Links der Woche, rechts der Welt KW 12/17

von Timotheus Schneidegger, 25.03.2017, 11:36 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

 

Früher war alles gut.

Der politische Erfolg rückwärtsgewandter Populisten ist auch dem menschlichen Hang zur Nostalgie verschuldet, mit dem sich Mohsin Hamid im Freitag beschäftigt. Der Mensch ist einerseits äußerst anpassungsfähig, andererseits stressen ihn Veränderungen. Ohne gibt es aber keine Zukunft, und für deren Ankunft helfen Phantasie und Träume eher als die Idealisierung des Vergangenen. (22.03.17)

 

Laaangweilig!

Matthias Kalle, stellvertretender Chefredakteur des ZEITmagazins, hat ein Buch über die bzw. seine Jugend geschrieben. In seinem Magazin fragt er sich, ob seine Jugend wirklich von in heutigen Tagen geradezu erholsam wirkender Langeweile geprägt war und was Langeweile überhaupt ist (physiologisch und philosophisch)… (22.03.17)

 

Populisten auf Logik festlegen

Der Populismus immunisiert sich mit seiner Krawallform gegen Widerspruch, da sich besonnene Demokraten erst auf ihn einlassen müssten. Wie man das macht, beschreibt Daniel-Pascal Zorn in seiner Anleitung „Logik für Demokraten“, die von Harald Staun in der FAZ ausführlich vorgestellt wird. (24.03.17)

 

Raus aus der Komfortzone

In den USA ist das „Affirmative Consent Kit“ beliebt, das die Einvernehmlichkeit des Geschlechtsverkehrs dokumentiert – worüber Slavoj Žižek in der NZZ den Kopf schüttelt: Statt durch Kontrollverlust ist Sex nun durch Bürokratie und Schutzklauseln geprägt. Und das ist nicht der einzige Auswuchs einer politischen Korrektheit, die Probleme, Ambiguitäten und Konflikte zum Verstummen, aber nicht zum Verschwinden bringt. (25.03.17)

 

Et cetera:

Der Standard unterhält sich mit Raoul Peck, dem Regisseur von „Der junge Marx“ über das Kapital und Marxens Europa. +++ Matthias Heine hat für die WELT fleißig zusammengetragen: Zum einen die von David Tripolina aufgestellt Liste von 333 (angeblich) unübersetzbaren Wörtern, zum anderen die schönsten Nazivergleiche von Kurt Schumacher über Reinhard Mey bis zu Erdo?an. +++ Gute Nachrichten für unsere Leserschaft: Der Trend geht zur Sapiosexualität, schreibt Nora Belghaus im Freitag, hält aber manche Enttäuschung für diejenigen bereit, die auf Clickbaiting mit Intelligenz reinfallen. +++ Lucas Vogelsang ist in den Wedding gezogen, den die meisten Deutschen als „Problembezirk“ meiden, und hat darüber geschrieben, was in solchen und anderen bunten Stadtteilen eigentlich deutsch ist; der Freitag stellt das Buch „Heimaterde“ vor.

 

Der neue Lichtwolf

Lichtwolf Nr. 57

 

Lichtwolf Nr. 57 zum Thema „Der Adel und du“ ist diese Woche erschienen. Es ist wieder ein sehr schönes Heft mit 112 dicht beschriebenen Seiten im A4-Paperback ohne Werbung geworden, das inkl. Versand 8,50 Euro kostet. Alternativ gibt es die Frühlingsnummer auch als DRM-freies E-Book für Kindle und im epub-Format, was bloß 3,99 Euro kostet. Reingucken kann man in Bdolfs Propädeutikum und Schneideggers Analyse der neofeudalen Pöbelherrschaft in den USA. Das ist eine gute Gelegenheit, sich für nicht mal 30 Klötze ein Jahr lang Lichtwölfe nach Hause kommen zu lassen!

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