Links der Woche, rechts der Welt KW 14/17

von Timotheus Schneidegger, 08.04.2017, 13:55 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

Von der kritischen zur paranoischen Vernunft

René Scheu denkt in der NZZ über den paranoischen Politstil (Richard Hofstadter) nach, wie er in der Türkei und in den USA gepflegt wird. Establishment, tiefer Staat und andere verschwörungstheoretische Signalwörter sind Ausfluss einer Haltung, die Kant auf eine „rasende Vernunft“ zurückführte. (05.04.17)

Kaum Gärtner in wuchernden Textwelten

Der Germanist Jochen Hörisch bemerkt in der NZZ ein Phänomen, das einer Zeitschrift wohlvertraut ist, die bald mehr Autoren als Abonnenten hat: Dass alle schreiben wollen und keiner mehr lesen mag, nimmt Hörisch zum Anlass einer Meditation über das Verhältnis von Sprache und Sein, über Fundamentalismus und automatische Textverarbeitung. (06.04.17)

Vom Affen sprechen lernen

Tom Appleton geht bei Telepolis in einem zweiteiligen Essay der Frage nach dem Ursprung der Sprache nach – davor kommt aber gründliche Affenkunde. In Teil I begibt er sich zunächst in die Literaturgeschichte, um zu sehen, wie etwa Edgar Allen Poe sich unsere affige Verwandtschaft vorstellte. In Teil II geht es darum, dass uns die Menschenaffen – an denen die Entstehung unserer Sprache zu studieren wäre – heute fremder denn je sind. Weitere Teile folgen.

Außerdemchen:

Zum 1. April erwog die FAZ die ganz und gar nicht alberne Frage, ob Katholiken, die beim Gottesdienst ganz unsymbolisch den Leib Christi zu sich nehmen, Veganer sein können. +++ Der Freitag stellt die von Mathias Greffrath herausgegebene Essaysammlung über Marxens Kapital im 21. Jahrhundert vor. Die Beiträge waren (und sind) auch in der Reihe „Essay und Diskurs“ des Deutschlandfunks zu hören. +++ Die NZZ wundert sich über den Erfolg von Oliver Nachtweys Abstiegsgesellschaftsdiagnose über das „Aufbegehren in der regressiven Moderne“. +++ Claus Leggewie hat für die SZ einige aktuelle Bücher über die AfD, die neue Rechte, die autoritäre Revolte und konservative Revolution gelesen. +++ Die FAZ weist auf Pascal Bruckners bislang nur auf Französisch vorliegende Auseinandersetzung mit dem Vorwurf der „Islamophobie“ hin, der jede Kritik an der Religion unterbinde. +++ Die WELT freut sich über die Digitalisierung der Reise-Tagebücher Alexander von Humboldts durch die Staatsbibliothek zu Berlin. +++ Die FAZ stellt die Studie des Soziologen Andrew Abbott zu möglichen Reaktionen auf die Akademikerschwemme in den Industrienationen vor.

Schreiben Sie einen Kommentar



© 2002-2019 catware.net Verlag, T. Schneidegger | Impressum | AGB (Onlineauftritte) | Datenschutz