdiskurs allenfalls schwammig verwendet wird; die Erfahrungen von Zugezogenen schärfen den Blick dafür, wie schwer es mit dem „Sozialen“ geht. (05.05.17)

Morgen in Frankreich

Am morgigen Sonntag findet in Frankreich die Stichwahl ums Präsidentenamt zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen statt. Die WELT unterhält sich mit Tristan Garcia, „dem neuen Vordenker der jungen Franzosen“, darüber, wie schwer sich Linksintellektuelle mit dem „identitätspolitischen Backlash“ und mit Macron als kleinerem Übel tun. Auch die ZEIT bittet einen schlauen Franzosen zum Interview, nämlich den Philosophen und Mathematiker Denis Bonnay, der die ambivalente Wirkung von Meinungsumfragen und Wahlaufrufen erklärt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Die NZZ sieht mit dem Band „Die grosse Regression“ das linke Denken auf den Hund gekommen und empfiehlt stattdessen Kaspar Villigers Kampfschrift gegen den „Sozialdemokratismus“, der uns alle so furchtbar erdrückt. +++ Der Freitag weist auf den Horrorfilm für Selbstoptimierer, „Erfolgreich Scheitern“ hin, der neulich auf 3sat lief. +++ In München werden, wie die FAZ meldet, wertvolle Bücher und Autographen versteigert – darunter ein Typoskript der Vortragsfassung von Heideggers Freiburger Antrittsvorlesung „Was ist Metaphysik?“. +++ Außerdem gratuliert die FAZ dem konservativ-katholischen Denker Robert Spaemann zum 90. Geburtstag. +++ Sibylle Anderl glossiert im Wissensteil der FAZ launig über eine Studie zur Ehrenrettung von Sorgen und Pessimismus. +++ In der WELT empfiehlt Denis Scheck Ovids „Metamorphosen“ für seinen Kanon. +++ Die NZZ stellt Heinrich Meiers Auseinandersetzung mit Nietzsches Zarathustra als philosophisches Experiment der Selbsterkenntnis und -verstellung vor. +++ Hazel Brugger macht im Magazin ihrem Unmut Luft, mit anderen jungen Frauen in einen Topf geworfen zu werden, und dem Feminismus darum in den Rücken fallen zu müssen.

Schreibe einen Kommentar