Links der Woche, rechts der Welt KW 38/16

von Timotheus Schneidegger, 17.09.2016, 14:28 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

Die Zeit zwischen den Bücherwänden

Mit den Bibliotheken geht es zu Ende, weshalb die Schriftstellerin und frühere UB-Hiwi Stefanie de Velasco ihnen in der ZEIT einen Abschiedsbrief widmet: Sie und die Bücherei hätten sich entfremdet, Schuld sind neue Signaturen, die Verunmöglichung des Stöberns und hemmungslos schwätzende Besucher in den zu „Information Stores“ hochrationalisierten Internet-Outlets. (11.09.16)

Schlechte Praxis der Physik

Gleich drei Physiker und Mathematiker beklagen den bildungsreformerischen Abbau der Schulfachfassungen ihrer Disziplinen: Der Physikunterricht werde schlechtgeredet, um ihn sodann von Fachwissen, wissenschaftlicher Methodik und Mathematik zu entschlacken zugunsten von Kompetenzerwerb („Könnenserwartungen“). (14.09.16)

Philosophie im Studi-Alltag

Für ZEIT Campus befragt Michael Wolf fünf Philosophen zu aktuellen Problemlagen des fröhlichen Studentenlebens: Nietzsche exkulpiert Notlügen, Heidegger hilft bei defekten Spülmaschinen, Kant klaut aus dem WG-Kühlschrank, Kierkegaard langweilt sich in der Vorlesung und Russell lobt die Prokrastination. (14.09.16)

Philosophie in Palästina

Auch in Palästina wird Philosophie studiert. Adania Shibli, die dort Philo unterrichtet, erzählt in der ZEIT vom Denken und Zweifeln unter Besatzung und Armut und wie die Grundtexte europäischer Aufklärung von den jungen Palästinensern aufgenommen werden, die in der Universität eine Zuflucht vor ihrem traurigen Alltag gefunden haben. (14.09.16)

So werde ich Byung-Chul Han

Magnus Klaue traut sich in der ZEIT etwas indirekte Publikumsbeschimpfung, indem er sich den ebd. veröffentlichenden, liebsten Pop-Philosophen der ZEIT-Leserinnen vornimmt: Der Zivilisationskritiker Byung-Chul Han liest sich wie eine Erfindung von Botho Strauß und haut Pocketbooks voller Phrasen raus, für deren Nachahmung Klaue sieben Regeln angibt. (14.09.16)

Das zweite Mal als Farce

Der Historiker Dan Diner gibt Europas Gegenwart in der FAZ ein paar Tipps anhand von Europas geopolitischer Vergangenheit. Der Kalte Krieg regulierte noch die Krisen, die neue Unübersichtlichkeit aber betrifft auch Raum und Zeit und schafft Konfliktherde, die eher an das neunzehnte Jahrhundert erinnern. (15.09.16)

Außerdemchen:

In der NZZ denkt Robert Misik über den Mythos vom Meinungskartell der Mainstreammedien nach. +++ Die NZZ bespricht außerdem eher skeptisch Thomas Rids kurze Geschichte der Kybernetik mit dem Titel „Maschinendämmerung“. +++ An diesem Wochenende steigt in Hamburg der 51. Deutsche Historikertag, der sich laut Ulrike Heitmüller (Telepolis) mit Glaubensfragen (und Gastland Indien) befasst. +++ Die WELT hat jetzt auch eine Paywall, hinter der ein Artikel über neue Ergebnisse von Sprachforschern steckt, dessen lesbarer Teil immerhin verrät, dass die Lektüre acht Minuten dauert und „Warum das wichtig ist: Weil es die bisherigen Annahmen über die Entstehung von Sprache in Frage stellt.“ +++ Der neue Lichtwolf zum Thema „Nasen & Füße“ geht am Montag in die Post: Verraten Sie uns Ihre Anschrift, geben Sie uns Geld und seien Sie als Abonnentin ganz ohne Periscope und trotzdem live hinter der Offline-Paywall dabei!

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