Links der Woche, rechts der Welt KW 53/16

von Timotheus Schneidegger, 31.12.2016, 15:23 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

Anderswo ist’s auch scheiße.

Nach wie vor jährt sich die Veröffentlichung von Thomas Morus’ „Utopia“ zum 500. Mal. Für die ZEIT hat sich Thomas Assheuer darum ausführlich mit dem revolutionären Traum von einer besseren Welt im Irgendwo befasst, der eigentlich eine Sozialkritik des Frühkapitalismus ist und zu ihm ein auf den zweiten Blick genauso beklemmendes Gegenbild entwirft. Dennoch gibt es was zu lernen. (29.12.16)

Destillat aller Science Fiction

Stanislaw Lems Technikphilosophie kulminierte 1964 in der „Summa technologiae“. Für Telepolis hat Wolfgang Neuhaus das halbvergessene Werk noch einmal zur Hand genommen, das systematisch künftige Existenzmöglichkeiten aufzuzählen versucht und mit vielen Vorhersagen zur technologischen Entwicklung richtig lag. (29.12.16)

Niemand ängstigt sich wie die Deutschen

Was es alles gibt! Gefühlshistoriker zum Beispiel – mit zweien von ihnen, Frank Biess und Bettina Hitzer, unterhält sich der Tagesspiegel über die spezifisch deutsche Gefühlswelt, namentlich die German Angst, deren historisch-philosophische Wurzeln die beiden untersucht haben. (30.12.16)

Mal was ganz anderes lesen?

Eva Lüdi Kong hat in jahrelanger Arbeit den 1.200-seitigen chinesischen Klassiker „Reise in den Westen“ (=zu Buddha nach Indien) ins Deutsche übersetzt. Mark Siemons zeigt sich in der FAZ fasziniert und begeistert von dem fremdartigen Epos mit seinen philosophisch-religiösen Ausschweifungen und seinem anarchischen Witz. (30.12.16)

Das Jahr des Hiob

Was soll man nur vom zu Ende gehenden Jahr 2016 halten, fragt sich Dirk Gieselmann in der ZEIT. Es hat uns die Rechnung für unser bisher so sorgloses Leben hingeknallt und damit zutiefst gekränkt und verunsichert. Nun gilt es, die passende Musik zu suchen, um damit klarzukommen, dass der nächste Tiefpunkt folgt. (30.12.16)

Neue Bücher:

Die NZZ bespricht Kurt Steinmanns neue Übersetzung der Orestie von Aischylos – mit spürbarer Wehmut nach der alljährlichen Selbstvergewisserung der Polis im Theater. +++ Die FR empfiehlt Sarah Bakewells unterhaltsamen Spaziergang durch die Philosophie des 20. Jahrhunderts, „Das Café der Existenzialisten“. +++ Tal Sterngast blickt in der taz mit der liebevoll gestalteten Neuausgabe von Salvador Dalís unappetitlich-surrealistischem Kochbuch „Die Diners mit Gala“ auch zurück auf das Jahr 2016.

Kommentare zu Berlin

Der Psychologe Ahmad Mansour kommentiert im Tagesspiegel die Verschwörungstheorie-Gläubigkeit rund um die Papiere des Attentäters, die am Anschlagsort gefunden wurden. Der Politologe Herfried Münkler rät in der ZEIT, die Sicherheitsorgane ihre stille Arbeit machen zu lassen und Angstpolitiker nicht weiter mit Wahlerfolgen zu unprofessionellem Gerede zu ermuntern.

Et cetera:

Zu den wenigen Prominenten, die 2016 nicht gestorben sind, gehört Hermann Lübbe, den die NZZ zu seinem heutigen 90. Geburtstag würdigt. +++ Gina Thomas empfiehlt in der FAZ einen Besuch der neuen Mathematik-Galerie im Londoner Science Museum, das auch für Mathe-Allergiker faszinierend sein dürfte. +++ Endlich mal wieder was von Georg Seeßlen! Im Freitag setzt er sich gewohnt klug mit der Intrige als Werkzeug der Macht auseinander. +++ Denken Sie dran: Ein Lichtwolf-Abo ist nur noch heute für 26,80 Euro zu haben, sobald das elende Scheißjahr vorbei ist, kostet ein Jahr „Zeitschrift trotz Philosophie“ 29,80 Euro!

Guten Rutsch!

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