Links der Woche, rechts der Welt KW 42/16

von Timotheus Schneidegger, 15.10.2016, 14:23 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

 

Angstkampagnen rocken mehr als Fakten

Überall weidet man sich beispielsweise an der Angstlust, Trump könne zum US-Präsidenten gewählt werden. Auch Susanne Berkenheger gibt sich diesem medialen life thrill hin und überlegt im Freitag mit einigen Psychologen und Soziologen, ob dem täglichen Apokalypsenporno nicht eigentlich resignative Wut auf die Zivilisation zugrunde liegt (09.10.16)

 

„Desaster deutscher Geistesgeschichte“

Die Demaskierung oder Demontage Heideggers geht weiter: Adam Soboczynski und Alexander Cammann haben für die ZEIT in den Briefwechsel zwischen den Gebrüdern Heidegger zwischen 1930 und 46 geblickt, in dem sich der Seinsdenker als profan antisemitischer, komplett uneinsichtiger Nazi-Anhänger äußert. (12.10.16)

 

Angst und Langeweile der Selbstbestätigung

Ronja von Rönne berichtet in der WELT, wie sie nach vollzogenem Onlinshopping den Reklame-Algorithmen sei dank im Internet mit nichts anderem mehr als ihren vermeintlichen Bedürfnissen konfrontiert wird. Sie sorgen dafür, „dass man noch mehr der Mensch wird, der man schon ist“ – ob nun Shopping Queen oder besorgter Bürger. (13.10.16)

 

Roboterrechte und -pflichten

Die ZEIT setzt ihre Reihe über Künstliche Intelligenz und die Arbeitswelt fort, diese Woche mit einem Text von Adrian Lobe über die ethischen und rechtlichen Fragen, die sich zum Beispiel ergeben, wenn ein Roboter einen Menschen oder einen anderen Roboter tötet. Auch in anderen Fällen wirft uns die KI manch harte Nuss in Sachen Willen, Gewissen und Verantwortung vor die Füße. (14.10.16)

 

Content- statt Kulturindustrie

Das, was drin ist, zählt nur noch mit Blick auf das, was hinten rauskommt: Mark Siemons schreibt in der FAZ über Content, in dem Unterhaltung, Journalismus und Werbung zusammenfließen und dessen instrumentelle Logik die gesamte Text- und Bild„produktion“ erfasst und erst zu einer solchen macht – die sich übrigens umso leichter automatisieren lässt. (15.10.16)

 

Das Weitere und Engere:

Die NZZ weist auf Pierre Bayles nicht ganz leicht zu lesenden Grundschrift der Toleranzphilosophie aus dem 17. Jahrhundert hin. +++ Michael Angele bespricht im Freitag Gisela von Wysockis Roman „Wiesengrund“, der der Faszination nachgehen will, die Adorno auf die Generation der 68er ausgeübt hat. +++ Um nicht schreiben zu müssen, er habe es ja immer schon gesagt, erklärt Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer im Freitag, warum er von der Brutalisierung der Gesellschaft nicht überrascht ist. +++ Das Jüdische Museum Berlin zeigt eine Ausstellung, in deren Zentrum laut FAZ der Golem und seine modernen technischen Nachfolger stehen. +++ In der FR ist von der Klage der Verbände über den stagnierenden E-Book-Markt in Deutschland zu lesen. Dem kann sich der catware.net Verlag mit seinen DRM-freien und halb so teuren E-Book-Fassungen des Lichtwolf nur anschließen.

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