Links der Woche, rechts der Welt KW 17/17

von Timotheus Schneidegger, 29.04.2017, 14:23 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

Masseneffekte statt Ideologien

Nicht nur in Frankreich zeigt sich die seit 1990 erwartete Auflösung der Ideologien, schreibt Adrian Lobe in der ZEIT: Die Populisten dieser Welt brauchen weder Visionen noch Weltbild, um an die Macht zu kommen, sondern die zynische Bereitschaft, jedes der vervielfältigten Weltbilder in ihrer Anhängerschaft rhetorisch zu bedienen. (25.04.17)

Krimis und Verschwörungstheorien

Der Wahn wird mit Bildern von außen möbliert. Der Schriftsteller Guido Eckert fragt sich (und einige Kollegen) im Freitag, ob u.a. seine Zunft dazu beigetragen hat, dass anscheinend immer mehr Leute ernsthaft glauben, in einem Thriller voller Verschwörungen und dunkler Machenschaften zu leben. (26.04.17)

Friedensschrift ohne Leser

Christian Thomas portraitiert in der FR den Humanisten und Aufklärer Erasmus von Rotterdam, der vor 500 Jahren gegen den Krieg anschrieb und damit scheiterte, weil er einfach zu früh dran war: Pazifismus war im kriegerischen Europa des Mittelalters und seinen Lautsprechern wie Luther verpönt. (28.04.17)

Gendermüdes Neobiedermeier

Die 68er wollten alles sein, nur nicht Spießer, wurden damit aber auch nicht glücklich. Cora Stephan versucht in der NZZ darum eine Ehrenrettung spießiger Tugenden wie Ernst, Manieren und Monogamie, die gerade eine Renaissance erfahren, auch wenn oder gerade weil ihre Anhänger von der bösen „Gender-Elite“ gemaßregelt werden. (29.04.17)

(Eine schönere Verteidigung des Spießertums lieferte Marc Hieronimus in Lichtwolf Nr. 53 („Schloch“)

Unn sünst?

Die taz weist auf Jeanette­Erazo Heufelders Biographie des Mäzens der Frankfurter Schule, Felix Weil hin. +++ Christoph Egger hat sich im Antiquariat ein Schriftsteller-Lexikon von 1882 gekauft und schwärmt in der NZZ von einer literarischen Welt vor unserer Zeit. Freunde vergessener Autoren schätzen die Lichtwolf-Reihe „Lebende & Leichen“, aus der Michael Helmings „Leichen treppauf“ ausgekoppelt worden ist. +++ Claus Leggewie zeigt sich in der SZ wenig überzeugt von Jason Brennans Argumenten dafür, dass regiert zu werden den meisten Leute besser tut als politische Teilhabe, für die ihnen die Kompetenz fehlt. +++ Im Freitag bekundet Ulrike Baureithel, bei den Science Marches der letzten Woche einen (selbst-)kritischen Blick auf den Wissenschaftsbetrieb vermisst zu haben.

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