Links der Woche, rechts der Welt KW 40/16

von Timotheus Schneidegger, 02.10.2016, 15:05 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

weniger Akte X, mehr House of Cards

28 Prozent der US-Wähler glauben, dass eine verborgene Elite nach autoritärer Weltherrschaft strebt, schreibt Houssam Hamade im Freitag über den strukturell antisemitischen Trend, hinter allem eine große Verschwörung zu wittern. Das ist unter anderem darum problematisch, weil es ja wirklich Verschwörungen in der Politik gibt. (28.09.16)

Die Verteidiger des Abendlands

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor schreibt in ihrem neuen Buch über die Bringschuld der Mehrheitsgesellschaft bei der Integration. Seither wird sie massiver denn je bedroht und gibt in der ZEIT selbsternannten konservativen Intellektuellen eine Mitschuld an der neuen Welle an Morddrohungen gegen sie. (30.09.16)

Dystopie der entgrenzten Systeme

In der ZEIT-Reihe über Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt nimmt uns Sci-Fi-Autor Marc Elsberg mit ins Jahr 2031, in dem moralische Werte quantifizierbar sind, eine KI die Legislative und die Kulturproduktion übernommen hat und auch sonst praktisch jeder (selbst die Programmierer) durch intelligente Systeme ersetzt worden ist. (30.09.16)

Keine Fakten, nur Interpretationen

Nach dem Rededuell der beiden US-Präsidentschaftskandidaten beschäftigt sich Thomas Assheuer in der ZEIT mit dem locker-verächtlichen Verhältnis zur Wahrheit, das Donald Trump und alle Rechtspopulisten auszeichnet. Sie ersetzen Ideale durch gefühlige Mythen, die autoritaristische Sehnsüchte bedienen. Schuld ist die Postmoderne. (01.10.16) [ Ums postfaktische Zeitalter ging es – ausführlich und mit Links zu Assheuers Quellen – auch nebenan bei Schwein & Zeit in drei Teilen. ]

Außerdemos von Sonstnochos:

Die taz berichtet kurz vom diesmal ziemlich gottlastigen 20. Philosophicum in Lech. +++ Der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani bringt in München Kamel Daouds Roman „Der Fall Meursault – Eine Entgegnung“ auf die Bühne; der Standard zeigt sich von der Inszenierung begeistert, auch die FR kommt nachdenklich angeregt aus dem Theater. +++ Die NZZ bespricht Terry Eagletons dichten Essay über Optimismus, Pessimismus und Fatalismus sowie die Frage, was die Hoffnung in der Büchse der Pandora verloren hat. +++ Die SZ rezensiert das neue Buch des Historikers Timothy Garton Ash, der darin die Entstehung und Ordnung der Internet-Weltgesellschaft beschreibt – und mit welchen Grundregeln sich liberale Werte darin bewahren lassen.

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