Links der Woche, rechts der Welt KW 32/16

von Timotheus Schneidegger, 06.08.2016, 14:23 Uhr (Zwote Dekade, 1/2)

Noumenauten und ihr Zeug

Peter Sjöstedt hat bei den Psychedelik-Fachleuten von HighExistence.com sorgfältige Konsumportraits von 13 Philosophen zusammengestellt, die immer oder hauptsächlich auf Droge waren: Von Platons Mutterkorntrips über William James, der erst auf Lachgas Hegel zu verstehen glaubte, bis zu Sartres Meskalin-Experimenten.

Alles ist eitel

„Geht es mit der westlichen Kultur zu Ende?“, fragt Wolfgang Müller-Funk im Standard, wo er sich mit dem Dekadenznarrativ von Giambattista Vico bis Michel Houellebecq befasst und feststellt: Der allgemeine Niedergang wurde schon immer diagnostiziert und heutzutage natürlich ganz besonders leidenschaftlich. (31.07.16)

Rendezvous der Littérature engagée

In der FR fragt sich Christina Lenz angesichts einiger literarischer Neuerscheinungen mit politischer Botschaft, ob der engagierte Intellektuelle in die Öffentlichkeit zurückgekehrt ist: Matthias Jügler hat 25 Texte jüngerer Autorinnen und Autoren zur Frage zusammengetragen, „wie wir leben wollen“, und eine Schriftstellerkonferenz nimmt sich das Motto „Grenzen nieder schreiben“ vor. (02.08.16)

Die nicht ganz entzauberte Welt

Karl-Heinz Ott rekapituliert in der NZZ die Diagnostik vom Ende der Erzählungen, die vor hundert Jahren von Freud, Weber, Benjamin & Co. vorgenommen wurde, um sogleich mit allerhand anderen Philosophen an die auch in der kapitalistischen Postmoderne noch aktive Kraft von Mythen (Marxismus und Islam) zu erinnern. (05.08.16)

Wer jung bleibt, altert und stirbt nicht

Andrea Köhler unterhält sich für die NZZ mit dem Kulturwissenschafter Robert Harrison über Jugendwahn und die Infantilisierung der Gesellschaft. Beide scheinen ein Effekt der länger werdenden Lebenserwartung zu sein – und Internet und Smartphones haben auch was damit zu tun. (05.08.16)

Bücher zur rechten Zeit

Die FAZ bespricht Bettina Stangneths an Kant und Arendt geschulte Analyse „Böses Denken“. Das Buch kommt in Zeiten von Terror und Gewalt gerade recht, weshalb sich Michael Girke für den Freitag von Stangneth München und Menschenverachtung erklären lässt. Ebenfalls zur rechten Zeit – diesmal mit Blick auf den Vormarsch des Rechtspopulismus – ist Hannah Arendts „Apologie der Pluralität“ auf Deutsch wiederaufgelegt worden und wird von der ZEIT vorgestellt.

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