Warum ist der Lichtwolf so teuer?

von Georg Frost und Timotheus Schneidegger, 18.08.2010, 11:55 Uhr (Neues Zeitalter)

 

Vor Jahren haben wir beim Lichtwolf gedacht, es sei total Rock’n’Roll, den Verkaufspreis der gedruckten Ausgaben willkürlich und niedrig festzulegen. Damals kostete eine Schwarzweißkopie 5 Cent und da die meisten Ausgaben aus 40 schwarzweißen DIN-A4-Seiten bestanden, kostete das Vieh eben 2 Euro.

2009 kam die „Zeitschrift trotz Philosophie“ unter die Fuchtel des catware.net Verlags, der da sein eigenes System hatte: Hohe Druckauflage sorgt für niedrigere Stückkosten, da packt man noch die Versandkosten und Autorenhonorare rein, nimmt eine schöne Zahl wie 5 Euro und dann läuft das.

Lief aber nicht. Ende 2009 brach die Auflage vollends ein, die Druckkosten pro Exemplar schossen in die Höhe und weil die ohnehin mickrigen Honorare nicht gekürzt werden, wurde der Verkaufspreis im Herbst 2010 abermals erhöht auf 6,80 Euro pro Heft.

 

Kalkulation

Wieso das sein muss, lässt sich in einem Aufwasch mit der Frage beantworten, was Sie mit Ihren 6,80 Euro so alles bezahlen. Darin enthalten sind:

0,44 Euro Mehrwertsteuer

0,85 Euro Porto

0,05 Euro Verpackung (Durchschnitt)

1,90 Euro Druckkosten (Durchschnitt)

2,00 Euro Autorenhonorare (Durchschnitt)

———

5,24 Euro

Mit den übrigen 1,56 Euro tragen Sie zum Schuldenabbau von Verlag und Lichtwolf-Herausgeber bei. Wenn Ihnen das nicht passt, gucken Sie doch ab Herbst 2010 mal bei einem Kiosk im Nordwesten, ob Sie dort einen Lichtwolf kaufen können. Für jedes über den Buchhandel verkaufte Heft kriegt der Verlag nur 3,18 Euro, davon gehen die 4,80 Euro Herstellungskosten ab und es bleiben 1,62 Euro Verlust. (Bevor Sie einen Schreck kriegen: Es ist in diesem Geschäft gar nicht so ungewöhnlich, mit dem Verkauf Verluste zu machen; selbst der deutlich größere Freitag kann es sich nicht mehr leisten, deutschlandweit im Zeitungsständer auszuliegen.)

 

Preise verkaufen

Lange haben sich Verlag und Redaktion den Kopf darüber zerbrochen, wie der zweite ordentliche Preisanstieg innerhalb zweier Jahre zu vermitteln sei. Das Problem: Unsere Leserschaft ist zu schlau, um auf irgendwelche Marketing-Sülze hereinzufallen. Darum versuchen wir auch gar nicht erst, Ihnen die jüngste Preissteigerung auf eine der folgenden Arten zu verkaufen:

 

Für Sozialisten

Natürlich könnte der Lichtwolf auch wieder darauf verzichten, seinen Beiträgern ein Honorar zu zahlen. Die Kleinzeitschriftenkonkurrenz zahlt auch nix und bei den meisten reicht es ohnehin bloß, um einmal im Quartal schick essen zu gehen. Fielen die Autorenhonorare als größter Posten in der obigen Kalkulation weg, könnte der Lichtwolf auch weiterhin 5 Euro kosten. Aber dann könnte man ja auch gleich FDP wählen.

 

Für Prozentrechner

Lichtwolf Nr. 1 hat man 2002 noch für 50 Cent kopieren können, dagegen muss man im Jahre 2010 für Lichtwolf Nr. 31 schon 6,80 Euro hinblättern – eine Preissteigerung um 1.260 Prozent! Im DAX (siehe unten) sieht das ja noch ganz cool aus, aber…

Aber betrachten wir es doch so: Die erste Lichtwolf-Ausgabe, die tatsächlich in den regulären Verkauf ging, war die Nummer 13 im Oktober 2004. Sie hatte 24 Seiten und kostete 1 Euro. Die Nummer 31 vom Herbst 2010 kommt mit 52 Seiten (die deutlich dichter bedruckt sind, aber wurscht*) für besagte 6,80 Euro. In diesen sechs Jahren ist der Preis 580 Prozent gestiegen, die Seitenzahl jedoch um 117 Prozent? Auch nicht besser.

Anstieg von Seitenzahl und Preis

Diagramm 1: Anstieg der Seitenzahl und des Preises von Lichtwolf-Ausgaben in Prozent relativ zur Ausgabe Nr. 1 (10 Seiten, 50 Cent). Die Epochen der „Zeitschrift trotz Philosophie“ sind gut erkennbar: Das Dunkle Zeitalter von Nr. 1 bis 12, die Freiburger Selbstkostenzeit von Nr. 13 bis 25 und das Neue Zeitalter seit Nr. 26, in dem die Autoren und Illustratoren wenigstens einen kleinen Obulus für ihre Arbeit erhalten und der Verlag trotzdem nicht pleitegehen will.

Seitenzahl und Preis in absoluten Zahlen

Diagramm 2: Ein neues Diagramm muss her und in absoluten Zahlen sieht die Entwicklung von Seitenzahlen und Preis doch gar nicht mehr so schlimm aus!

*) Dichter Druck ist eben nicht wurscht: Auf eine Seite des schreibmaschinengetippten Lichtwolf von Nr. 1 bis 24 passten im Schnitt 3.600 Zeichen. Auf eine Seite der Ausgaben, die seit Nr. 26 mit Computerdampfkraft hergestellt werden, passen durchschnittlich 5.500 Zeichen. Lichtwolf Nr. 22 und Nr. 27 haben gleich viele Seiten, doch auf denen der Nr. 27 steht 53 Prozent mehr drauf.

 

Für Flattr-Freunde

Ein Jahr Lichtwolf kostet seit Herbst 2010 im Abo 25,80 Euro, das macht monatlich 2,15 Euro – nur ein paar Cent mehr als der Mindestbetrag, den man via Flattr monatlich an unterstützungswürdige Internetbeiträge spendet.

 

Für Umwelt-Freunde

Zwei Seiten eines Hefts im DIN A5-Format enthalten nicht so viel Text wie eine Seite in DIN A4. Eine Lichtwolf-Ausgabe könnte in einem kleineren Format eine angeberische Dicke von über 100 Seiten erreichen; in Oktav würde gar ein respektables Taschenbuch daraus. Aber Papier ist zu Recht sehr teuer, drum kosten (ordentliche) Taschenbücher auch nicht bloß 6,80 Euro wie ein Lichtwolf.

 

Für Illuminaten

 

All hail discordia!

 

Für Investment-Heinis

Während des Dunklen Zeitalters zwischen 2002 und 2004 gab es den Lichtwolf nicht zu kaufen, er flottierte einfach als Kopiervorlage durch die Gegend. Nimmt man die bloßen Kopierkosten als Preis einer damaligen Lichtwolf-Ausgabe an, so ist der Preis eines Lichtwolfs von 50 Cent im Jahre 2002 auf 6,80 Euro im Jahre 2010 gestiegen. Dies macht einen durchschnittlichen Anstieg von 38,6 Prozent pro Jahr, womit sich der Lichtwolf deutlich besser entwickelt hat als der DAX, der im gleichen Zeitraum nur um durchschnittlich 6,91 Prozent stieg.

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